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Donnerstag, 26.05.2016
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Kriegsursache: Coltan

Hintergründe des Kongokriegs

Die Demokratische Republik Kongo in Zentralafrika

Die Demokratische Republik Kongo in Zentralafrika

Ein Großteil der weltweiten Coltan-Reserven liegt im Herzen Afrikas, in der Demokratischen Republik Kongo (DRC). Rund 80 Prozent der weltweiten Vorkommen lagern hier. Und Coltan ist auch eine der Ursachen des Kongokriegs, der seit 1996 mehr als fünf Millionen Todesopfer gefordert hat – mehr als jeder andere Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg.

Erst im Jahre 2008 wurde der Kongokrieg offiziell als beendet erklärt, „eine der schlimmsten, humanitären Katastrophen weltweit“, wie der Bürgerkrieg von der International Crisis Group, einer unabhängigen Organisation für internationale Konflikte und Krisengebiete, bezeichnet wurde.

Ethnische Konflikte nur als Vorwand?


Mehr als zehn Jahre lang hatten sich in diesem Bürgerkrieg die gegenüberstehenden, rivalisierenden Gruppen gegenseitig verfolgt. Dabei wurden ethnische Identitäten im Kampf um politische und ökonomische Vorherrschaft instrumentalisiert. Denn in den ostkongolesischen Provinzen Ituri und Kivu liegen die größten Goldvorräte der Welt, aber auch Diamanten, Erdöl und – Coltan.

Der Konflikt entwickelte sich in den 1990er Jahren und richtete sich gegen die teilweise schon seit der Kolonialzeit in Kivu lebenden Einwanderer aus Ruanda und Burundi. Als nach dem Völkermord in Ruanda 1994 über eine Million Flüchtlinge aus Ruanda in den Kongo kamen, unter ihnen auch die für den Völkermord an Tutsi und moderaten Hutu verantwortlichen Hutu-Milizen, eskalierte der Konflikt. Kongolesische und ruandische Milizen gingen seitdem gemeinsam gegen die im Kongo lebenden ruandischen und kongolesischen Tutsi vor.

Die Macht des Coltans


Nachdem im Jahr 2000 ruandische und ugandische Truppen in der Provinzhauptstadt Kisangani gegeneinander kämpften und dabei 600.000 Kongolesen umkamen, beriefen die Vereinten Nationen eine Untersuchungskommission ein. Sie sollte der illegalen Ausbeutung von Rohstoffen im Kongo nachgehen. Denn im illegalen Rohstoffhandel vermutete man sowohl eine Ursache für die Konflikte, gleichzeitig aber auch eine Geldquelle, durch die die Kriegsparteien ihre Kämpfe weiterführen konnten.

Offiziell behauptete der ruandische Präsident Paul Kagame gegenüber den Vereinten Nationen, die ethnischen Konflikte in der Republik Kongo verhindern zu wollen. Doch die UN-Kommission kam zu dem Schluss, dass sowohl der ugandische Präsident Yoweri Museveni als auch Kagame in Wirklichkeit die Fäden beim illegalen Rohstoffexport in den Händen hielten. Die Kommission bezeichnete sie gar als „Paten des illegalen Rohstoffhandels“. Ihr Auftritt im Kongo galt allein den Mineralressourcen des Landes.

Der Westen will nur spielen


85 westliche Konzerne, so der UN-Bericht aus dem Jahr 2002, seien damals am Handel von kongolesischen Rohstoffen beteiligt gewesen, wenn auch zum Teil nur indirekt, und hätten so zur persönlichen Bereicherung einzelner Kriegstreiber und an der Finanzierung des Bürgerkriegs beigetragen.

Auch ein deutsches Unternehmen gab es in der Liste, das 75 Tonnen Coltan von den Kriegsparteien eingekauft und an ein auf die Produktion von Tantal spezialisiertes Unternehmen in Deutschland verkauft hatte.

Die Zeit des Coltan-Booms und den zunehmend kriegerischen Auseinandersetzungen im Kongo fiel mit der steigenden Popularität von Spielkonsolen und Handys zusammen. Während sich die reichen Industrienationen mit Computerspielen und Mobiltelefonen eindeckten, profitierten die Kriegstreiber im Kongo von der großen Nachfrage nach Coltan.

Der Lüge überführt


Bereits 1999 hatten die Vereinten Nationen in einem Bericht veröffentlicht, dass 80 Prozent des 320 Millionen US-Dollar umfassenden Militärbudgets Ruandas aus gestohlenen Mineralressourcen der Demokratischen Republik Kongos finanziert wurden. Im Jahr 2001 flossen etwa 20 Millionen US-Dollar ins ruandische Militärbudget allein aus dem Handel mit Coltan.

Die ruandische Regierung verteidigte sich gegen internationale Anschuldigungen, die Ressourcen illegal auszubeuten, und behauptete, 1.440 Tonnen Coltan pro Jahr aus eigenen Minen zu gewinnen. Dabei verriet sich die Regierung offensichtlich selbst, denn die UN hatte in ihrem Bericht Zahlen aus der offiziellen Statistik Ruandas veröffentlicht, wonach die Coltan-Produktion des Landes lediglich 83 Tonnen pro Jahr betrug.



Stand 25.04.2009