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Freitag, 10.02.2012
Die Ärmsten zuerst
Entwicklungsländer tragen die Hauptlast der Folgen

Die Auswirkungen der Klimawandels sind alles andere als gerecht verteilt: Hunger, Wasserknappheit oder Krankheiten treffen die ärmsten Länder und Völker als erste und am stärksten – obwohl diese am wenigsten zur globalen Erwärmung beigetragen haben. Die Hauptlast tragen damit zum größten Teil Menschen, die ohnehin bereits am oder unterhalb des Existenzminimums leben. Aber warum?

 Eine drei Jahre anhaltende Dürre verwandelte dieses Weideland in Wüste
Eine drei Jahre anhaltende Dürre verwandelte dieses Weideland in Wüste
© SXC  Eine drei Jahre anhaltende Dürre verwandelte dieses Weideland in Wüste
Anfällige Wirtschaft
Dafür gibt es zwei Hauptgründe: Zum einen sind viele Entwicklungsländer abhängig von Wirtschaftszweigen, die ganz besonders für Klimafolgen anfällig sind, wie zum Beispiel die Landwirtschaft. Fällt dann der Hauptmotor der Wirtschaft wegen Missernten aus, gibt es kaum Puffer und die Bevölkerung ist der Armut und dem Hunger nahezu hilflos ausgeliefert. „Wir stehen in der realen Gefahr, dass die jüngsten Errungenschaften in der Armutsbekämpfung in den kommenden Dekaden wieder verloren gehen, vor allem für die ärmsten Gesellschaften auf dem afrikanischen Kontinent“, warnte daher auch Kivutha Kibwana, der kenianische Umweltminister auf der Welt-Klimakonferenz 2007 in Nairobi.

Regenzeit adé?
Zum anderen aber haben diese Länder auch geographisch oft die schlechteren Karten: Sie liegen in unfruchtbaren, von Trockenheit gefährdeten und der Hitze ausgesetzten Gebieten. Häufig schwanken hier die Niederschläge ohenhin sehr stark und trockene Perioden mit Dürren und Wassermangel sind keine Ausnahme. Bisher jedoch reichten die Regenzeiten oder der zumindest ab und zu fallende Niederschlag gerade noch aus, um das prekäre Gleichgewicht zu halten und den Menschen und ihren Tieren und Feldern ein - wenn auch karges - Überleben zu ermöglichen.

Flüchtlinge in Kenia auf dem Weg zu einem Hilfslager 
Flüchtlinge in Kenia auf dem Weg zu einem Hilfslager
© UNHCR  Flüchtlinge in Kenia auf dem Weg zu einem Hilfslager
Doch mit der Verschiebung der Klimazonen und Niederschlagsmuster gerät dieses gerade noch funktionierende System aus dem Gleichgewicht. Was dies bedeutet, zeigte sich Anfang 2007, als in Ostafrika die Regenzeit ausblieb: Ernten fielen aus, Vieh verdurstete und drei Millionen Menschen hungerten. In Zukunft werden die Bewohner Kenias einer solchen Situation wohl häufiger ausgesetzt sein: Das IPCC prognostiziert für viele ohnehin trockene Gebiete der Tropen und der mittleren Breiten eine Abnahme der Niederschläge und der Wasserverfügbarkeit um zehn bis 30 Prozent.

 Der Indus bezieht sein Wasser aus dem Himalaya.
Der Indus bezieht sein Wasser aus dem Himalaya.
© NASA GSFC  Der Indus bezieht sein Wasser aus dem Himalaya.
Wassermangel durch Gletscherschmelze
Aber auch Regionen, die im Schatten der Hochgebirge liegen und einen Großteil ihres Wassers aus dem Abfluss der Gebirgsgletscher bekommen, sind akut gefährdet: Zehn der größten Ströme Asiens, darunter Ganges, Indus, Brahmaputra und Yangtze, werden beispielsweise vom Schmelzwasser des Himalaya gespeist. Mehr als 1,3 Milliarden Menschen - ein Fünftel der Weltbevölkerung - leben im Einzugsgebiet dieser Flüsse. Aber ausgerechnet in den Gebirgen macht sich die globale Erwärmung besonders stark bemerkbar. Dadurch schmelzen die Gletscher immer schneller und der Ausgleich in Form von Schnee fehlt, da es in der Höhe immer häufiger regnet statt zu schneien.

Beides beginnt sich schon jetzt auf die Wasserversorgung der Flussanrainer auszuwirken. Statt wie früher kontinuierlich das gesamte Jahr hindurch ausreichend Wasser zu führen, fehlt es nun vor allem in der Trockenzeit machmal an Schmelzwassernachschub. Im niederschlagsreichen Frühjahr dagegen rauscht das Wasser in großen Mengen auf einmal zu Tal und löst Überschwemmungen aus.

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