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Freitag, 10.02.2012
Überblick
Das Wichtigste in Kürze

  • Individuelle Unterschiede im Sexualverhalten innerhalb eines Geschlechts sind weit verbreitet im Tierreich, aber die Ursachen dieser Variation sind bisher wenig erforscht – schon gar nicht an Vögeln.


  • Zebrafinken leben in sozialer Monogamie, das heißt ein Pärchen bleibt in der Regel ein Leben lang zusammen. Seitensprünge sind aber keine Seltenheit – mit entsprechenden Folgen. Was aber nicht für jeden Vogel gilt, manche sind auch ganz treu.


  • Den Biologen Wolfgang Forstmeier faszinieren die persönlichen Eigenarten der Zebrafinken aus einem ganz bestimmten Grund: Er möchte herausfinden, warum es diese individuelle Vielfalt an Verhaltensweisen gibt. Bringt es möglicherweise einen evolutionären Vorteil, anders zu sein als die anderen?


  • Forstmeier gehört zur Generation jener Wissenschaftler, die sich auf das beobachtbare Verhalten konzentrieren und unter dem Eindruck der Theorien von John Maynard Smith, William Hamilton und Robert Trivers nach dem Anpassungswert von Verhalten suchen.


  • Er erforscht unter anderem, welche Rolle die Mütter bei der Festlegung des Verhaltens spielen. So können Mütter ihren Nachkommen nichtgenetische Faktoren, wie etwa Sexualhormone, im Eidotter mitgeben und auf diese Weise den Verhaltenstypus beeinflussen. Die Wissenschaftler sprechen dann von maternalen (mütterlichen) Effekten.


  • Forstmeier benötigt kein aufwendiges Laborequipment, ihm genügen rund 800 Zebrafinken, einige Videokameras und ein paar Computer. Anhand des auf der Basis standardisierter Tests erstellten Video-Materials kann er den individuellen Verhaltenstypus eines Vogels erkennen. In weiteren Tests werden dann die Konkurrenzvorteile der einzelnen Verhaltenstypen beobachtet und ausgewertet.


  • Voraussetzung ist die individuelle Markeriung und Beobachtung der Tiere vom EI an. Aufgezogen werden sie in „Peer-Groups“, entweder gemischt geschlechtlich oder nur mit Angehörigen eines Geschlechts. Dann erst werden sie paarweise oder zu dritt zu Verhaltensversuchen in Einzelvolieren gesetzt und beobachtet.


  • Bringen zurückhaltende Eigenschaften bei einem Überschuss an Weibchen einen Vorteil, weil Männchen treuere Weibchen bevorzugen? Wenn das der Fall wäre, dann könnte es sich hierbei möglicherweise um eine Art „strategische Programmierung“ der Töchter durch ihre Mütter handeln. Dies will der Biologe in den kommenden Monaten testen.

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