Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 09.02.2012
Küsten in Gefahr
Sturmfluten werden höher und häufiger

„Land unter“ könnte es an den deutschen Küsten zukünftig immer häufiger heißen. Was das konkret bedeutet, das untersuchen seit einiger Zeit Wissenschaftler des GKSS-Forschungszentrums in Geesthacht. „Am Institut für Küstenforschung haben wir mit numerischen Modellen berechnet, wie das Küstenklima bisher war und wie es sich künftig unter veränderten Treibhausgaskonzentrationen entwickeln könnte“, erklärte die Wissenschaftlerin Insa Meinke, Leiterin des Norddeutschen Klimabüros am Institut für Küstenforschung des GKSS Forschungszentrums im April 2008. Unzulänglichkeiten, die durch Messungen entstehen, wie beispielsweise zu kurze Messzeiträume, Veränderungen des Messumfeldes und Lückenhaftigkeit der Daten konnten so ausgeschaltet werden. Aus den Modellrechungen leiteten die Forscher anschließend Informationen über Stürme, Sturmfluten oder Seegang ab.

Nordseeküste 
Nordseeküste
© Tomasz Sienicki / GNU FDL  Nordseeküste
Noch ist alles normal…
Für den Anfang sind die Nachrichten zunächst noch relativ positiv: Nach den vorliegenden Ergebnissen spielt sich das Sturmflutgeschehen an der Nordsee bisher noch im normalen Bereich ab. Denn Stürme sind heute weder deutlich häufiger noch stärker als beispielsweise vor circa 100 Jahren. „Deshalb ist es für uns auch nicht überraschend, dass Sturmfluten ebenfalls nicht öfter oder höher auflaufen als in der Vergangenheit“, so Meinke.

Anders sieht es allerdings beim Meeresspiegelanstieg aus: Weltweit hat sich dieser im letzten Jahrhundert durchschnittlich um etwa 15 Zentimeter erhöht. An der deutschen Nordseeküste waren es sogar rund 25 Zentimeter. Damit aber ist auch das Ausgangsniveau für Sturmfluten heute entsprechend höher als vor einigen Jahrzehnten. Folge: Die Grenzwerte, ab denen Wasserstände als Sturmfluten gelten, werden heute häufiger erreicht als früher. „Trotzdem ist bisher aber noch fast alles normal“, fasst Meinke die aktuelle Lage zusammen.

 Prognostizierte Änderungen der Wasserstände an Nord- und Ostsee
Prognostizierte Änderungen der Wasserstände an Nord- und Ostsee
© GKSS / Woth  Prognostizierte Änderungen der Wasserstände an Nord- und Ostsee
…aber nicht mehr lange
Doch das wird in Zukunft vermutlich nicht so bleiben. Denn künftig wird sich der Klimawandel auch im Sturmflutgeschehen bemerkbar machen. Dies deuten zumindest die Simulationen des Küstenklimas in den nächsten 100 Jahren an. Danach werden beispielsweise die Stürme über der Nordsee bis zum Ende des 21. Jahrhunderts stärker. Dies gilt insbesondere für den Wind aus West und Nord - also genau aus solchen Richtungen, aus denen Stürme die Wassermassen an die deutsche Nordseeküste drücken.

Wie die Modellrechnungen zeigen, könnten Sturmfluten deshalb windbedingt in einigen Jahrzehnten etwa zehn bis 30 Zentimeter höher auflaufen als dies gegenwärtig der Fall ist. Die GKSS-Wissenschaftler gehen zudem davon aus, dass der mittlere Meeresspiegel im gleichen Zeitraum weltweit um weitere 20 bis 60 Zentimeter zulegt.

„In der Nordsee rechnen wir bis zum Ende dieses Jahrhunderts mit rund 50 Zentimeter mehr“, so Meinke. Liegen die Forscher mit ihren Simulationen richtig, werden Sturmfluten an der deutschen Nordseeküste bis zum Ende des 21. Jahrhunderts deshalb voraussichtlich insgesamt rund 60 bis 80 Zentimeter höher ausfallen als heute. Doch das ist noch nicht alles: „Wir erwarten darüberhinaus, dass solche hohen Wasserstände in Zukunft auch häufiger auftreten und länger andauern als bisher“, so die GKSS-Forscherin abschließend.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Klimawandel in Deutschland
Klimaforschung
Hochgebirge
Artikel zum Thema
Klimawandel in Deutschland
Wie verändert sich unser Klima bis 2100?
2003: Rückblick auf die Zukunft
Ein Jahrhundertsommer gibt einen Vorgeschmack des kommenden Klimas
Das Morgen hat schon begonnen
Bereits spürbare Auswirkungen des Klimawandels
Artenkarussel in Nord- und Ostsee
Wärme fördert Algenwachstum und Invasoren
Was kommmt?
Die aktuellen Prognosen der Klimaforscher
Beispiel Pflanzen: Klimawandel als Januskopf
CO2 als Wachstumsmittel, Temperaturveränderung als Bedrohung
Der Sommer wird trocken
Südwesten und Nordosten besonders betroffen
…der Winter nass
Starkregen und Winterstürme werden häufiger
Küsten in Gefahr
Sturmfluten werden höher und häufiger
Es wird teuer – auch für Deutschland
Die Kosten des Klimawandels
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen