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Mittwoch, 08.02.2012
Mit Lehrbüchern auf Schülerfang
Der Kampf um die Schüler hat auch in Deutschland begonnen

Der Kampf um die „reine Lehre“ spielt sich längst auch in den Schulen ab. In den USA längst Realität, versuchen die Kreationisten auch hierzulande immer stärker, mit ihren Ideen Eingang in die Schulbücher zu bekommen – oder produzieren gleich selbst welche. Eines davon, „Evolution – ein kritisches Lehrbuch", erschienen im Weyel Verlag, ist inzwischen bereits in der sechsten Auflage erhältlich. In ihm vermitteln die Autoren Reinhard Junker und Siegfried Scherer die Thesen des „Intelligent Design“, nach dem die Lebewesen der Erde so komplex aufgebaut sind, dass sie nur ein intelligenter Designer entwerfen konnte.

Herrschen im Biologieunterricht bald amerikanische Verhältnisse? 
Herrschen im Biologieunterricht bald amerikanische Verhältnisse?
© SXC  Herrschen im Biologieunterricht bald amerikanische Verhältnisse?
Im Gewand eines wissenschaftlichen Duktus übt das „Lehrbuch“ Kritik an der Evolutionstheorie und postuliert unter anderem, dass Fossilien als Übergangsformen nahezu alle umstritten seien und dass der Rückschluss von heutigen Organismen auf ihre Vorfahren unmöglich oder zumindest doch unseriös sei. Noch sind solche Bücher offiziell nicht als Schulbuch zugelassen, den Lehrern steht es allerdings frei, diese und andere kreationistische Schriften als „ergänzende Materialien“ im Unterricht zu nutzen.

Und die Zeit spielt für die Kreationisten: Denn das Inkrafttreten des GATS-Abkommen (General Agreement on Trade in Services) der Welthandelsorganisation sieht eine weitreichende Liberalisierung der öffentlichen Dienstleistungen vor – möglicherweise auch im schulischen Bereich. Im Klartext heißt das, dass die in Deutschland noch relativ strengen Bestimmungen für Unterricht und Schulbücher gelockert werden könnten und damit jeder einzelne Lehrer in größerem Maße selbst bestimmen kann, wie er seinen Unterricht gestaltet.

Und schon jetzt lassen sich viele Eltern aus evangelikalen Kreisen von den bürokratischen Hürden längst nicht mehr abschrecken. Sie weigern sich einfach, ihre Kinder in staatliche Schulen zu schicken, selbst wenn sie damit gegen die Schulpflicht verstoßen. Über 500 Kinder, so die aktuellen Schätzungen werden in Deutschland bereits aus religiösen Gründen zuhause oder in christlich-fundamentalistischen Privatschulen unterrichtet – Tendenz steigend.

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