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Freitag, 10.02.2012
Mit 80 Pferden durch den Pamir
Die Vermessung des Fedtschenko-Gletschers

Willi Rickmer Rickmers 
Willi Rickmer Rickmers
© Alpines Museum München / Wolfgang Asenhuber
Wissenschaftliche Aufgaben kommen Willi Rickmer Rickmers nicht zu, als er von der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, dem Vorgänger der Deutschen Forschungs-gemeinschaft, ausgewählt wurde, die für das Jahr 1928 geplante Reise deutscher Forscher in den Pamir zu leiten. Obwohl selbst Geologe, Zoologe und Botaniker hält sich Rickmers mit eigenen Ambitionen zurück. „Ich halte es für gut, dass der Führer einer großen Expedition keine Wissenschaft ausübt, sondern sich ganz dem Haushalte widmet“, schreibt er in einem seiner Reiseberichte. Dank einer solchen Arbeitsteilung sei jeder imstande, „sein Fachfeld zu beackern, ohne von den hundert Einzelheiten des Reisebetriebes allzusehr beansprucht zu werden.“

Exakte Vorbereitung
Zu diesen „hundert Einzelheiten“ gehört es, für Proviant und Transportpferde zu sorgen, mit Dolmetschern und anzuheuernden Trägern zu verhandeln, den Reiseverlauf zu planen und die Ziele mit den wissenschaftlichen Teilnehmern abzustimmen.

Rickmers nimmt seine Sache so ernst, dass er bereits im Jahre 1927 allen Teilnehmern einen so genannten „Rüstplan“ schickte und sie um Anmerkungen und Vorschläge für eine bessere Vorbereitung bat.

Die vielen Gedanken, die er sich, noch in Deutschland, um das Gelingen des Unternehmens gemacht hatte, erweisen sich vor Ort als unnötig: „In Bezug auf die brieflich so schwer zu erledigenden Vorbereitungen im Reiselande enthob mich Professor Schtscherbakoff aller Sorgen. Bei unserer Ankunft in Osch fanden wir schon tüchtige Dolmetscher, eine zuverlässige Dienerschaft und die Pferde vor,“ schreibt er später.

Rickmers selbst ist bereits mehrfach in der Region unterwegs gewesen und weiß eine gute Organisation der Reise zu schätzen. 15 Jahre zuvor hatte er bereits den zentralen Teil des Pamirs erkundet. Ziel der Expedition im Jahre 1928 soll es sein, den bis dahin nahezu unbekannten Westrand des Gebirges und den im Norden zwischen Tien Shan und Pamir gelegenen Transalai zu erkunden.

Deutsche und Russen in einem Team
 Am Gletscher Peters des Großen
Am Gletscher Peters des Großen
© Willi Rickmer Rickmers  Am Gletscher Peters des Großen
An der Forschungsreise nimmt neben den Deutschen eine ganze Menge sowjetischer Forscher teil. Die Aufgaben haben Deutsche und Russen untereinander aufgeteilt. Letztere übernehmen die Mineralogie, Petrographie sowie die strategisch wichtigen geodätisch-astronomischen Arbeiten. Den Deutschen bleiben Geologie, Vermessung und Kartierung, Glaziologie und Sprachenforschung.

Wirtschaftlich gesehen sind das die weit weniger einträglichen Forschungsbereiche. Dennoch bleibt der Ruhm der Expedition an den Deutschen hängen. Denn der stellvertretende Expeditionsleiter und Vermessungsingenieur Richard Finsterwalder wird mit der Aufgabe betraut, den Fedtschenko-Gletscher im westlichen Pamir zu vermessen.

Überraschung am Pik Garmo
Der nach dem russischen Naturwissenschaftler Alexej Fedtschenko benannte Gletscher war bereits im Jahre 1878 entdeckt worden. Bis zur Vermessung durch die Deutschen hatte man seine Länge auf gerade mal 20 Kilometer geschätzt. Doch durch Triangulation, die klassische Vermessungstechnik mithilfe eines Dreiecksnetzes, ermittelt Finsterwalder nicht nur die genaue Lage des Gletschers auf der Ostseite des 6.595 Meter hohen Pik Garmo, sondern auch seine Ausmaße. Der Eisstrom selbst beginnt danach auf 6.200 Meter Höhe, hat eine maximale Dicke von einem Kilometer und erweist sich als einer der längsten der damals bekannten Gletscher. 77 Kilometer Länge registriert Finsterwalder, und eine Fläche von 700 Quadratkilometern. Bis heute ist der Fedtschenko damit der längste Gletscher außerhalb der Polarregionen.

Doch nicht nur die deutschen Wissenschaftler haben im Pamir großen Erfolg, auch die Leistung des Expeditionsleiters Rickmers ist nicht geringer einzuschätzen . Keiner der ihm anvertrauten Leute kommt in der unzugänglichen Bergregion zu Tode, obwohl Rickmers nicht stets alle im Auge haben kann und sich einige Unfälle ereignen. „Ich habe so an die 30 Mann in sechs Gruppen über 10.000 Geviertkilometer Pamirgelände verstreut“, schrieb er später in seinem Reisebericht.

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