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Freitag, 10.02.2012
Zu wenig Tod macht krank
Störungen der Apoptose

Es könnte wohl alles so einfach sein. Denn jeder Virus müsste theoretisch, sobald die von ihm befallene Zelle vom Immunsystem ausgemacht wurde, schon nach wenigen Stunden mit dieser zusammen von Fresszellen sauber aus dem Zellverband entfernt worden sein. Ähnlich sollte es jeder Krebszelle ergehen. Doch leider läuft das Programm des Zelltodes nicht immer so glatt ab wie es sollte.

Die Störung apoptotischer Vorgänge ist Teil einer ganzen Reihe von Krankheiten, die zu den häufigsten Todesursachen zählen. Doch was läuft falsch? Warum stellen sich manche Zellen taub gegenüber dem Selbstmordbefehl? Und warum wird uns eines der wichtigsten Werkzeuge des Organismus plötzlich zum Verhängnis?

Zellen, die nicht sterben können
Krebszellen haben mit den Zellen des umliegenden Gewebes nicht mehr viel gemeinsam. Sie heben sich nicht nur rein äußerlich ab sondern erfüllen auch keinerlei für den Körper relevante Funktionen. Ihre einzige Aufgabe ist es, sich zu teilen, und sich vor dem Immunsystem des Körpers und damit vor Apoptose zu schützen. Ganz ähnlich ist es bei Zellen, die einen ungebetenen Gast, einen Virus, in sich tragen. Auch dieser hat keinerlei Interesse an einer suizidalen Wirtszelle.

Es gibt dabei mehrere Wege, die Apoptose zu verhindern. Zum Ersten ist es wichtig, dass die Zelle selbst gar nicht merkt, dass etwas nicht stimmt. Würde die Überprüfung des genetischen Materials über ein vielseitig begabtes Protein namens p53 im Normalfall zu Apoptose führen, passiert im Falle von Krebszellen nichts, denn das wichtige Protein wurde abgeschaltet. Einige Viren haben einen ähnlichen Ansatz gefunden. Sie produzieren ein Protein im Übermaß, das die Zelle normalerweise nutzt, um die Tätigkeit von p53 einzuschränken und verhindern damit den Zelltod.

Für Tumorzellen gilt es zudem, das Immunsystem zu überlisten. T-Killerzellen werden unweigerlich auf Krebszellen aufmerksam und schütten ihre todbringenden Botenstoffe aus. Doch hier ist dann meistens auch schon Schluss, denn die notwendigen Rezeptoren sind auf den mutierten Zellen bereits abgeschaltet.

Der Umstand, dass Viren und Krebszellen gleichermaßen auf das Verhindern der Apoptose angewiesen sind, birgt noch eine weitere Gefahr. Denn oftmals scheinen bestimmte Virusinfektionen eng im Zusammenhang mit der Ausbildung von Tumoren zu stehen. In diesen Fällen hat das Virus durch die Unterdrückung des programmierten Zelltodes möglicherweise nicht nur sein eigenes Überleben gesichert, sondern auch der Vermehrung entarteter Zellen den Weg geebnet.

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