Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 21.03.2010
„Evolutions-Notstand“ auch an der Uni?
Jeder achte Biologie-Studienanfänger skeptisch

Dass Mahnungen vor einem „neuen Mittelalter“ nicht aus der Luft gegriffen sind, untermauert eine im April 2007 durchgeführte Umfrage unter Studienanfängern der Universität Dortmund. Die 1.228 befragten Lehramtsstudenten, darunter 148 angehenden Biologielehrer, sollten zu insgesamt 108 Aussagen pro und Kontra Evolution Stellung nehmen.

Selbst Studenten zweifeln zunehmend an der Evolutionstheorie. 
Selbst Studenten zweifeln zunehmend an der Evolutionstheorie.
© SXC  Selbst Studenten zweifeln zunehmend an der Evolutionstheorie.
Das Ergebnis: Immerhin jeder achte Studienanfänger zweifelte daran, dass überhaupt eine Evolution der Arten stattgefunden hat und konnte sich nicht vorstellen, einen gemeinsamen Vorfahren mit den Schimpansen zu teilen. Unter den Lehramtsstudenten waren es immerhin noch 5,5 Prozent, die Darwin und Co. nicht so recht Glauben schenken wollten. Stattdessen stimmten einige der Aussage zu, dass „ein höheres Wesen den Menschen im Wesentlichen in seinem jetzigen Aussehen geschaffen“ habe.

Dittmar Graf, Professor für Didaktik der Biologie und Leiter der Umfrage wundert dieses Ergebnis nicht. Denn seiner Ansicht nach ist schon bei den Schülern vielfach das Wissen über die Schöpfungslehre ausgeprägter als das über die Evolutionstheorie. „Wenn Schüler zum ersten Mal mit dem Thema Evolution konfrontiert werden, haben sie bereits eine Vielzahl eigener Konzepte generiert, die oft stark mit religiösen Ansichten durchdrungen sind“, so der Forscher. Unterrichtet wird die Evolutionstheorie an den meisten Schulen erst ab der neunten, in vielen sogar erst in der elften Klasse, vorher wird die Thematik allenfalls gestreift. Mit der Folge, dass die nach der zehnten Klasse abgehenden Schüler ihre Schullaufbahn schlimmstenfalls „evolutionsfrei“ beenden.

Zumindest aber für die angehenden Lehrer sieht Graf die Chance, das Unwissen spätestens im Studium zu beheben: „Ich hoffe, dass sich diese Einstellung besonders bei den Biologie-Studenten während des Studiums noch ändern wird", so Graf. Schließlich sei „die Evolution die wichtigste biologische Theorie überhaupt“. Seine Hoffnung ist es, durch eine fundierte evolutionsbiologische Lehrerausbildung auch den Einfluss der Kreationisten an den Schulen eindämmen zu können.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Fossilien
Frühmenschen
Dinosaurier
Facts
Was ist was?
Die wichtigsten Stichworte kurz erklärt
Artikel zum Thema
Gott oder Darwin?
Der Kreationismus auf dem Vormarsch
Eine Kultusministerin schießt quer
Streit um die Schöpfungslehre im Biologieunterricht
Kein Einzelfall
Der Kreationismus gewinnt in Europa an Boden
„Evolutions-Notstand“ auch an der Uni?
Jeder achte Biologie-Studienanfänger skeptisch
Mit Lehrbüchern auf Schülerfang
Der Kampf um die Schüler hat auch in Deutschland begonnen
INTERVIEW: Kreationismus - was tun?
Fragen an Professor Dr. Horst Bayrhuber vom Institut für Pädagogik in den Naturwissenschaften (IPN) in Kiel
Top-Diaschauen
Hypatia von Alexandria
2012 und die Maya
Erdbeben
Plastikmüll
Schatzkammer Ozean
Aktuelle Dossiers
Hypatia: Tod für die Wissenschaft
Die berühmteste Gelehrte des antiken Alexandria wird wiederentdeckt
Die Wetter-Zurücksage
Wie die Vergangenheit hilft, die zukünftige Reaktion des Klimasystems vorherzusagen
Wunderwelt Ozean
Zehn Jahre Volkszählung im Meer - „Census of Marine Life“
Strom aus der Salzkraft
Osmose-Kraftwerke: von der Vision zur Wirklichkeit
Vancouver 2010
Wie sauber sind die Winterspiele?
Honigbienen: Superhirn im Überlebenskampf
Wie Parasiten, Krankheit und Gift die Fähigkeiten der sozialen Insekten beeinträchtigen
Apophis: Asteroid auf Erdkurs
Einschlag oder knapp daneben? 2029 entscheidet
Vormenschen
Zu Besuch bei Ardi, Lucy & Co
Smarte Etiketten
Auf dem Weg zum “Internet der Dinge”
Der Kommunikations-Code
Die Vielfalt der Sprachen