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Mittwoch, 17.01.2018
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Dantes Inferno im Pazifik

Kernwaffentests der USA auf dem Bikini-Atoll

Atompilz bei der Bravo-Explosion

Atompilz bei der Bravo-Explosion

„Jetzt flammt hinter dem Horizont ein Licht von 500 Sonnen auf. Ein Feuerball und eine Säule von Feuer schießen mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit in den Himmel. Blendend weiß zuerst, dann gelb und orange und rot, marengo und tief violett. Die berühmte Pilzform entsteht, in allen Farben des Prismas. Seewasser, Sand und Korallentrümmer werden mit unfassbarer Geschwindigkeit in die Explosion hineingerissen.“ So schilderte ein von Jan Bösche in der Radiosendung MDR Info Kalenderblatt zitierter Reporter damals seine Eindrücke bei der Zündung der Wasserstoffbombe „Bravo“ im Bikini-Atoll.

Sprengkraft von 750 Hiroshima-Bomben


Mit einer Sprengkraft von 15 Megatonnen TNT-Äqivalent war die Explosion am 1.März 1954 nicht nur doppelt so stark, wie von den US-Militärs vermutet, sondern sie entsprach auch der von gleich 750 Hiroshima-Bomben. Die Folgen für Bikini und seine exotische Natur waren fatal. Bravo riss einen rund zwei Kilometer breiten und 73 Meter tiefen Krater in das Fundament des Atolls. Drei Inseln wurden bei der Explosion sogar komplett verdampft und ausradiert. Die Wassertemperatur im Meer stieg innerhalb von Sekundenbruchteilen auf 55.000 Grad Celsius - alles marine Leben im näheren Umkreis wurde dadurch vernichtet.

Und auch oberirdische Teile der Inselgruppe sowie einige in der Nähe gelegene andere Atolle kamen nicht ungeschoren davon. Denn die Explosion schleuderte Millionen Tonnen radioaktiver Korallenasche, Sand und Wasser kilometerhoch in die Atmosphäre. Da die US-Wissenschaftler und –Ingenieure den Wind falsch berechnet hatten, ging ein Großteil des resultierenden radioaktiven Fallouts über festem Land nieder und verseuchte Böden, Häuser, Pflanzen und Tiere.

Rongelap-Atoll heute

Rongelap-Atoll heute

Ein Fauxpas mit fatalen Folgen


Zwar waren die Ureinwohner des Bikini-Atolls schon 1946 evakuiert worden, auf Inseln wie Rongelap gerieten jedoch mindestens 236 Einwohner mit verstrahltem Material in Kontakt und erlitten unter anderem schwere Verbrennungen. Wie Schnee rieselte der Fallout, der strahlende Isotope wie Jod-131a, Strontium-90, Plutonium-239 und Cäsium-137 enthielt, dort vom Himmel. Nicht gewarnt und uninformiert über mögliche Gefahren ließen die Eltern ihre Kinder sogar in diesem radioaktiven Niederschlag spielen. Viele von ihnen erkrankten später und starben.

Kein Glück hatte auch die 23-Mann-starke Besatzung des Fischerbootes Daigo Fukuryumaru (Glücklicher Drache), die mehr als 150 Kilometer von Bikini entfernt ihrer Arbeit nach ging. Auch über sie ging die todbringende Fracht nieder. „Wir wurden Opfer des atomaren Wettrüstens“, sagt einer der Überlebenden des Desasters, der Fischer Matashichi Oishi im Jahr 2004 im Spiegel. „Der Bikini-Vorfall ist kein Problem der Vergangenheit“, sagt er. „Es ist eine Frage der Atomwaffen an sich, und das betrifft uns alle heute.“

Explosion von Castle Romeo

Explosion von Castle Romeo

Zwölf Jahre lang Hiroshima


Bravo war jedoch längst nicht der einzige Kernwaffenversuch, den die US-Militärs auf dem Bikini-Atoll und dem nahe gelegenen Eniwetok-Atoll durchführten. Insgesamt 67 Nukleartests, die unter anderem die Auswirkungen von Atombomben auf Schiffe oder Versuchstiere untersuchen sollten, gingen hier zwischen 1946 und 1958 über die Bühne. Die Sprengkraft aller dieser Explosionen zusammen genommen entspricht 1,6 Hiroshima-Bomben – pro Tag und das zwölf Jahre lang.

„Als der Krieg zu Ende war, nahmen wir den einzigen Flecken auf der Erde ins Visier, der nicht davon berührt worden war und bliesen ihn in die Hölle“, fasste der Schauspieler Bob Hope die Folgen der Atombombenversuche nach dem 2. Weltkrieg auf dem Bikini-Atoll zusammen.

Als das US-Kernwaffentestprogramm mit Operationen wie Crossroads, Castle, Redwing oder Hardtack nach heftigen Protesten von Medien und der Weltöffentlichkeit endlich eingestellt wurde, war das Bikini-Atoll verstrahlt und ökologisch schwer geschädigt. Es musste sogar zunächst zum Sperrgebiet erklärt werden. Wie viele Menschen – Insulaner, aber auch auf den Marshall-Inseln stationierte Militärs, Wissenschaftler und Journalisten – unter der radioaktiven Verseuchung zu leiden hatten, ist unbekannt. Geheimsache…

Stand: 16.01.2009
 
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