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Freitag, 10.02.2012
„Star Wars“ im Eis
Die Ureinwohner und die Supermacht

Am äußersten Ende der eisigen Baffin Bay, hunderte Kilometer nördlich des Polarkreises, liegt der grönländische Thule Distrikt. „Avanersuaq“ nennen die Inuits diese Region, was übersetzt soviel heißt wie „der Platz im entlegensten Norden“. Jahrhundertelang befanden sich hier die angestammten Jagdgründe der Inuit – doch nun beherrschen Radarstationen und Militärbaracken das Bild. Einer der wichtigsten Verteidigungsstützpunkte der USA, die Thule Air Base, befindet sich inmitten dieser Eislandschaft.

Eine „Wetterstation“ des US-Militärs
 Militärbasis Thule
Militärbasis Thule
© Thule Air Base  Militärbasis Thule

Doch wie kommt diese Basis hierhin und was hat dies mit „Star Wars“ zutun? Alles begann nach Ende des zweiten Weltkrieges mit dem Bau einer dänisch-amerikanischen „Wetterstation“, doch schon bald sah der gewaltige Komplex nicht mehr nach einer einfachen Forschungseinrichtung aus. Die „Tarnung“ wurde dann auch im Jahre 1951, also in der Anfangsphase des Kalten Krieges, aufgegeben und die Amerikaner gaben offiziell den Bau der amerikanischen Thule Air Base bekannt.

Neben dem politischen Aufsehen, sorgte der Bau des Luftwaffenstützpunktes auch in der Region für großen Wirbel. Denn um das Projekt zu ermöglichen, vertrieb das Militär damals hunderte Inuit, die in dieser Region lebten und jagten. Auch heute noch, rund 50 Jahre nach ihrer Vertreibung, gelten die Soldaten als ungebetene Gäste bei der Urbevölkerung.

Ein belastetes Verhältnis
Die Fronten sind besonders verhärtet, da es rund um die Thule-Basis immer wieder zu „Zwischenfällen“ gekommen war. So wurde 1995 bekannt, dass die Amerikaner entgegen aller Vereinbarungen auch Atomsprengköpfe in Thule gelagert hatten. Ende der 60er Jahre stürzte zudem ein mit Atomwaffen bestückter B-52 Bomber in der Nähe der Air Base ab. Bis heute ist die Absturzregion radioaktiv verseucht und unzählige Jäger, die ahnungslos in dieser Gegend unterwegs waren, leiden heute an Krebs und anderen Krankheiten, die auf eine Verstrahlung zurückzuführen sind. Eine Annäherung zwischen Inuit und Militär scheint nahezu unmöglich.

Das „Verteidigungsschutzschild“ der Vereinigten Staaten
Neuester Konfliktstoff sind nun die „Star Wars“-Pläne der US-Regierung. Mithilfe dieses Aufrüstungsprogramms mit dem offiziellen Kürzel NMD (National Missile Defense) sollen auf die USA anfliegende Atomraketen noch in der Erdatmosphäre oder auf ihrer Bahn im Weltall zerstört werden. Dazu ist allerdings ein flächendeckendes Radarnetz zur Überwachung des Luftraums notwendig. Neben Satellitensensoren und den Stationen in den USA und Kanada, soll die Thule Air Base in Grönland einer der zentralen Spähposten sein – sehr zum Ärger der einheimischen Bevölkerung.

Radarstationen 
Radarstationen
© Thule Air Base  Radarstationen
Denn um das „Star Wars“-Programm zu ermöglichen, muss der Luftwaffenstützpunkt erneut vergrößert werden. Die US-Regierung um den amtierenden Präsidenten George W. Bush, Dänemark und Grönland haben sich bereits auf entsprechende Pläne verständigt. Die Belange der Inuit scheinen dabei allerdings keine ausreichende Berücksichtigung zu finden. Eine bescheidene finanzielle Entschädigung der dänischen Regierung ist ihnen bislang nicht genug für den Verlust ihres angestammten Lebensraumes. Entsprechend klagen einige der grönländischen Ureinwohner beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrecht in Straßburg gegen den dänischen Staat und verlangen dort eine Rückgabe des Territoriums. Bislang jedoch ohne Erfolg. Uussaqqak Quajaukitsoq, der seinen Stamm vor Gericht vertritt, bringt die Forderungen in der TAZ so auf den Punkt: „Militär kann man umsiedeln. Jagdgründe nicht.“

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