Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Besuch bei Schrödingers Katze
Die Sache mit den Überlagerungen

Quantencomputer rechnen nicht mehr mit Transistoren, sondern mit Quantenbits, kurz Qubits. Das Quantenbit oder Qubit ist das Analog zum klassischen Bit bei herkömmlichen Computern: Es dient als kleinstmögliche Speichereinheit und definiert gleichzeitig ein Maß für die Information. Konkret kann es aus Atomen, Elektronen, Molekülen oder Photonen bestehen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bits können Qubits nicht nur zwei Zustände annehmen, sondern auch beide Zustände quantenphysikalisch überlagern.

Schrödingers Gedankenexperiment 
Schrödingers Gedankenexperiment
© GFDL  Schrödingers Gedankenexperiment
Zwischen zwei Zuständen
Veranschaulichen lässt sich dies mit dem berühmten Gedankenexperiment des Physikers Erwin Schrödinger: Er beschreibt es im November 1935 in einem Artikel in der Zeitschrift „Naturwissenschaften“ folgendermaßen: „Eine Katze wird in eine Stahlkammer gesperrt, zusammen mit folgender Höllenmaschine (die man gegen den direkten Zugriff der Katze sichern muss): In einem Geigerschen Zählrohr befindet sich eine winzige Menge radioaktiver Substanz, so wenig, dass im Laufe einer Stunde vielleicht eines von den Atomen zerfällt, ebenso wahrscheinlich aber auch keines. Geschieht es, so spricht das Zählrohr an und betätigt über ein Relais ein Hämmerchen, das ein Kölbchen mit Blausäure zertrümmert.“

Das ganze System wird eine Stunde unbeobachtet sich selbst überlassen. Während dieser Zeit ist der Zustand des Atoms in einer Überlagerung: zerfallen oder nicht zerfallen. Denn solange wir nicht nachgeschaut haben, können wir die Wahrscheinlichkeit, dass das Atom zerfallen ist, nur schätzen. Entsprechend wäre die Katze in der Kammer – theoretisch betrachtet – ebenfalls in einem Überlagerungszustand zwischen lebendig und tot. Sobald wir jedoch die Kammer öffnen und nachschauen, enden alle Überlagerungen. Denn an Stelle der Wahrscheinlichkeiten treten jetzt konkrete Beobachtungen oder Messungen.

Atom oder Molekül? Beides!
2007 ist es Forschern des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik nun erstmals gelungen, einen solchen Überlagerungszustand aus Atom und Molekül in reiner Form zu beobachten. In den Experimenten konnten sich Paare aus je zwei Rubidiumatomen „nicht entscheiden“, ob sie miteinander eine Molekülbindung eingehen oder im atomaren Zustand verharren sollten. Stattdessen schwangen Pärchen zwischen beiden Zuständen hin und her und nahmen dazwischen einen Zustand ein, in dem sie beides, Moleküle und Atome, zugleich waren.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Quantencomputer
Cybercrime
Zoom aufs Atom
Nanotechnologie
Facts
Kurioses
...und Informatives aus dem Quantenreich
Artikel zum Thema
Quantencomputer
Tops und Flops beim Rechnen mit den kleinsten Teilchen
Besuch bei Schrödingers Katze
Die Sache mit den Überlagerungen
Von Quantencomputern und –simulatoren
Paralleles Rechnen und die Geheimnisse der Verschränkung
Schnittstelle durch Photonen-„Trick“
Informationsübertragung vom Quantenspeicher zum Überträger
Quanteninformation auf Reisen
Erster Bus für Quantensysteme
…und die Zukunft
Wann wird es die ersten Quantencomputer- Anwendungen geben?
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen