Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Osteoporose und Laktose-Verträglichkeit
Ernährungsfaktoren, Teil 1

Ernährungsfaktoren können sich je nach genetischer Veranlagung unterschiedlich auswirken. Diese „Nutrient-Gene-Interaction“ wird unter dem Stichwort Nutrigenomics zusammengefasst. Zahlreiche unterschiedliche Reaktionen auf einen Lebensmittelinhaltsstoff konnten bereits auf Genvariabilitäten zurückgeführt werden. Hier einige Beispiele:

Gewinnung von Material zur DNA-Analyse 
Gewinnung von Material zur DNA-Analyse
© BfEL Kiel  Gewinnung von Material zur DNA-Analyse
Bestimmte Bevölkerungsgruppen (vor allem Nord- und Mitteleuropäer) besitzen bis ins hohe Alter die Fähigkeit, den Milchzucker Laktose zu verdauen, was auf die fortbestehende Produktion des dafür notwendigen Enzyms Laktase zurückzuführen ist. Hierfür ist eine dominant vererbte Mutation des Laktase-Gen-Allels verantwortlich. Personen, die an einer Laktose-Intoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit) leiden, reagieren bei Zufuhr großer Laktosemengen mit Durchfall und Bauchschmerzen. Sie müssen deshalb bestimmte Milchprodukte meiden, können aber auf fermentierte Milchprodukte wie Käse und Joghurt sowie auf vermehrt angebotene laktosearme Milchprodukte zurückgreifen.

Osteoporose
Die Knochen unterliegen einem lebenslangen Rhythmus von Aufbau und Abbau. Sobald dieses Gleichgewicht zugunsten des Abbaus gestört wird, kommt es zum Knochenschwund, der Osteoporose. Neben hormonellen Störungen können auch Ernährungsfehler, die zum Mangel an Vitamin D und Calcium führen, den Abbau der Knochenmasse verstärken. Calcium ist für die Festigkeit der Knochen verantwortlich, Vitamin D regelt die Aufnahme von Calcium aus der Nahrung. Ein Polymorphismus im Vitamin D-Rezeptor führt zu erblich bedingter Anlage zu Osteoporose. Durch eine entsprechende Diät mit vermehrter Calcium- und Vitamin D-Aufnahme kann einer Erkrankung vorgebeugt werden.

Sitosterolämie
Bei der seltenen, rezessiv vererbten Stoffwechselstörung Sitosterolämie werden Pflanzensterine (ähnlich dem tierischen Cholesterin) verstärkt aus der Nahrung resorbiert. Dies führt zu einer verstärkten Einlagerung dieser Sterine in die Gefäßwände. Es kommt frühzeitig zu Arteriosklerose und damit zu Herzinfarkt und Hirnschlag. Beim normalen Genotyp kann die Aufnahme von Pflanzensterinen helfen, den Cholesterin-Spiegel zu senken. Deshalb werden sie bereits einigen Produkten wie Margarinen oder Jogurtdrinks zugesetzt und als „functional food“ in den Handel gebracht. Patienten mit homozygoter Sitosterolämie sollten diese Produkte und andere Nahrungsmittel mit hohem Anteil an pflanzlichen Sterinen aber meiden.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Ernährung
Genetik
Krebs
Aids
Medizinpflanzen
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Personalisierte Ernährung
Maßgeschneiderte Ernährung oder Allerweltskost?
Gen-Chips und SNPs
Die Suche nach genetischen Ursachen
Osteoporose und Laktose-Verträglichkeit
Ernährungsfaktoren, Teil 1
Herzkranzgefäße und Bluthochdruck
Ernährungsfaktoren, Teil 2
Was ist personalisierte Ernährung?
Berücksichtigung von Genotyp und Phänotyp
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen