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Mittwoch, 08.02.2012
Mehr als drei Milliarden Bausteine
Dem Genom des Neandertalers auf der Spur

Schimpanse 
Schimpanse
© IMSI MasterClips
Zu fast 99 Prozent stimmen die menschlichen Erbinformationen mit denen des Schimpansen, unserem nächsten lebenden Verwandten, überein. Das haben Genanalysen - vorgestellt im September 2005 - ergeben. Bei über drei Milliarden Bausteinen pro Genom macht das indes immer noch über 35 Millionen Basenaustausche. Noch mehr ähneln sich jedoch vermutlich die Genome von Mensch und Neandertaler. Wissenschaftler schätzen, dass sie sich lediglich um vier Hundertstel Prozent unterscheiden.

Diese minimalen Differenzen aufspüren wollen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig innerhalb von zwei Jahren. Dazu müssen sie allerdings erst einmal die komplette Genausstattung des Neandertalers entschlüsseln und diese anschließend mit dem Erbgut von Schimpanse und Mensch vergleichen.

Die Forscher stehen vor einer Herkules-Aufgabe und einer technischen Herausforderung. Gleich zu Beginn des Projektes hatten die Paläogenetiker um Professor Svante Pääbo schon einige Hürden zu nehmen – und die begannen mit der Suche nach den geeigneten Knochen: Die Kroatische Akademie der Wissenschaften und Künste erklärte sich schließlich bereit, geeignete Proben zur Verfügung zu stellen und das Rheinische Landesmuseum in Bonn wird eine Probe aus dem rechten Oberarmknochen des Original-Neandertalers beisteuern. Hier ist das Knochenmaterial besonders dicht.

DNA-Verschmutzungen und Erbgut-Trümmer
 DNA
DNA
© MMCD
Um aus den zehntausende Jahre alten Gebeinen noch genug DNA-Schnipsel für ein vollständiges Genom zu isolieren, benötigen die Forscher sehr dichtes Material. Denn DNA zerfällt nach dem Tod zu Bruchstücken, die gerade mal 100 bis 200 Basenpaare lang sind. Bei den meisten alten Knochen finden Forscher mehr Erbgutspuren von Bakterien und Pilzen oder gar den Ausgräbern als vom längst verstorbenen Besitzer der Knochen selbst.

In mühevoller Kleinarbeit müssen die Wissenschaftler um Pääbo deshalb mit selbst entwickelten Methoden erst einmal die Authentizität der DNA ermitteln, bevor sie mit ihrem Puzzlespiel der Erbgut-Rekonstruktion beginnen und Mosaikstein für Mosaikstein zusammensetzen können. Echte Neandertaler-DNA ist in den Proben im Vergleich zur Bakterien-DNA sogar so selten, dass der „Ausschuss“ bei weitem überwiegt.

Pääbo betonte daher auf dem Neandertaler-Kongress „150 Years of Neanderthal Discoveries“ in Bonn, dass 70 Milliarden Genbausteine in den nächsten 24 Monaten zu entziffern sind, um auf die rund drei Milliarden Basenpaare des Neandertaler-Genoms zu kommen.

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