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Freitag, 10.02.2012
Eine Bibliothek für Obst
Neue Genbank sichert Vielfalt von Erdbeeren, Kirschen und Äpfeln

 Kirschen
Kirschen
© IMSI MasterClips
421 Kirschsorten gibt es in Deutschland, dazu kommen 370 Erdbeer- und rund 1.500 Apfelsorten. Und auch bei Birnen, Pflaumen und Strauchbeeren ist die biologische Vielfalt enorm. Die meisten dieser Sorten jedoch bekommt man auf den Feldern und Wiesen kaum zu sehen, geschweige denn auf dem Markt zu kaufen. So sind beispielsweise lediglich 60 Apfelsorten hierzulande wirtschaftlich bedeutend und spielen eine wichtige Rolle in den heimischen Kulturlandschaften.

Der große Rest der genetischen Vielfalt unseres Obstes wird fast ausschließlich in verschiedenen Genbanken oder Kulturpflanzenbanken gesammelt, erhalten und untersucht.

Reife Erdbeeren 
Reife Erdbeeren
© Walter J. Pilsak/ GFDL  Reife Erdbeeren
Erdbeeren im Kühlschrank
Um beispielsweise das Überleben von seltenen Erdbeersorten zu sichern, werden diese regelmäßig im Freiland gezogen, wo sie unter natürlichen Bedingungen wachsen und manchmal auch gefährlichen Viruskrankheiten ausgesetzt sind. Dies ist zumindest zum Teil von den Wissenschaftlern so gewollt. Denn sie können dann beobachten, wie die Pflanzen auf die Schädlinge reagieren und ob sie es schaffen, sich gegen diese erfolgreich zur Wehr zu setzen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, werden aber Duplikate der ausgepflanzten Erdbeersorten beispielsweise im Labor des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen (JKI) in Dresden bei minus vier Grad Celsius in Nährlösungen gesetzt. Hier gibt es keine natürlichen Feinde und die kleinen Pflänzchen wachsen ungestört heran, um bei Bedarf Nachschub für die Freilandzucht zu haben.

„Deutsche Genbank Obst“ nimmt Arbeit auf
In den Genbanken für Erdbeere, Kirsche und Co. werden die Sorten aber nicht nur archiviert und erhalten, sondern auch an interessierte Wissenschaftler, die sich mit der Biodiversitätsforschung oder Züchtungsexperimenten beschäftigen, weiter gegeben. Manchmal setzt man sie aber auch für Wiedereinbürgerungen ein.

Während die verschiedenen Genbankfilialen bisher relativ unabhängig von einander tätig waren, ist seit Ende April 2008 alles anders. Denn da nahm die „Deutsche Genbank Obst“ ihre Arbeit auf. „Die Etablierung der ,Deutschen Genbank Obst’ ist ein entscheidender Beitrag zur Erhaltung obstgenetischer Ressourcen in Deutschland“, sagt Viola Hanke vom JKI, das die Koordination der neuen Einrichtung übernommen hat. Die Professorin vom Institut für Züchtungsforschung beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Erhaltung der Apfel-, Birnen-, Kirschen- oder Erdbeersorten. Gründungsmitglieder des neuen Netzwerkes sind zunächst die verschiedenen „Kirsch- und Erdbeerbibliotheken“ in Deutschland.

Verschiedene Äpfel 
Verschiedene Äpfel
© USDA  Verschiedene Äpfel
Neue wärmeliebende Sorten nötig?
„Nach und nach sollen sich auch alle anderen Sammlungen heimischer Obstarten unter dem Dach der ‚Deutschen Genbank Obst‘ zusammenfinden“, erklärt Hanke. Als nächster Schritt ist erst einmal der Aufbau der „Deutschen Genbank Apfel“ geplant. Später sollen dann die für Pflaume, Birne und Strauchbeeren folgen.

Ist das Netzwerk dann schließlich komplett, sind die Forscher bei dem Ziel die alten Obstsorten – und ihre Wildarten - vor dem Aussterben zu bewahren, einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Vielleicht noch wichtiger: Sie halten damit auch einen entscheidenden Schlüssel für die Züchtung von neuen Sorten in der Hand, die möglicherweise auch mit einem wärmeren Klima und mit neuen Schädlingen klar kommen.

Eine Genbank für Wildpflanzen
Doch nicht nur die Obstsorten und andere Nutzpflanzen in Deutschland werden für künftige Generationen erhalten, auch für die rund 3.000 heimischen Wildpflanzenarten steht längst eine eigene Genbank bereit. In den Tiefkühlanlagen an der Universität Oldenburg ist zurzeit bereits das Saatgut von vielen hundert Spezies sicher gelagert.

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