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Sonntag, 21.03.2010
Die Welt der Fabelwesen
Anpassungen an einen unwirtlichen Lebensraum

Die Meere und ihre Bewohner haben die Menschheit schon immer fasziniert. Besonders die Tiefsee übte und übt auf viele Betrachter einen eigenartigen Reiz aus. Dabei waren die Vorstellungen von diesem riesigen Lebensraum - fast zwei Drittel der Erdoberfläche werden von Ozeanen bedeckt – jahrtausendelang geprägt von Spekulationen und vagen Beschreibungen der Seeleute und Forschungsreisenden. Die entstandenen Mythen, versetzten die Menschen lange Zeit in Angst und Schrecken. Erst als die Technik soweit war, dass man tiefer in die Meere vordringen konnte, bekam die Wissenschaft ein realistischeres Bild vom Leben in den Ozeanen und speziell in der Tiefsee.

Überleben unter extremen Bedingungen
Unwirtlich und kalt, so weiß man seit damals, ist die Welt der Meere ab einer Wassertiefe von 1000 Metern. Kein Lichtstrahl dringt mehr in diese Regionen. Die Wassertemperatur beträgt maximal 5 ° Celsius und 100 Kilogramm Druck lasten auf jedem Quadratzentimeter Körperoberfläche der Meeresbewohner. Und mit jedem Meter nimmt der Druck weiter zu und die Wassertemperatur ab. Trotzdem ist die Vielfalt der Schöpfung in diesen Tiefen erstaunlich. Selbst in mehr als 10.000 Metern Tiefe kann man noch Lebewesen finden.

 Fangzahn
Fangzahn
© Randy Wilder/Monterey Bay Aquarium
Wer in die Tiefsee vordringt, mag sich manchmal vorkommen wie in einem Science-Fiction-Film. Im Scheinwerferlicht der Tauchboote tauchen eigenartige Kreaturen auf, die eigentlich unmöglich von dieser Welt stammen können. Zu bizarr und skurril mutet ihre Gestalt an.

Geheimnisvolle Welt der Fabelwesen
Fabelwesen mit riesigen Augen sind hier zu finden, aber auch Arten ganz ohne Sehorgane. Tiere, die nur aus einem gigantischen Maul zu bestehen scheinen, gibt es genauso wie 40 Meter lange Tierkolonien, die sich aus vielen tausend Einzelwesen zusammensetzen. Es gibt aktive Räuber, aber auch Tiere, die wie das Tiefseemanteltier auf Felsen festsitzen und ihren Mund quasi als Falle benutzen.

Im freien Wasser gibt es fast überall Fische, Quallen und Weichtiere. Entgegen aller Mythen und Legenden sind die meisten Tiefseebewohner relativ klein. Kaum mehr als 20 – 25 Zentimeter sind die Durchschnittswerte der Fische und wirbellosen Tiere. Aber natürlich gibt es auch Ausnahmen: Echte Meeresungeheuer der Tiefsee, den Riesenkalmar Architeuthis mit bis zu 22 Metern Länge zum Beispiel oder den Schläferhai.

Große Teile des immensen Artenreichtums der Tiefsee machen vor allem die Kleinlebewesen am Tiefseeboden aus. Bakterien, Würmer, Seeananemonen und viele andere Organismen tummeln sich an den Stellen, wo die Voraussetzungen zum Überleben für sie günstig sind.

Perfekt angepasst
Um unter den lebensfeindlichen Bedingungen der Tiefsee überleben zu können, haben sich die Meeresbewohner im Verlaufe der Jahrmillionen perfekt an die Bedingungen ihres Lebensraums angepasst. Zu 99,9 Prozent können die Körper der Tiere beispielsweise aus Wasser bestehen. Da Wasser nicht komprimierbar ist, können die Meerestiere so dem immensen Druck der in den großen Tiefen herrscht standhalten. Der chronische Nahrungsmangel macht es darüberhinaus notwendig, dass der gesamte Stoffwechsel verlangsamt ist. Die Bewegungen der Tiere sind träge. Teilweise verharren die Raubfische stundenlang bewegungslos beim Beutefang und warten darauf, dass ein Tier in erreichbarer Nähe vorbeischwimmt.

Der immense Druck, der jenseits der 2000-Meter-Marke herrscht hat manche Arten sogar dazu veranlasst, eine Molekular-Struktur für die wichtigsten Eiweisse zu entwickeln, die auch unter diesen katatstrophalen Bedingungen standhält.

Tarnen und Täuschen
Tarnung ist wichtig für die Tiefseebewohner, trotz der totalen Finsternis. Deshalb sind manche Tiere durchsichtig. Ansonsten dominieren bei der Mehrzahl der Organismen schwarze, silbrige oder rote Farben. Wieso gerade rot? Im dunklen blaugün des Wassers in Tiefen von 800 bis 3000 Metern wirkt die Farbe aber fast wie schwarz und fällt kaum auf.

Wegen des geringen Nahrungsangebotes, das zudem in der pechschwarzen Dunkelheit nur schwer zu entdecken ist, haben viele Raubfische eine erfolgreiche Strategie entwickelt. Mit Hilfe von Leuchtsignalen versuchen sie nämlich die Beute anzulocken. Mit dem gleichen Mittel gehen andere Meeresbewohner aber auch auf Partnersuche. Um zur Fortpflanzung zu gelangen spielt häufig zudem nicht zuletzt der Geruchssinn eine wichtige Rolle. Wie die akustische Kommunikation unter den Tiefseefischen dagegen abläuft, ist den Meeresbiologen bis heute unklar.

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