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Montag, 21.05.2012
Klimawandel bringt Winterschlaf durcheinander
Braunbären und Siebenschläfer reagieren auf globale Erwärmung

 Braunbär
Braunbär
© Steve Hillebrand / FWS  Braunbär
Dass durch den Klimawandel Gletscher schmelzen und Meeresspiegel steigen, ist nicht neu. Weniger bekannt ist vielleicht, dass die globale Erwärmung auch den Winterschlaf und die Winterruhe der Tiere durcheinander bringt. Indizien dafür haben beispielsweise Forscher um Vladimir Aramilev von der Russischen Akademie der Wissenschaften im südöstlichsten Zipfel Sibiriens nahe der chinesischen Grenze entdeckt.

Bären missachten Winterruhe
Das Team beobachtete dort im Jahr 2005, dass die Bären nicht mehr wie früher üblich ihre Winterruhe halten, sondern ungewöhnlich aktiv sind. Das betrifft vor allem die Männchen, die kaum noch schlafen und stattdessen rastlos die Gegend unsicher machen. Laut der 3sat-Sendung „nano“ vermutet Aramilev, „die Klimaerwärmung könne für das Phänomen verantwortlich sein, das schon seit mehreren milden Wintern beobachtet werde.“

Rastlose Braunbären
Bestätigt wurden diese Funde später von spanischen Forschern. Diese stellten im Winter 2006/2007 fest, dass es den europäischen Braunbären im Norden des Kantabrischen Gebirges offenbar ähnlich geht wie ihren Vettern in der russischen Region Primorje. Hier waren es allerdings Mütter mit ihren Jungen, die unbeirrt von der Jahreszeit in den Wäldern umherstreiften.

Auch die Wissenschaftler der spanischen Braunbär-Stiftung vermuten einen Zusammenhang zwischen dem Ende der Bärenruhe und wärmeren Temperaturen beziehungsweise abnehmenden Schneefällen. Denn dadurch stehen den Tieren nahezu das ganze Jahr über Nahrungsquellen wie Nüsse und Beeren in ausreichender Menge zur Verfügung.

Siebenschläfer 
Siebenschläfer
© gemeinfrei  Siebenschläfer
Siebenschläfer schlafen kürzer
Italienische Wissenschaftler wiesen zudem vor kurzem in einer Studie nach, dass die eigentlich für einen sechs oder sieben Monate dauernden Winterschlaf bekannten Siebenschläfer dort heute fünf Wochen früher aufwachen als noch vor zwanzig Jahren.

Ähnliche Untersuchungsergebnisse liegen mittlerweile auch für Hessen vor. Hier kommen die kleinen Schlafmäuse rund vier Wochen vor dem normalen Zeitpunkt wieder zum Vorschein. Mit fatalen Folgen für einige Vogelarten. Denn die Siebenschläfer machen sich in ihren Nisthöhlen breit und vertilgen Eier oder sogar Jungtiere.

Gewinner und Verlierer
Während die Siebenschläfer so vom Klimawandel möglicherweise sogar profitieren, könnte eine durch die globale Erwärmung ausgelöste Verkürzung des Winterschlafs für andere Arten vielleicht sogar das Aus bedeuten.

 Kleiner Igel im Garten
Kleiner Igel im Garten
© Christoph Neumueller / GFDL  Kleiner Igel im Garten
„Je kälter ein Winterschläfer werden kann, desto mehr Energie kann er einsparen“, erklärt der kanadische Wissenschaftler Murray Humphries von der Mc Gill Universität in Montreal in den National Geographic News. „Ohne Zugang zu kalten Temperaturen haben Winterschläfer ein Problem – ihre Energiereserven könnten vor dem Frühling aufgebraucht sein.“ Denn ein warmer Winter allein garantiert noch längst nicht für jede zu früh aufwachende Art auch einen gut gefüllten Speiseplan.

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