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Vor genau 150 Jahren, im August 1856, fanden zwei Steinbrucharbeiter im Neandertal bei Mettmann 16 ungewöhnlich geformte Knochen, die zu einer Weltsensation wurden. Zunächst noch für die Relikte eines längst ausgestorbenen Höhlenbären gehalten, erkannte der irische Geologe William King im Jahr 1863/64 ihre wahre Natur: Wie er feststellte, handelte es sich um die Überreste einer bis dahin unbekannten menschlichen Art.
Nach ihrem Fundort taufte King sie „Homo neanderthaliensis“. Seitdem wurden aus vielen Regionen Europas und Teilen Asiens immer wieder Neandertaler-Funde gemeldet. Die ältesten davon sind bis zu 400.000 Jahre alt, wie radiometrische Datierungen der Fossilien ergaben. Sie haben den Paläoanthropologen viele neue Erkenntnisse über das Aussehen und das Verhalten des Frühmenschen geliefert.
Pflegedienst statt Keulenschwingen
| |  | Frühmenschen © IMSI MasterClips | „Die Vorstellung vom gebückten Neandertaler mit der Keule ist eine Stereotype. Eine frühe Rekonstruktion seines Skeletts war einfach falsch, und für Keulen gibt es keinen einzigen Nachweis“, erläutert Professor Gerd Kaiser, Vorsitzender der Stiftung Neanderthal Museum.
Nach dem modernen Verständnis der Anthropologen war der Neandertaler sogar viel fortschrittlicher und leistungsfähiger als lange Zeit gedacht: Er benutzte bereits das Feuer, stellte aber auch Waffen her, hantierte mit Werkzeugen und trug wohl als erster Primat überhaupt eine schützende Kleidung. Und er hatte vermutlich auch schon eine „soziale Ader“. So fanden sich am Schädeldach eines 125.000 Jahre alten Fundes aus Kroatien Merkmale einer gut verheilten Kopfverletzung. Diese Wunde hätte der Frühmensch ohne Hilfe durch die Sippengenossen vermutlich nicht überlebt.
„Die Angehörigen des Neandertalers kümmerten sich um den verletzten Jäger und pflegten ihn wieder gesund“, erklärte der Archäologe Michael Baales vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) im Jahr 2006 anlässlich der Ausstellung „Leben in Extremen“ im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne. „Auch der Neandertaler war ein Gemeinschaftswesen, wie alle Menschen.“
Ein Konkurrent taucht auf
Noch im Dunklen tappen die Urmenschenforscher dagegen bei der Suche nach den Gründen für das Verschwinden des Neandertalers. „Er war sehr flexibel, körperlich wahrscheinlich sogar besser gerüstet als der Homo sapiens, der sich vor etwa 200.000 Jahren in Ostafrika entstand. Der Neandertaler hatte zudem ein größeres Hirnvolumen, konnte besser hören und sehen und war stärker“, beschreibt Baales wichtige Vorzüge des Frühmenschen.
 | | Neandertaler © Neanderthal Museum / M. Pietrek  | Trotzdem verliert sich seine Spur rund zehntausend Jahre nachdem sein großer Widersacher, der Homo sapiens, in Europa auftauchte. Immerhin ist mittlerweile ziemlich genau bekannt, wann die letzte Stunde des Neandertalers in Europa geschlagen hatte: vor 32.000 bis 33.000 Jahren. Dies hat jedenfalls ein internationales Forscherteam mithilfe von Radiokarbonmessungen im Jahr 2006 herausgefunden. Die Wissenschaftler um Erik Trinkaus, Professor für Anthropologie an der Washington Universität in St. Louis und Tom Higham sowie Christopher Bronk Ramsey vom Radiokarbon Laboratorium der Oxford Universität in England untersuchten damals zwei 1998 in der Vindija Höhle in Kroatien entdeckte Fossilienfunde.
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