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Samstag, 28.05.2016
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Schwarzpulver, Feuerwerk und Raketen

Handwerk mit langer Tradition

Raketen über dem Vogelnest

Es war ein grandioses Schauspiel, ein überwältigendes Lichtermeer, es blitzte, zischte und knallte, dass einem Hören und Sehen verging: Das Mega-Feuerwerk während der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking 2008 setzte Maßstäbe – sowohl was die Qualität als auch was den Umfang betrifft.

Denn über 30.000 Böller schossen die chinesischen Veranstalter am 8. August 2008 in den Smog-verseuchten Himmel und verzückten damit die Menschen vor Ort und die Milliarden Fernsehzuschauer weltweit. Manche der Feuerwerkskörper waren sogar extra für diese Veranstaltung entwickelt worden.

Explosive Bambusrohre


Dass gerade ein Feuerwerk den Höhepunkt der Veranstaltung bildete, ist keine Überraschung – ganz besonders in China. Denn Böller und Raketen haben dort eine lange Tradition. Angeblich hat es im Reich der Mitte bereits im ersten Jahrhundert nach Christus eine relativ einfache Form von Schießpulver gegeben. Sie bestand vermutlich aus Kaliumnitrat oder Salpeter, Schwefel und Kohlenstaub und ähnelte damit bereits verblüffend dem berühmten Schwarzpulver.

Die alten Chinesen füllten mit diesem Mix Bambusrohre, warfen sie auf religiösen Festen ins Feuer und ließen es auf diese Wiese schon damals so richtig krachen. Doch damit war die Experimentierfreude noch längst nicht befriedigt. Einige Zeit später banden sie die explosiven Bambusböller schon an Pfeile und schossen die angezündeten „Raketen“ mit Bogen in die Luft.

"Feuerpfeile"

"Feuerpfeile"

Fliegendes Feuer


Was als Spektakel auf religiösen Veranstaltungen seinen Anfang nahm, wurde dann auch für militärische Zwecke genutzt. So setzte die chinesische Armee während der Schlacht von Kai-Keng im Kampf gegen mongolische Invasoren bereits im Jahr 1232 nach Christus einen wahren Regen aus „fliegendem Feuer“ ein. Die Geschosse irritierten nicht nur die Pferde der Angreifer, sie versetzten anscheinend auch die wilden Reiter in Angst und Schrecken. Die mongolische Attacke jedenfalls, soviel ist sicher, wurde auch aufgrund der urtümlichen Raketen abgeschmettert.

Ur-Raketen und Böller könnten demnach aus China stammen. Aber was ist mit der Erfindung des Schwarzpulvers, die ihnen häufig ebenfalls zugeschrieben wird? Da sind sich Archäologen und andere Wissenschaftler nicht einig.

Erfinder gesucht


Gegen eine Herkunft aus Fernost spricht unter anderem, dass historische chinesische Quellen, wie das Werk Wu Ching Tsung Yao aus dem Jahr 1044 nach Christus, zwar von salpeterhaltigen Brandsätzen sprechen. Die älteste erhaltene Kopie dieser Schrift stammt aber nachweislich aus dem 16. Jahrhundert und entsprechende Textstellen könnten daher auch später eingefügt worden sein.

Ungewöhnlich ist auch, dass in einem um 1330 von den mongolischen Herrschern Chinas herausgegebenem Gesetz bei der Aufzählung aller bekannten Waffen weder Pulver noch Schusswaffen genannt werden. Manche Forscher vermuten daher, dass die gefährliche Mischung aus 75 Prozent Kaliumnitrat, 15 Prozent Holzkohle und zehn Prozent Schwefel, eher zufällig in Arabien entdeckt wurde.

Andere Wissenschaftler dagegen vertreten die Ansicht, dass der „Vater“ des leicht entzündlichen Pulvers der Franziskanermönch Roger Bacon gewesen sein könnte. Bacon experimentierte Mitte des 13. Jahrhunderts ebenfalls mit den notwendigen Ingredienzen und berichtet in seinem Werk „Opus Majus“ 1268 nach Christus sogar über eine Nutzung des Gemisches für Knallkörper.

Natrium macht Böller gelb


Schwarzpulver

Schwarzpulver

Wie dem auch sei: Das Schwarzpulver jedenfalls verbreitete sich seit seiner Erfindung schnell über die ganze Welt und wurde lange Zeit nicht nur für Feuerwerkskörper sondern auch als Explosivstoff und Antriebsmittel in Handwaffen und Kanonen eingesetzt.

Heute ist der Hype um diesen Explosivstoff weitgehend vorbei. Meist leistet er nur noch bei der Produktion von spektakulären Böllern und Silvesterraketen gute Dienste. Die intensiven Farben der explodierenden pyrotechnischen Produkte beruhen dabei auf der Beimischung von Metallionen. Natriumionen sorgen beispielsweise für gelbes Licht, Kupfer- oder Kobaltionen für blaues und Strontiumionen für rotes.

Stand 15.08.2008