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Samstag, 22.09.2018
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Ich spreche, also bin ich...

Sprache als Maßstab für Intelligenz?

Hal ist ein ziemlich munteres kleines Geschöpf im besten Krabbelalter. Er brabbelt, redet und radebrecht wie es ein normales 15 Monate altes Kleinkind eben so tut. Das Krabbeln allerdings wird der Kleine wohl niemals lernen. Denn Hal ist ein Computer. Er ist - zumindest nach Ansicht seiner Schöpfer - eines der ersten künstlich intelligenten Programme, die Alltagssprache "verstehen".

Lernen wie ein Mensch


Im Gegensatz zu konventionellen Spracherkennungsprogrammen, bei denen die Computer mithilfe statistischer Methoden endlose Listen von Vokabeln mit ebenso langen Listen von Grammatikregeln verknüpfen, soll Hal Sprache auf die gleiche Weise lernen, wie es auch der Mensch tut. Ausgerüstet mit kaum mehr als einer Handvoll einfacher Lernalgorithmen "lernt" Hal, indem ihm seine "Eltern", Forscher der Firma "Artificial Intelligence Enterprises" in Tel Aviv, Kindergeschichten in die Tastatur tippen und auf die "Äußerungen" des Rechners reagieren, wie es Eltern tun würden.

Jason Hutchesons Computer wurde durch den Hal 9000 aus Arthur C. Clarke's Serie: Space Odyssey inspiriert.

Jason Hutchesons Computer wurde durch den Hal 9000 aus Arthur C. Clarke's Serie: Space Odyssey inspiriert.

Antriebsfeder für Hals Lerneifer ist ein einprogrammiertes Bedürfnis nach positiver Rückmeldung von seinem Betreuer. Die Algorithmen, auf denen sein Verhalten basiert, werden fortwährend erneuert, verändert und ausgestauscht. Doch was dabei in seinem Inneren abläuft, wissen selbst seine Schöpfer nicht genau: "Anstatt ihm zu erklären, wie er die Sprache lernen soll, kriegt Hal es irgendwie selbst heraus. Wir wissen aber eigentlich nicht, wie er das macht", erklärt Jason Hutcheson.

Auf den Stand eines Kleinkinds


Aber es scheint zu funktionieren. Vorerst kann Hal zwar nur einfache Sätze, bestehend aus wenigen Worten von sich geben - entsprechend der Altersstufe eines 15-monatigen Kindes. Doch dabei soll es ihm immerhin schon gelungen sein, unabhängige Experten in die Irre zu führen. Diese hielten die Dialoge des Maschinchens mit seinem Betreuer für Aufzeichnungen von Gesprächen zwischen einem echten Kleinkind und einem Erwachsenen.

Gelingt es den Betreuern Hals, die Fähigkeiten ihres kleinen Sprachprogramms tatsächlich auf das Niveau eines fünfjährigen Kindes anzuheben, wie sie es vorhaben, könnte ihnen gelingen, wonach die KI-Forschung seit mehr als 50 Jahren sucht: Ein Programm zu finden, das Sprache wirklich lernen und verarbeiten kann, und mit dem eine echte Unterhaltung möglich ist...
Nadja Podbregar
Stand: 20.05.2002
 
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