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Dienstag, 07.02.2012
Umwelt oder Gene?
Die Antwort der Zwillinge

Zwillinge 
Zwillinge
© IMSI MasterClips
Auf etwa 250 Geburten kommt weltweit eine Geburt mit eineiigen Zwillingen. Sie gehen aus einer einzigen befruchteten Eizelle hervor, die sich teilt und damit quasi selbst klont und zu zwei Embryos heranwächst.

Gleiche DNA
Die beiden Kinder sind mit exakt den gleichen Genen ausgestattet. Sollte einer der beiden jemals straffällig werden, könnte auch ein genetischer Fingerabdruck nicht eindeutig einem der Zwillinge zugeordnet werden – zumindest bis jetzt.

Neue Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass sich die Polizei mit ihren Untersuchungsmethoden nur noch nicht auf Erkenntnisse aus der Epigenetik eingestellt hat. Denn würde man sich die DNA der Zwillinge genauer anschauen, kämen doch Unterschiede zutage – keine genetischen, aber epigenetische.

Frühe Trennung für Anabel und Gemma
Dies zeigt das Beispiel von Anabel und Gemma Molero aus Barcelona. Wie viele eineiige Zwillinge haben auch diese beiden vieles gemeinsam erlebt und viele gleiche Erfahrungen gemacht. Mit 16 Jahren jedoch trennen sich die Wege der Zwillinge.

Die eine geht nach England, die andere nach Mexiko. Ihr Lebensstil unterscheidet sich von nun an – und auch ihre Essgewohnheiten sind anders. Gemma steht auf Fastfood, kocht selten und kauft sich lieber schnell etwas für Zwischendurch. Sie ist viel Pasta und Fleisch. Anabel dagegen mag Obst und Gemüse, kocht gern und achtet auf eine gesunde Ernährung, außerdem treibt sie viel Sport.

Als eineiige Zwillinge sind Anabel und Gemma prädestiniert für epigenetische Untersuchungen haben an einem Programm des Madrider Krebsforschungsinstituts teilgenommen. Das forscht bereits seit den 1990er Jahren an den genetischen Eigenheiten von Zwillingen. Manel Esteller geht seit dem Jahr 2005 der Frage nach, warum Zwillinge wie Anabel und Gemma trotz gleicher Gene unterschiedlich schnell krank werden.

Lebensstil hinterlässt unterschiedliche Spuren
Die Speichelproben der zwei jungen Frauen zeigen: Die Gene der beiden sind nach wie vor identisch, doch sie funktionieren offenbar unterschiedlich. „Wir haben eine Doppel-Blindstudie gemacht“, so Humangenetiker Esteller. Die Fragebögen, die die Probanden über ihren Lebensstil und ihre Essgewohnheiten ausfüllen mussten, werden mit den DNA-Daten abgeglichen. Die Ergebnisse sind erstaunlich: „Überraschenderweise haben wir Unterschiede in der DNA-Methylierung gefunden – je nach Lebensstil.“

Je älter, desto verschiedener
Die Zwillingsstudie in Madrid umfasste eineiige Pärchen zwischen drei und 74 Jahren. Etwa zwei Drittel der untersuchten Zwillinge wiesen deutliche Unterschiede in ihrem Methylierungsmuster auf. Bei den Jüngsten waren die Unterschiede am geringsten. Doch je älter die Zwillinge wurden, desto größer wurden auch die Differenzen. Besonders ausgeprägt waren sie bei Paaren, die schon früh eigene Wege gegangen waren – wie Anabel und Gemma.

Die Umwelt hat also offensichtlich doch einen größeren Einfluss auf die Gene als bisher vermutet, nur wird dadurch nicht das Genom verändert, sondern das Epigenom.

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