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Freitag, 10.02.2012
Die neuen Killer
Lassa, Ebola und Co. auf dem Vormarsch

Marburg-Virus 
Marburg-Virus
© CDC
Der Patient stöhnt und windet sich in starken Fieberkrämpfen. Infiziertes Blut quillt aus einer Wunde. Ein kleiner Riss in einem der orangegelben Schutzanzüge sorgt dafür, dass der Virus sich auch außerhalb der Quarantänestation ausbreitet. Innerhalb weniger Stunden sind etliche Bewohner der amerikanischen Kleinstadt infiziert.

Glücklicherweise hat sich dieses Szenario bisher nur in diversen Hollywoodfilmen abgespielt. Aber ist die Vorstellung tatsächlich so weit hergeholt, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat? Schließlich gibt es sehr wohl zahlreiche Krankheiten, die selbst bei bester medizinischer Betreuung nicht zu heilen sind und gegen die kein Impfstoff existiert. Lassa-, Ebola-, Hanta- oder Marburg-Virus. Heute treten diese Krankheitserreger in die Fußstapfen altbekannter Seuchen wie Kinderlähmung, Pocken oder Pest.

In der Bevölkerung ist jedoch die Angst vor chemischen Schadstoffen weitaus größer als die vor Infektionskrankheiten. Von Zeit zu Zeit wird das öffentliche Bewußtsein für einige Wochen aus der Lethargie aufgerüttelt. Dann nämlich, wenn wieder mal ein Fall von Lassa-Fieber oder Ebola hierzulande in einem Krankenhaus auftritt, eingeschleppt durch heimkehrende Tropenurlauber. Stirbt der Patient dann trotz Betreuung durch zahlreiche Ärzte, wird man sich wieder darüber klar, dass auch der modernen Medizin durchaus Grenzen gesetzt sind.

Während wir noch schockiert den Kopf schütteln, weil ein Tourist an Lassa-Fieber gestorben ist, erkranken in Westafrika jährlich etwa 500.000 Menschen daran, für 5.000 von ihnen ein Todesurteil. Auch wenn diese Statistik sicher nicht alle Fälle erfasst (die Infektionen werden häufig mit Malaria verwechselt), ist die Zahl der Todesopfer durch die "neuen" Viren noch bei weitem nicht so groß wie die durch "klassische" Infektionskrankheiten ausgelöste, etwa Pneumonien oder Tuberkulose. Auch wenn die exotischen Erreger besonders gefährlich sind - immerhin endet eine Ebola-Erkrankung in 90 Prozent aller Fälle tödlich - konnten Epidemien bisher durch sofortiges Eingreifen internationaler Experten immer wieder eingedämmt werden. Dennoch sind Tropenmediziner der Meinung, dass diese Gruppe der hämorrhagischen Fieber-Viren in Afrika, Asien und Südamerika gerade im Vormarsch ist.

Gute Chancen für Viren
Gerade in Afrika, wo in einigen Staaten immer wieder Bürgerkriege und Unruhen herrschen, haben die Viren gute Chancen zur Ausbreitung. Lassa- oder Hanta-Viren etwa werden über Ratten verbreitet. Müssen Menschen aus ihren Dörfern fliehen, bieten verlassene Getreidesilos den Nagern ausreichend Nahrung, die Population vermehrt sich schnell. Dadurch steigt auch die Infektionsrate beim Menschen rasch an.

Erschreckend ist die Tatsache, dass so viele gefährliche Krankheiten erst in den letzten Jahrzehnten aufgetaucht sind. Der Erreger des Lassa Fiebers wurde 1969 erstmals entdeckt, ein Jahr später das Marburg-Virus. Ebola ist seit 1979 bekannt, das Krim-Kongo-Fieber wurde 1999 zu einem Schlagwort. Da stellt sich die Frage, welche Überraschungen Mutter Natur noch für uns bereit hält.

Allerdings sind nicht alle Erreger völlig neu. Hantaviren zum Beispiel lösten vermutlich schon vor 1000 Jahren in China hämorrhagisches Fieber aus, der Erreger konnte jedoch erst 1978 durch verbesserte Diagnosemöglichkeiten isoliert werden. Das Hantavirus ist ein Beispiel dafür, dass auch Einwohner Europas oder Nordamerikas das Fehlen eines Impfstoffes nicht unbesorgt lassen sollte. Auch hierzulande treten neue, sehr aggressive Stämme auf. Etwa jede 50. Maus in Deutschland trägt schätzungsweise Hantaviren in sich.

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Im Mai diesen Jahres fanden Mediziner in den USA in Mäusen Zellen, die Antikörper gegen das Ebola-Virus bilden. Es wäre möglich, auf dieser Grundlage einen Impfstoff zu entwickeln. Allerdings wird dies noch einige Jahre in Anspruch nehmen, so dass bis zur Fertigstellung einer Schutzimpfung noch einige Tausend Menschen - vornehmlich Bewohner der südlichen Hemisphäre - an Ebola sterben werden.

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