Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Magnetisch oder nicht?
Die entscheidenden Tests

Im nächsten Schritt ging es darum nachzuweisen, dass die in das Ausgangsmaterial eingebauten Kobalt-Ionen auch magnetisch sind. Dazu maßen die Wissenschaftler noch einmal das Resonanzverhalten der Elektronen auf der L-Schale auf die polarisierte Röntgenstrahlung und berechneten die Differenz zwischen beiden Polarisierungsrichtungen. Da das Resonanzverhalten von der Spinrichtung der Elektronen abhängt, gibt dies einen Aufschluss über die Spinverteilung.

Die positiven und negativen Ausschläge der Kurve liefern wichtige Information über den Magnetismus des untersuchten Elements. 
Die positiven und negativen Ausschläge der Kurve liefern wichtige Information über den Magnetismus des untersuchten Elements.
© RUB  Die positiven und negativen Ausschläge der Kurve liefern wichtige Information über den Magnetismus des untersuchten Elements.
Bei magnetischen Materialien wechselt die Resonanzkurve normalerweise das Vorzeichen zwischen zwei bestimmten „Gipfeln“. Genau dieses Verhalten konnten die Forscher sowohl für Kobalt in Titanoxid als auch für Kobalt in Zinkoxid beobachten.

Wie stabil ist der Magnetismus?
Ein weiterer Nachweis für ferromagnetisches Verhalten ist die magnetische Stabilität. Mit einem Magnetometer kann man sie üblicherweise für die Gesamtheit der Probe messen, das heißt die gesamte magnetische Energie aller Bestandteile der Probe wird summiert. Mit der Methode der RUB-Physiker ist es nun sogar möglich, diese so genannte magnetische Hysterese für jedes einzelne Element einer Probe separat zu bestimmen.

Keine andere Methode bietet diese Möglichkeit – einer der Gründe dafür, dass die ALICE-Messkammer ständig ausgebucht ist. Für die Messung wird ein äußeres, sich veränderndes Magnetfeld angelegt und registriert, wie sich die charakteristischen Energiewerte im polarisierten Röntgenlicht ändern. Wichtige Kenngrößen sind dabei unter anderem der Wert, bei der die Magnetisierung in einer Probe von einer Richtung in eine andere umkippt, und die so genannte magnetische Remanenz, das heißt die Magnetisierung, die übrig bleibt, wenn man das äußere Magnetfeld entfernt.

Implantation erfolgreich
Die Ergebnisse bestätigten, dass die implantierten Kobalt-Ionen bei Raumtemperatur einen stabilen Ferromagnetismus aufweisen. Erst bei einem starken Magnetfeld (ca. 2 Kilo-Oersted) kippte die Magnetisierung von einer Richtung in die andere. Wurde das äußere Magnetfeld weggenommen, blieb die Magnetisierung der Probe vollständig erhalten. Damit war eines der wichtigsten Ziele der ganze Aktion erreicht.

Überraschenderweise fanden die Forscher auch bei Elektronen aus der K-Schale von Sauerstoff-Atomen des Halbleiters ein schwaches magnetisches Signal. Offensichtlich werden in der Nachbarschaft von Kobalt die Sauerstoffionen ebenfalls magnetisch polarisiert. Dies ist ein wichtiger Hinweis auf den zugrunde liegenden Mechanismus der ferromagnetischen Wechselwirkung, der in diesen Materialien theoretisch noch nicht gut verstanden ist.

Es steht aber jetzt schon fest, dass die Ionenimplantation von Kobalt in Titanoxid und Zinkoxid erfolgreich zu neuen magnetischen Halbleitermaterialien führt, die ferromagnetisches Verhalten bei Raumtemperatur und darüber hinaus aufweisen. Dies ist die Grundvoraussetzung für weitere Entwicklungen in Richtung von spintronischen Bauelementen.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Quantencomputer
Zoom aufs Atom
Hightech
Artikel zum Thema
Das Geheimnis des richtigen Spins
Auf der Suche nach ferromagnetischen Halbleitern für elektronische Bauteile
Magnetische Halbleiter gesucht
Zwei Varianten, viele Hürden
Die Kunst der richtigen Dotierung
Vom nichtleitenden Oxid zum Halbleiter
Unter Elektronenbeschuss
Experiment im Speicherring
Mehr Durchblick dank ALICE
Neue Methode bestätigt erfolgreichen Austausch
Magnetisch oder nicht?
Die entscheidenden Tests
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen