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Donnerstag, 09.02.2012
Chance oder Horrorvision?
Was bringt die Zukunft?

Genlager Mensch 
Genlager Mensch
© IMSI MasterClips/MMCD
Die einen entwerfen geradezu paradiesische Bilder vom Ende aller Krankheiten, die anderen warnen davor, "Gott spielen zu wollen" und prognostizieren dramatische Folgen für Gesellschaft und Menschheit. Welches Szenario die Zukunft tatsächlich bringen wird, weiß natürlich niemand. Die Entscheidung darüber, in welche Richtung die zukünftige Entwicklung geht, könnte jedoch schon heute fallen. Regierungen, Wissenschaftler, die Wirtschaft und nicht zuletzt auch die öffentliche Meinung geben die Tendenz vor. Die Argumente von heute könnten damit die Weichen von morgen stellen.

Schon jetzt ist zu beobachten, dass die extremen Ansichten zum Klonen von Menschen sich langsam einander annähern. Vor allem die Haltung der Gegner jeder Art von Klonforschung mit menschlichen Zellen weicht zunehmend auf - ein Hinweis auf einen Trend der Zukunft?

Vielleicht.
Offensichtlich scheint jedenfalls, dass auch das Thema Klonen von Menschen gerade dabei ist, die typischen Akzeptanzphasen zu durchlaufen, die die Forscher Sophia Kleegmann und Sherwin Kaufman schon vor 30 Jahren für die Fortpflanzungstechniken beobachtet und beschrieben haben: Entsetzte Ablehnung, Ablehnung ohne Entsetzen, tastende Neugier, Erforschung, und schließlich langsame aber zunehmende Zustimmung.

In Wissenschaftlerkreisen, die traditionell der öffentlichen Meinung in diesem Prozess voraus sind, ist schon heute ein Wandel zu beobachten: Wenngleich die Mehrheit noch immer der Ansicht ist, Klonforschung am Menschen müsse prinzipiell reglementiert werden, wollen nur noch die wenigsten ein absolutes Verbot.

Auch Ian Wilmot, der Schöpfer des Klonschafs Dolly, hat eine solche Wandlung hinter sich. Inzwischen betont auch er: "Wir müssen die Tür zu dieser Forschung offen halten". Und der amerikanische Präsident Bill Clinton, der mehrfach versucht hat, ein Anti-Klongesetz durchzusetzen, veröffentlichte im September 1999 eine Presseerklärung, in der er erklärte: "Die wissenschaftlichen Ergebnisse der letzten Monate verstärken meine Hoffnung, dass eines Tage menschliche Stammzellen dazu genutzt werden können, um zerstörte Herzmuskelzellen bei Herzkranken, Nerven- und Gehirnzellen der Hundertausenden von Parkinsonkranken oder Insulinproduzierende Zellen von Kindern, die an Dabetes leiden, zu ersetzen."

Noch bevor die grundlegende Technik richtig etabliert und verfeinert worden ist, ist die Bereitschaft offenbar groß, menschliche Zellen und Gewebe nicht mehr per se als Tabu, sondern vielmehr als Ausgangspunkt für neue medizinische Möglichkeiten zu betrachten.
Setzt sich diese Haltung durch, wird sich in nicht allzu ferner Zukunft sicher auch die Rechtsprechung daran anpassen. Das Forschen an menschlichen geklonten Embryonen könnte dann zum Forschungsalltag werden.

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