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El Dorado im Weltraum
Lunare Bodenschätze wecken Begehrlichkeiten

Zwischen der ersten Mondlandung und der heutigen Weltraumtechnologie liegen Welten. Längst ist Raketentechnik nicht mehr nur eine Domäne der beiden alten Supermächte, sondern für nahezu jedes Industrieland machbar. In der Erdumlaufbahn tummeln sich Satelliten aus aller Herren Länder und selbst bei der Internationalen Raumstation ISS sind die beiden „Platzhirsche“ längst nicht mehr unter sich.

 Probennahme auf dem Mond durch ein Roboterfahrzeug (künstlerische Darstellung)
Probennahme auf dem Mond durch ein Roboterfahrzeug (künstlerische Darstellung)
© NASA/JSC  Probennahme auf dem Mond durch ein Roboterfahrzeug (künstlerische Darstellung)
Entsprechend gewandelt hat sich auch die Motivation: Ging es in den 1960er Jahren noch primär um Imponiergehabe in einem Kalten Krieg mit klaren Fronten, sind die Ziele heute etwas differenzierter. Es geht natürlich um Forschung – aber vor allem auch um handfeste wirtschaftliche Vorteile. Zum einen bringt die Raumfahrt technologische Entwicklungen mit sich, die auch irdischen Zwecken zugute kommen. Wer in der Raumfahrttechnologie die Nase vorn hat, profitiert.

Run auf extraterrestrische Bodenschätze
Zum anderen könnte es sich auch im All auszahlen, Erster zu sein. Denn viele Himmelskörper besitzen reichhaltige Vorräte an Bodenschätzen, die auf der Erde selten oder inzwischen erschöpft sind. Erze wie Eisen, Nickel, Kobalt und Platin könnten zukünftig, so die Vorstellung, auf Asteroiden oder Monden abgebaut und zur Erde transportiert werden.

Mondgestein 
Mondgestein
© NASA
Sogar der vermeintlich uninteressante Erdtrabant entwickelt unter diesem Aspekt betrachtet plötzlich ganz neue Attraktionen – und Begehrlichkeiten: „Die oberen Bodenschichten sind mit meteoritischem Material angereichert“, erklärte Gerhard Neukum, Planetenforscher der Freien Universität Berlin gegenüber der Zeitung Echo, „darunter nicht nur Eisen und Nickel, sondern auch seltene Stoffe wie Iridium.“ Alles willkommene Rohstoffe für irdische Industrien.

Helium-3 als Fusionsfutter
Und der Mond birgt noch eine Ressource, die bereits jetzt Begehrlichkeiten weckt: Helium-3. Dieses auf der Erde extrem seltene Isotop des Edelgases besitzt ein Neutron weniger als das gewöhnliche Helium und könnte sich damit perfekt als sauberer, nicht radioaktiver Energierohstoff für die Kernfusion eignen. Denn wird Helium-3 mit Wasserstoff zu normalem Helium verschmolzen, entstehen keine schwer zu bändigenden Neutronen, sondern nur Protonen, die sehr leicht durch ein geladenes Feld eingefangen werden können.

 Blick in das ringförmige Plasma der Fusionsanlage
Blick in das ringförmige Plasma der Fusionsanlage
© Max-Planck-Institut für Plasmaphysik
Dass die Fusionstechnologie weltweit noch in den Kinderschuhen steckt und von einer effektiven und kommerziellen Energieerzeugung noch weit entfernt ist, tut dem Interesse am Helium-3 keinen Abbruch. Zwar sollen heutige Versuchsreaktoren wie „Iter“ im südfranzösischen Cadarache überhaupt erst einmal testen, ob sich die Kernfusion als Methode der Stromproduktion im großen Stil eignet. Trotzdem plant Russland bereits ab 2020 eine Mondstation zum industriellen Abbau von Helium-3.

Der Mond als El Dorado?
Dass im Weltraum zukünftig Einiges zu holen sein wird, ist auch US-Präsident George W. Bush sehr wohl bewusst. 2004, in seiner Rede zur Zukunft der amerikanischen Raumfahrt, malte er dementsprechend den Mond als neues „El Dorado“: „Wie die Entdecker der Vergangenheit und die Luftfahrtpioniere im letzten Jahrhundert können wir heute zwar noch nicht absehen, was wir durch die Weltraumerkundung gewinnen werden, wir sind aber dennoch zuversichtlich, dass der Ertrag groß sein wird“, so Bush. „Wir werden Ressourcen auf dem Mond oder Mars entdecken, die unsere Vorstellungskraft übersteigen, die die Grenzen unserer Träume austesten werden.“

Es herrscht Goldgräberstimmung. Und schon jetzt geht es hinter den Kulissen darum, wer welche Stücke vom „Kuchen“ bekommt. Dass der Kuchen noch lange nicht gebacken und noch viel länger nicht verteilt ist, spielt dabei keine Rolle. Es geht darum, die Claims abzustecken, und das möglichst frühzeitig.

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