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Freitag, 19.03.2010
Sowohl als auch?
Klonen und die öffentliche Meinung

Der Medienrummel um das Klonschaf Dolly hat dafür gesorgt, dass das Klonen von Tieren, aber vor allem auch von Menschen, ein Gegenstand der öffentlichen Diskussion wurde. Die plakativen Schlagzeilen der Zeitungen und Magazine, die jede neue Entwicklung auf dem Gebiet der Klonforschung begleiten, zeigen nur allzu deutlich, dass diese Thematik starke Reaktionen - sowohl dafür als auch dagegen - provoziert.

Auf die Nachricht hin, dass es der amerikanischen Firma Advanced Cell Therapeutics (ACT) gelungen sei, einen menschlichen Embryo zu klonen, titelte die englische Boulevardzeitung Daily Mail: "Skandal - Menschenbaby geklont!" Und die deutsche Bildzeitung schob hinterher: "Dürfen wir Gott ins Handwerk pfuschen?".
Andererseits kann ein Richard Seed verkünden, er wolle eine Klonklinik eröffnen und schon melden sich hunderte von Paaren, die unbedingt ein Klon als Kind haben wollen.

Wie ist diese Diskrepanz zu erklären?
Jens Reich, Mediziner und Genforscher am Berliner Max-Delbrück Zentrum für molekulare Medizin, erklärt sich die Aufregung um das Thema Klonen mit tiefenpsychologischen Ursachen: "Einer der Gründe ist individueller Natur: die Sehnsucht des Menschen nach Wiedergeburt, verzerrt als Angst vor dem Wiedergänger." Der Gedanke eines menschlichen Klons, so Reich, verspreche zum einen Verjüngung, eine Art Unsterblichkeit mittels der DNA, zum anderen aber raube der Klon dem Menschen die Illusion seiner Einzigartigkeit, schüre Ängste von Austauschbarkeit und Ersetzbarkeit.

Reich: "In dem Wunsch, eine identische Kopie von sich selbst zu schaffen, sehe ich vor allem eine Form von Narzißmus, eine bedenkliche Überbewertung der eigenen Person und die Gefahr, sich die Eigenschaften der Nachkommen wie nach einem Katalog bestellen zu wollen."

Eine Umfrage des amerikanischen Time Magazine unterstreicht die zwiespältige Haltung vieler Menschen zu diesem Thema: Von 5000 Befragten war zwar mit knapp 65 Prozent die klare Mehrheit für eine totales Verbot des Klonens von Menschen, andererseits beantworteten immerhin 18 Prozent die Frage, ob sie sich selbst klonen lassen würden, mit einem klaren Ja.

Kommt das therapeutische Klonen ins Spiel, kehrt sich die pauschale Ablehnung des menschlichen Klonens sogar um: Von 6000 Teilnehmern sprachen sich 68 Prozent dafür aus, Körperteile oder Organe zu klonen, um sie als Ersatzteile für das durch Krankheiten oder Unfälle zerstörte Original zu nutzen. Geht man von dieser Umfrage aus, scheinen die Bestrebungen vieler Wissenschaftler, das Klonen von Menschen zu therapeutischen Zwecken freizugeben, auf eine relativ breite Unterstützung in der Öffentlichkeit bauen zu können...

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