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Freitag, 10.02.2012
Den Geheimnissen der Sauropoden auf der Spur
Professor Andreas Christian im Interview

Professor Andreas Christian vom Institut für Biologie und ihre Didaktik der Universität Flensburg gehört zu einem 20-köpfigen Wissenschaftlerteam, das zurzeit das Projekt "Biologie der Dinosaurier - Evolution des Gigantismus" durchführt. Im Interview mit scinexx.de berichtet er über seine Arbeit.

scinexx: Herr Christian, Sie untersuchen zusammen mit mehr als 20 anderen Wissenschaftlern in einem neuen Projekt den erstaunlichen Riesenwuchs von Dinosauriern. Wie gehen Sie dabei vor?

 Professor Andreas Christian
Professor Andreas Christian
© Andreas Christian
Andreas Christian: Wir versuchen ein möglichst komplettes Bild der Sauropoden und ihrer Lebensbedingungen zu rekonstruieren. Dabei befassen sich Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen mit unterschiedlichen Aspekten der Biologie der Sauropoden, beispielsweise mit dem Wachstum, der Biomechanik, der Ernährung, der Verdauung oder der Stammesgeschichte dieser Tiere. Die Erkenntnisse der Teilprojekte sollen dann zu einem Gesamtbild integriert werden. Dabei soll vor allem deutlich werden, wie es im Laufe der Evolution zum Riesenwuchs dieser Tiere gekommen ist. Jede Projektgruppe wendet ihre eigenen spezifischen Methoden an.

In dem Teilprojekt, das ich an der Universität Flensburg gemeinsam mit zwei Nachwuchswissenschaftlern, Jan-Thomas Möller und Sebastian Ziehm, bearbeite, geht es um die Ernährungsstrategien der Sauropoden. Wir verwenden Modellrechnungen, biomechanische Rekonstruktionen der Hälse sowie vergleichende Untersuchungen an heute lebenden Tieren mit langen Hälsen, um Halsstellungen und ökonomische Bewegungen der Hälse zu ermitteln. Dabei werden verschiedene Sauropoden miteinander verglichen, um Unterschiede in der Strategie der Nahrungsaufnahme aufzudecken.

scinexx: Gibt es bereits erste Ergebnisse?

Christian: Die Ergebnisse unseres Teilprojektes zeigen, dass es erhebliche ökologische Unterschiede innerhalb der Sauropoden gegeben hat. Es gab Formen, die ihre Nahrung eher in Bodennähe fanden, wie etwa Diplodocus, während andere Sauropoden, wie Brachiosaurus, die Nahrung aus größeren Höhen abweideten. Der Einsatz des Halses glich bei Diplodocus und ähnlichen Sauropoden etwa dem Halseinsatz von Straußen und Kamelen, während Brachiosaurus eher mit einer Giraffe verglichen werden kann. Außerdem zeigen erste Modellrechnungen, dass der extrem lange Hals der Sauropoden nur durch die vielfache vermutete Leichtbauweise mit Luftsäcken entlang des Halses sinnvoll gewesen ist.

scinexx: Sie beschäftigen sich vor allem mit der Ernährungsstrategie von Titanosaurus, Diplodocus & Co. Warum?

Christian: Der Riesenwuchs der Sauropoden kann nur verstanden werden, wenn man weiß, wie sich diese Tiere die gewaltigen Nahrungsmengen beschafften, die sie zum Wachstum und für andere Lebensprozesse benötigten. Wir vermuten, dass die unter Landtieren einzigartige Länge des Halses das entscheidende Merkmal darstellt, welches die Evolution des Riesenwuchses in dieser Tiergruppe ermöglichte.

scinexx: Welche Rolle spielen Computersimulationen bei Ihrer Arbeit?

Christian: Hier muss ich Sie enttäuschen. Die meisten Modellrechnungen können wir mit dem Taschenrechner durchführen. Es wird allerdings erforderlich sein, dreidimensionale Bilder von Halswirbeln im Computer gegeneinander zu bewegen, um die Beweglichkeit von Hälsen sowie die aus Bewegungen resultierenden Längenänderungen von Muskeln und Ligamenten zu rekonstruieren. Für aufwändige Computersimulationen von Bewegungen des gesamten Körpers sowie für detaillierte Berechnungen der Kraftverhältnisse in den Halswirbeln können wir auf die Ergebnisse anderer Projektgruppen zurückgreifen.

scinexx: Britische Wissenschaftler haben im Jahr 2007 gezeigt, dass der Tyrannosaurus rex schneller laufen konnte als Fußballer wie David Beckham. Welche Rätsel um die Dinosaurier gilt es in Zukunft noch zu lösen?

Christian: Noch ist viel mehr rätselhaft als es in der Öffentlichkeit erscheint, da technisch gut gemachte Filme mit Animationen von Dinosauriern ein Wissen suggerieren, dass wir noch nicht haben. Zunehmend interessant werden ökologische Fragen. Mit besserem Verständnis der Funktionsweise der einzelnen Dinosaurierarten kann man auch die Rekonstruktion ganzer prähistorischer Lebensgemeinschaften wagen.

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