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Donnerstag, 09.02.2012
Überblick
Das Wichtigste in Kürze

  • Quallen sind ein Vorzeigeprodukt der Evolution. Seit mehr als einer halben Milliarde Jahre bevölkern sie die Weltmeere und gehören so zu den „Gründervätern“ des höheren Lebens im Ozean. In den eiskalten Polargebieten sind die Meeresbewohner genauso zuhause, wie in den tropischen Gewässern des Äquators.


  • Der Schlüssel zu ihrem Erfolg liegt in der Struktur der Tiere, die zwar denkbar einfach, aber trotzdem effizient ist. Quallen fehlt ein Gehirn, das Herz und die Lunge, ihr Mund ist gleichzeitig ihr After und nur eine einzige Zellschicht kleidet nach außen die Körperoberfläche und im Inneren den Magenraum aus. Dazwischen liegt eine geleeartige Substanz, die hauptsächlich aus Wasser, Proteinen und Zucker besteht.


  • Die glitschigen Wesen nutzen Nesselzellen zur Jagd und zur Feindabwehr. Diese sind überall auf der Haut der Tiere verteilt und treten vor allem an den Tentakeln verdichtet auf. Bei einer Berührung öffnen sich die ovalen, doppelwandigen Kapseln und ein im Inneren verborgener Faden wird explosionsartig herausgeschleudert. Der Faden besteht aus einem Dornenapparat, der blitzschnell in das Beutetier eindringt und das Opfer mit einem freigesetzten Nervengift tötet oder betäubt.


  • Der Nesselfaden wird innerhalb von nur 700 Nanosekunden aus der Zelle herauskatapultiert. Daraus ergibt sich eine Beschleunigung von mehr als dem fünfmillionenfachen der Erdanziehung, vergleichbar mit der Geschwindigkeit einer Gewehrkugel. Der Druck der dafür in der Kapsel aufgebaut werden muss, ist etwa 150 Mal so hoch wie der der Erdatmosphäre.


  • Einige Quallen nutzen rotes Licht um Beutetiere, unter anderem Fische und Kleinkrebse, in die Falle zu locken. Beispielsweise sind bei der Gattung Erenna die Seitenäste der Tentakel jeweils mit einem rötlich schimmernden Köpfchen bestückt, in denen sich biolumineszierende Proteine befinden. Das rhythmische Flackern des Leuchtkörpers spricht für ihre Nutzung als Köder, da es die Bewegung von Kleinstlebewesen zu imitieren scheint.


  • Die Mittelmeerqualle Turritopsos nutricula ist praktisch unsterblich. Die Tiere haben einen bislang einzigartigen Weg gefunden, um ihrem natürlichen Ende zu entgehen. Denn sobald die Qualle in die Jahre kommt, führt sie eine Verjüngungskur durch. Dafür sinkt sie zu Boden und regeneriert sich dort. Die Zellen verlieren ihre bislang ausgeübte Funktion, zum Beispiel als Nerven- oder Nesselzellen, und werden in ihr Ausgangsstadium, in undifferenzierte Stammzellen zurückgeführt.


  • Quallen besitzen von Natur aus eine zweite Identität. Der uns allen bekannte, frei im Wasser schwebende gallerartige Körper einer Qualle ist nur eine Erscheinungsform der „Glibberwesen“, die so genannte Medusengeneration. Daneben gibt es noch einen weiteren Lebenszyklus, indem die Qualle als Polyp existiert. Während sich Medusen geschlechtlich fortpflanzen können, ist die Polypengeneration dazu nicht fähig. Das heißt erstere haben Sex, letztere nicht.


  • In ihrem ungeschlechtlichen Leben sitzen die Quallen fest verankert als winzige bäumchenförmige Polypen auf Felsen und Steinen am küstennahen Ozeanbodenboden. Dort ernähren sich mit Hilfe ihrer Tentakel von vorbeischwimmenden Kleinkrebsen und anderem Plankton. Im Frühjahr und Sommer, wenn sich das Wasser genügend erwärmt hat und die millimetergroßen Geschöpfe gut im Futter stehen, schnüren die Polypen bis zu zwanzig scheibenförmige Larven von ihren Körpern ab, aus denen die Medusen entstehen.


  • Die gefährlichste Qualle ist die Seewespe. Sie gehört zu den giftigsten Tieren der Welt und ist eine Meisterin der chemischen Kriegsführung. Bereits anderthalb tausendstel Gramm ihres Toxins reichen aus, um einen erwachsenen Menschen zu töten. Insgesamt trägt das Nesseltier soviel Nervengift in ihrem Körper, das sie 250 Personen den Tod bringen könnte. Jährlich werden weltweit bis zu 70 Todesfälle gemeldet, die auf das fast durchsichtige Wesen zurückzuführen sind.


  • Die Seewespe ist eine sehr gute Schwimmerin. Der Schirm kann sich durch kräftige Muskeln mehrmals in der Sekunde zusammenziehen und das Tier nach dem Rückstoßprinzip fortbewegen. Dadurch erreicht die Qualle Geschwindigkeiten von bis zu neun Kilometern in der Stunde und schwimmt so zumindest schneller als jeder Mensch. Der us-amerikanische Rekordhalter Tom Jager jedenfalls erreichte beim aktuellen Weltrekord über 50 Meter Freistil „nur“ gut acht Kilometer pro Stunde.


  • Die Gruppe der Staatsquallen, zu der unter anderem die Portugiesische Galeere gehört, zeichnet sich durch eine besondere Eigenschaft aus, die man ansonsten nur von wesentlich höher entwickelten sozialen Insekten kennt, wie zum Beispiel von Ameisen oder Bienen. Denn Staatsquallen sind im Laufe der Evolution zu Staatenbildnern geworden. Unzählige kleine Einzellebewesen, so genannte Polypen, schließen sich zu einem Verband zusammen und teilen die im Leben einer Qualle anfallenden Arbeiten gerecht unter sich auf.

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