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Donnerstag, 09.02.2012
Beispiel Pflanzen: Klimawandel als Januskopf
CO2 als Wachstumsmittel, Temperaturveränderung als Bedrohung

Die hohen Temperaturen und steigenden CO2-Werte bleiben für die Ökosysteme nicht folgenlos – sie werden sich verändern. Den Bewohner dieser Lebensräume lässt der Klimawandel keine große Wahl: Um zu überleben müssen sie sich entweder an die neuen Bedingungen anpassen oder auswandern. Gelingt ihnen keines von beiden, sterben sie aus.

Jede fünfte Art gefährdet
Für die Pflanzenwelt ist der Klimawandel ein Januskopf. Einerseits könnte sich ein erhöhter CO2-Gehalt der Luft positiv auf ihr Wachstum auswirken, denn das Treibhausgas ist ein wichtiger Rohstoff für ihre Photosynthese. Andererseits aber erfordern steigende Temperaturen und sich verändernde Niederschlagsmuster schnelle Anpassungen, die viele Arten nicht leisten können. Nach den Ergebnissen einer deutsch-französischen Studie vom August 2008 könnte allein in Deutschland jede fünfte Pflanzenart bis zum Jahr 2080 große Teile ihres heutigen Verbreitungsgebietes verlieren, wenn die Temperaturen um 3,8 Grad ansteigen.

 Die Pflanzen der Hochgebirge, wie hier der Enzian, sind vom Klimawandel bedroht.
Die Pflanzen der Hochgebirge, wie hier der Enzian, sind vom Klimawandel bedroht.
© Dirk Beyer / GFDL  Die Pflanzen der Hochgebirge, wie hier der Enzian, sind vom Klimawandel bedroht.
Für ihre Untersuchung modellierten die Forscher die Verbreitungsgebiete von insgesamt 845 europäischen Pflanzenarten in drei verschiedenen Zukunftsszenarien bis zum Jahr 2080. Die Szenarien umfassten Klima- und Landnutzungsveränderungen bei möglichen Temperaturerhöhungen von 2,2, 2,9 oder 3,8 Grad Celsius und zeigten die Verschiebung der Pflanzenarten in Deutschland.

Das Ergebnis: Selbst bei moderatem Klimawandel und geringen Veränderungen der Landnutzung ist damit zu rechnen, dass die Pflanzenwelt geschädigt wird. Ein genereller Trend ist dabei die Verkleinerung der Verbreitungsgebiete. Schon bei der niedrigsten Erwärmung von nur 2,2 Grad Celsius könnte sieben Prozent der Arten ein Verlust von zwei Dritteln ihres Lebensraums drohen. Bei 3,8 Grad wären bereits 20 Prozent der Pflanzenarten betroffen.

Südwesten und Osten besonders betroffen
Besonders viele Arten werden dabei das Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen sowie die Tieflandebenen Brandenburgs, Sachsen-Anhalts und Sachsens verlieren. Ein Beispiel für eine Verliererin des Klimawandels ist die Sumpfdotterblume (Caltha palustris). Sie wird aus den tiefen Lagen Ostdeutschlands lokal verschwinden, weil sie den Änderungen der Umweltbedingungen dort nicht gewachsen ist. Eine der Gewinnerarten ist dagegen die Echte Walnuss (Juglans regia). Sie stammt aus südlicheren Gefilden und wurde erst von den Römern nördlich der Alpen angesiedelt. Mit steigenden Temperaturen findet sie mehr Gebiete mit geeigneten Bedingungen und kann sich zukünftig daher bis in den Osten Deutschlands ausbreiten.

Es wandern aber auch wärmeliebende Arten aus Mittel- und Südeuropa ein, die bislang nicht in Deutschland vorkommen. Von diesen Zuzüglern profitieren wahrscheinlich die Mittelgebirgsregionen Baden-Württembergs, Bayerns, Thüringens und Sachsens. Doch nach den Berechnungen der Forscher werden insgesamt gesehen die zuwandernden Arten die Verluste nicht ausgleichen können. Vor allem im Südwesten und im Osten Deutschlands wird sich als Folge des Klimawandels die Vegetation deshalb stark verändern.

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