Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Sauber von innen
Selbstreinigende Kleidung

Kleidung aus Wolle, Seide oder Hanf hat einen entscheidenden Nachteil: Sie wird schnell schmutzig und die Flecken sind oft nicht so leicht wieder zu entfernen. Bis jetzt. Denn australische Wissenschaftler um Walid Daoud von der Monash Universität in Melbourne haben die Naturstoffe im März 2008 mithilfe der Nanotechnologie so verändert, dass sie sich im Sonnenlicht selbst von unangenehmen Gerüchen oder Schmutz befreien.

Rotweinflecken ade
 Rotwein macht Flecken
Rotwein macht Flecken
© André Karwath/ Creative Commons 2.5  Rotwein macht Flecken
Selbst äußerst hartnäckiger Schmutzt verschwindet darauf wie von Geisterhand. Dies zeigte zumindest ein Experiment bei dem Daoud zusammen mit einigen Kollegen nanobeschichtete und normale Kleidungsstücke aus Wolle mit Rotwein verunzierte.

„Nach 20 Stunden Aufenthalt in simuliertem Sonnenlicht zeigten die beschichteten Textilien fast keine Rückstände mehr von Rotweinflecken, während die unbehandelten Produkte noch immer tief verschmutzt waren“, so Daoud in der Fachzeitschrift „Chemistry of Materials“

Haut und Wolle sind immun
Doch was ist das Geheimnis hinter dieser ungewöhnlichen Selbstreinigungskraft? Simples Titandioxid (TiO2), ein Farbpigment, das als Titanweiß bereits seit fast 100 Jahren bekannt ist. Es wird aber auch als Druckfarbe oder als Färbemittel von Kunststoffen verwendet. Was aber genau ist der Trick bei der Sache? Das Titandioxid besitzt eine starke fotooxidierende Wirkung. Unter dem Einfluss von Sonnenlicht entstehen Radikale, die Schmutz oder die Zellwände von Bakterien zerfallen lassen, die Haut oder den Woll- oder Seidenstoff selbst aber nicht angreifen.

Der schwierigste Teil der Arbeit bestand für die Wissenschaftler darin die Nanobeschichtung dauerhaft haltbar an den Naturstoffen zu verankern. „Ein keramisches anorganisches Material auf organische Fasern aus Keratinproteinen wie bei Wolle, Seide oder Spinnenseide aufzutragen, war eine Herausforderung“, so Daoud. Schließlich gelang es den Forschern aber doch, mit einer besonderen chemischen Reaktion die Oberfläche der Fasern zu aktivieren und die Titandioxid-Kristalle fest „anzukleben“.

Nanotechnologie 
Nanotechnologie
© NASA
Seide bleibt seidig
Die neue Funktionsbeschichtung ist weder giftig, noch verändern die Kristalle die Eigenschaften der Textilien. Auch eine nanobeschichte Seidenkrawatte, wird sich daher nach wie vor „seidig“ anfühlen, so die Forscher. Bis erste Produkte mit der innovativen Anti-Schmutztechnologie auf den Markt kommen, wird es vermutlich aber noch ein bisschen dauern. Zunächst müssen noch einige weitere Tests absolviert werden.

Daoud ist sich aber schon jetzt sicher: „Ich glaube, dass die selbstreinigende Eigenschaft bei den Textilien der Zukunft und anderen häufig gebrauchten Materialien zum Standard gehören wird - um die Hygiene zu erhalten und die Ausbreitung von gefährlichen Erregern zu verhindern.“

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Kluge Klamotten
Hightech
Zoom aufs Atom
Nanotechnologie
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Intelligente Kleidung
Hightech-Textilien auf dem Vormarsch
Wenn Jacken intelligent werden
„Smart clothes“ und „functional wear“ vor dem Boom
Frieren verboten
Heizbare Handschuhe und wärmende Unterwäsche
Synthese von Textilien und Elektronik
Miniaturisierung ist Trumpf
Gekauft wird was gefällt
Kleidung muss chic, trendy und intelligent sein
Eisjacken als Doping
Hightech macht Sportler leistungsfähiger
Sauber von innen
Selbstreinigende Kleidung
„Must have“ oder teurer Schnickschnack
Ein Fazit
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen