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Donnerstag, 09.02.2012
Direkter Vorfahr des Menschen…
…oder „Sackgasse“ der Evolution?

Neandertaler und moderner Mensch 
Neandertaler und moderner Mensch
© American Museum of Natural History, Ken Mowbray, Blaine Maley, Ian Tattersall, Gary Sawyer  Neandertaler und moderner Mensch
Wissenschaftlich noch immer nicht endgültig geklärt ist das Verwandtschaftsverhältnis von modernem Mensch und Neandertaler. War der Frühmensch tatsächlich ein direkter Vorfahr des Homo sapiens, wie die Anhänger der so genannten multiregionalen Hypothese zur Evolution des Menschen vermuten? Danach wäre der feingliedrige und leichte Homo sapiens mehrmals gleichzeitig in verschiedenen Teilen der Welt aus den regionalen Homo erectus-Nachfolgern – in Europa war das der Neandertaler – entstanden.

Oder haben doch die zahlreichen Verfechter der „Out of Africa“-Hypothese Recht? Sie gehen davon aus, dass der Homo sapiens nur einmal in der Evolution hervorgebracht wurde, und zwar in Afrika. Von dort aus begann dann nach neuesten Forschungsergebnissen aus dem Jahr 2007 vor rund 50.000 bis 60.000 Jahren sein Siegeszug um die Welt. Im Verbreitungsgebiet des Neandertalers kam es dadurch zu einer jahrtausendelangen Koexistenz der beiden menschlichen Spezies.

Während die beiden Wissenschaftlerfraktionen lange Zeit heftig darüber stritten, welche Theorie nun tatsächlich richtig ist, scheint sich seit der Einführung neuer Untersuchungsmethoden wie der DNA-Analyse die Waagschale eindeutig in Richtung „Out of Africa“-Hypothese zu neigen.

DNA-Vergleiche helfen weiter
Erste Erbgutvergleiche zwischen dem modernen Menschen und dem Neandertaler auf Basis der mitochondrialen DNA aus dem Jahr 1997 belegten, dass der Homo sapiens nicht aus dem Neandertaler hervorgegangen ist und es sich bei Letzterem vermutlich nur um einen Seitenzweig im Stammbaum des Menschen handelt.

 3D Rekonstruktion eines Neandertaler-Schädels
3D Rekonstruktion eines Neandertaler-Schädels
© Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie  3D Rekonstruktion eines Neandertaler-Schädels
Präzise Schädelvermessungen mithilfe von 3D-Techniken durch Wissenschaftler der Universität von New York im Januar 2004 brachten ein ähnliches Ergebnis. Neandertaler und Mensch unterscheiden sich danach so stark, dass sie eigenständige Arten repräsentieren, von denen die eine schließlich von der Erde verschwand.

„Diese Daten liefern den bis heute konkretesten Beweis dafür, dass der Neandertaler tatsächlich eine separate Art innerhalb der Gattung Homo ist“, beschreibt Katerina Harvati im Magazin Spiegel die Bedeutung ihrer Forschungsergebnisse.

„Früher glaubte man, bei dem Neandertaler handele es sich um eine Entwicklungsstufe zum modernen Menschen. Heute sehen Wissenschaftler in ihm jedoch eine europäische Sonderentwicklung, die wahrscheinlich in einer Sackgasse endete“, fasst der Paläontologe Professor Thomas Litt von der Universität Bonn den aktuellen Wissenstand zum Neandertaler zusammen.

Rätsel über Rätsel
 Jäger und Sammlerin
Jäger und Sammlerin
© Neanderthal Museum / C. Creutz  Jäger und Sammlerin
Ist damit das Rätsel um die Rolle des Neandertalers im Rahmen der Evolution des Menschen endgültig gelöst? Keineswegs, denn trotz der erdrückenden Indizienlage sind noch immer nicht alle Forscher von dieser verwandtschaftlichen Einordnung und damit auch der Richtigkeit der „Out of Africa“-Hypothese überzeugt. Umstritten ist bis heute zudem, ob sich Neandertaler und der frühe Homo sapiens im Rahmen der jahrtausendelangen Koexistenz in Europa vermischt haben und wenn ja, welchen Beitrag der Frühmensch dann zum Genpool des modernen Menschen geliefert hat.

Noch mehr fasziniert die Anthropologen jedoch die Frage, wie der moderne Mensch zu dem wurde, was er heute ist. Welche Veränderungen im Erbgut waren für den gewaltigen Sprung in seinen intellektuellen Fähigkeiten verantwortlich? Diese brennende Frage soll jetzt ein bahnbrechendes neues Projekt beantworten, das im August 2006 – pünktlich zum 150. Jahrestag des ersten Neandertalerfundes – angelaufen ist.

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