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Freitag, 10.02.2012
Zu viel für drei Leben
Das Vermächtnis der Brüder Schlagintweit

 Mustagh-Gletscher
Mustagh-Gletscher
© Familie Schlagintweit  Mustagh-Gletscher
Adolph Schlagintweit, der mittlere Bruder, hat noch Großes vor. Von Indien aus will er, abenteuerlustig wie sein Vorbild Alexander von Humboldt, auf dem Landweg nach Deutschland – quer durch Russland und Zentralasien. Als er jedoch von Aufständen in Turkestan hört, schickt er all sein Gepäck nach Indien zurück und behält nur das Nötigste zum Reisen. Denn trotz aller Warnungen zieht er weiter in die unsichere Region. Das Abenteuer endet jedoch tragisch. Im Sommer 1857 greifen ihn in Turkestan Reiter des Kasachen-Herrschers Vali Khan auf. Am 26. August schließlich wird der deutsche Alpinist und Gletscherforscher am Hofe des Khans im Alter von 28 Jahren enthauptet – als möglicher chinesischer Spion und ohne Verhandlung.

Berge an Forschungsmaterial
Für seine beiden nach Deutschland heimgekehrten Brüder Herrmann und Robert Schlagintweit ist dies nicht nur menschlich ein Schicksalsschlag. Adolph fehlt auch bei der Auswertung des Forschungsmaterials, das sie auf ihrer Expedition nach Indien gemeinsam gesammelt haben. Viele Fundstücke, Bilder und Aufzeichnungen können ohne Adolphs Hilfe nicht mehr zugeordnet werden und bleiben unausgewertet.

Dennoch ist die dreijährige Reise der Brüder ein voller Erfolg. Sie haben neueste Informationen zur Geologie, Meteorologie und der Entwicklung der Gebirgsketten im Himalaya gewonnen. Darüber hinaus haben sie wichtiges ethnographisches und kulturgeschichtliches Material mitgebracht. Dazu gehören 751 Grafiken und Gemälde sowie zahlreiche Photographien, die einen einmaligen Eindruck der bereisten Regionen wiedergeben. Auch ohne Adolphs Hilfe bringen Herrmann und Robert bereits kurz nach ihrer Reise zwei mehrbändige Bücher mit ersten Ergebnissen der Expedition heraus.

Universalforschung im Sinne von Humboldts
Und noch eines ist den Schlagintweits gelungen: Sie sind auf beispielgebende Art in die Fußstapfen ihres Vorbilds Alexander von Humboldt getreten und haben seine universelle Forschungsmethodik fortgeführt. Ebenso wie von Humboldt sind sie auf ihren Reisen von einem Zusammenwirken der verschiedenen wissenschaftlichen Bereiche ausgegangen und haben ihr Material als Zoologen, Botaniker, Geologen, Ethnologen, Kartographen in Personalunion zusammengetragen.

Robert und Herrmann Schlagintweit bleiben der Wissenschaft auch in der Folge treu. Robert wird Professor in Gießen, während Herrmann sich mit der wissenschaftlichen Auswertung und Verwaltung der riesigen Sammlung befasst. In den ihnen verbleibenden Jahren gelingt es ihnen allerdings nicht, das Material ihrer einmaligen Forschungsreise endgültig auszuwerten.

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