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Freitag, 10.02.2012
Überblick
Das Wichtgste in Kürze

  • Die Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Methoden der Menschheit. Durch die Beobachtungen und Erfahrungen über viele Generationen hinweg fanden unsere Vorfahren schon heraus, welche Pflanzen bei welchen Leiden halfen und durch welche Dosierungen sich heilende von giftigen Wirkungen unterschieden.


  • Pflanzenwirkstoffe werden heute in vielen Bereichen der Heilkunde verwendet: Phytotherapie, Naturheilkunde, Homöopathie, alternative Heilverfahren. Doch auch pflanziliche Arzneimittel müssen nicht immer harmlos sein. Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten treten bei ihnen genauso auf wie auch bei chemisch hergestellten Wirkstoffen.


  • Hildegard von Bingen (1098-1179) wird gerne als die „erste deutsche Naturforscherin und Ärztin" bezeichnet. Die Äbtissin legte im Garten des Benediktinerinnenklosters Rupertsberg bereits einen Garten mit Nahrungs-, Gewürz- und Heilpflanzen an.


  • Im 19.Jahrhundert trat die Kräuterheilkunde, zumindest in Europa, durch den verstärkten Einsatz chemisch-synthetischer Arzneimittel merklich in den Hintergrund. Erst Ende des 19. Jahrhunderts gab es einen Trend zurück zur Natur, weg von den Mitteln der chemischen Industrie.


  • Nur die wenigsten Pflanzen sind bisher umfassend auf ihre chemische Zusammensetzung und ihren therapeutischen Nutzen untersucht.Ethnobotaniker besuchen Völker, die in Regionen mit einer besonders vielfältigen Pflanzenwelt, wie dem tropischen Regenwald, seit vielen Generationen heimisch sind und die Pflanzenwelt entsprechend gut kennen.


  • Eine klassische Strategie verfährt ein wenig nach dem „Gießkannen-Prinzip“: Innerhalb eines Areals mit großer Pflanzenvielfalt tragen Wisenschaftler und ihre Helfer zunächst wahllos Pflanzen zur Durchmusterung zusammen.


  • Doch es geht auch zielgerichteter: Beim stammesgeschichtlichen Ansatz suchen die Forscher neispielsweise nahe Verwandte solcher Pflanzen aus, die schon für medizinisch wirksame Inhaltstoffe bekannt sind. Alternativ wählen sie beim ökologischen Ansatz Arten aus, die in einem ganz bestimmten Lebensraum vorkommen oder bei denen Anzeichen dafür zu erkennen sind, dass ihre Inhaltstoffe auf Tiere wirken.


  • Haben Forscher auf diesen Wegen viel verprechende Pflanzen entdeckt, untersuchen sie diese in einem ersten Screening an Zellkulturen und Enzymsystemen auf mögliche Wirkungsbereiche.


  • Worauf die Heilwirkung bestimmter Pflanzen genau beruht, ist oft schwer zu sagen. Denn sie enthalten meist Gemische aus verschiedensten Substanzen, so dass es schwerfällt eine Wirkung eindeutig einem einzigen Inhaltsstoff zuzuweisen.


  • Der Ginkgo ist ein lebendes Fossil. Schon seit fast 300 Millionen Jahren gibt es ihn. Doch Ginkgosamen werden in China seit Jahrhunderten nicht nur als Delikatesse geschätzt, sondern auch als Heilmittel vor allem gegen Asthma, Husten, Reizblase, eitrige Schleimhautabsonderungen, Scheidenausfluss und Alkoholmissbrauch genutzt.


  • Heute gilt Cannabis zuallererst als Rauschmittel – zumindest in der algemeinen Wahrnehmung. Doch Hanf wird schon seit über 6.000 Jahren als Heilmittel genutzt. Das ursprünglich aus Zentralasienstammende Kraut galt nahezu als Allheilmittel.


  • Den Germanen, vor allem aber den Kelten, galt die Mistel als heilig. Sie war Kult-, Zauber- und Heilmittel zugleich. In einigen Teilen Deutschlands wurde die Mistel noch bis zum 19. Jahrhundert als Allheilmittel verwandt. Heute sollen Mistelpräparate unter anderem die Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie bei Krebspatienten vermindern.

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