Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Umsiedeln als letzte Rettung?
Neue Artenschutz-Strategie angesichts des Klimawandels

Wer der Bedrohung durch den Klimawandel ausweichen kann, beispielsweise durch Umsiedeln, kann vielleicht überleben. Was aber, wenn dies aus eigener Kraft nicht (mehr) geht? Zum Beispiel weil ein „grüner Korridor“ zum neuen Lebensraum fehlt oder dieser einfach zu weit weg liegt? Kann möglicherweise dann der Mensch bedrohten Arten beim Umziehen helfen? Mit dieser Frage hat sich ein internationales Forscherteam unter Leitung von Camille Parmesan von der Universität von Texas befasst und ist zu einem ungewöhnlichen Schluss gekommen: Sie schlagen vor, den Artenschutz um eine neue Strategie zu erweitern, die so genannte assistierte Migration.

Korallen: Rettung durch Umsiedeln? 
Korallen: Rettung durch Umsiedeln?
© GFDL  Korallen: Rettung durch Umsiedeln?
Dabei hilft der Mensch einer Art bei der Umsiedlung in ein neues Habitat, indem er gezielt Individuen dorthin transportiert. „Als ich diese Idee vor rund zehn Jahren in Artenschutztreffen zum ersten Mal aufbrachte, waren die meisten Leute entsetzt“, erinnert sich Parmesan in dem im Juli 2008 erschienen „Science“-Artikel. „Aber jetzt, wo die Realität des Klimawandels langsam durchsickert und bereits die ersten Arten davon bedroht sind und sogar aussterben, sehe ich eine neue Bereitschaft in der Artenschutz-Gemeinschaft, zumindest über die Möglichkeit zu reden, Arten zu helfen, in dem wir sie umsiedeln.“

Die Forscherin betont, dass die assistierte Migration niemals eine allgemeine Lösung für alle wildlebenden Organismen sein könne,. Aber für einige Arten, die von den Biologen als wichtig genug eingestuft werden und die anderweitig aussterben würde, könnte sich diese Mühe lohnen. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass sich diese Arten leicht sammeln, züchten oder umsiedeln lassen. Außerdem müssen ihre Anforderungen an den Lebensraum gut bekannt sein und es muss Alternativ-Habitate außerhalb ihres bisherigen Verbreitungsgebiets geben. Auch das Risiko für die im neuen Gebiet bereits beheimateten Arten sollten berücksichtigt werden, so die Forscherin.

„Assistieren einer Migration bei Korallenriffen mag akzeptabel sein”, so Parmesan. „Aber Polarbären in die Antarktis zu transplantieren, wo die sie einheimische Pinguine wahrscheinlich ausrotten würden, wäre es definitiv nicht.“ Nach Ansicht der Wissenschaftlerin wird die Entscheidung, ob man einer Art beim Umziehen hilft, wird ebenso von ethischen und ästhetischen Erwägungen geleitet sein wie von wissenschaftlichen. „Artenschutz war nie eine exakte Wissenschaft, aber die Artenvielfalt angesichts des Klimawandels zu erhalten erfordert ein fundamentales Neudenken dessen, was es bedeutet, die Biodiversität zu erhalten.“

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Klimafolge Artensterben
Verlierer Mensch?
Klimawandel in Deutschland
Klimaforschung
Artikel zum Thema
Das große Sterben
Folgen des Klimawandel für Tier- und Pflanzenwelt
Der Druck wächst
Klimawandel als zusätzlicher Belastungsfaktor für die Artenvielfalt
Beispiel Eisbär: Eis macht nicht satt
Symboltier vor dem Aus?
Beispiel Vögel: Wer zu spät kommt, verliert
Futtermangel und Brutplatzverlust
Die Invasoren kommen
Neue Chancen für Einwanderer
Beispiel Pflanzen: gut und schlecht zugleich
CO2 als Düngemittel
Wandel als Bedrohung
Jede fünfte Pflanzenart Europas gefährdet
Rezepte gegen das Aussterben
Was zeichnet Verlierer oder Gewinner aus?
Umsiedeln als letzte Rettung?
Neue Artenschutz-Strategie angesichts des Klimawandels
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen