Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Bachblüten, Homöopathie und Schulmedizin...
Einsatz von Pflanzenmitteln in verschiedenen Therapierichtungen

Pflanzenwirkstoffe werden heute in vielen Bereichen der Heilkunde verwendet: Phytotherapie, Naturheilkunde, Homöopathie, alternative Heilverfahren - die Begriffe gehen oft durcheinander. Gleichzeitig weckt die Anwendung von Heilpflanzen oft die Assoziation „sanfter", nicht ernst zu nehmender Medizin oder wird dem Bereich der Scharlatanerie zugeordnet. Doch auch pflanziliche Arzneimittel müssen nicht immer harmlos sein. Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten treten bei ihnen genauso auf wie auch bei chemisch hergestellten Wirkstoffen.

In der Schulmedizin
In immer mehr Arztpraxen der klassisch-naturwissenschaftlichen Medizin werden neben dem Einsatz von synthetischen Präparaten auch pflanzliche Arzneimittel verschrieben. Gerade im Hinblick auf die Ausbildung von Antibiotika-Resistenzen versucht man häufig zunächst, die Krankheit mit pflanzlichen Mitteln zu bekämpfen, bevor man zu der „chemischen Keule" greift. Auch wegen ihrer guten Verträglichkeit sind Phytotherapeutika gerade bei älteren Patienten zunehmend gefragt.

Die meisten Vertreter der modernen Phytotherapie möchten diese daher nicht von der Schulmedizin abgrenzen, sondern als gleichwertiges Therapieverfahren neben der Therapie mit synthetischen Arzneimitteln verstanden wissen. Phytopharmaka müssen wie jedes synthetische Arzneimittel auch den Anforderungen des Arzneimittelgesetzes hinsichtlich Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit entsprechen, um als Arzneimittel zugelassen zu werden.

In der Naturheilkunde
Die Naturheilkunde ist eine Therapieform, die alternativ zur Pharmakotherapie in der Schulmedizin als durchaus als naturwissenschaftlich anerkannte Behandlungsmethode gilt. Sie umfasst nicht nur die Behandlung mit Arzneimitteln, sondern setzt breiter an: Zu ihren Therapiemethodenn gehören neben physikalischen Reizen (Licht, Luft, Wärme, Kälte, Bewegung, Ruhe), und psychosoziale Einflussfaktoren (Gespräche, Beratung in Fragen der Lebensführung) vor allem pflanzliche und andere natürliche Arzneistoffe. Die Behandlung und Vorbeugung von Kranheiten geschieht hier unter Einsatz von meist naturbelassenen Heilmitteln, die aus der natürlichen Umwelt entnommen sind.

Homöopathie
Die am weitesten verbreitete Therapierichtung außerhalb der konventionellen Medizin ist die Homöopathie. Zwar ist diese auf Samuel Hahnemanns Lehren basierende Therapierichtung nach wie sehr umstritten, viele Ärzte arbeiten jeodch in der Praxisbereits erfolgreich mit homöopathischen Verfahren.

Die Homöopathie entstand vor mehr als 200 Jahren als Kontrast zur damals üblichen Pharmakotherapie, die im wesentlichen nur Langzeitgaben von Arsen, Quecksilber und Schwefel in hohen Dosierungen kannte. Samuel Hahnemann (1755 - 1843) dagegen verfolgte einen anderen Ansatz: Nach dem Prinzip „Ähnliches soll mit ähnlichem behandelt werden" verwendete er die Substanzen, die beim gesunden Menschen gerade die Symptome auslösten, die behandelt werden sollten, als Heilmittel. So wird beispielsweise Bienengift bei Gelenkschmerzen oder Thallium gegen Kahlheit verwendet. Und noch einen Unteschied zur klassischen Medizin hat seine Methode: In der Homöopathie gilt die geringste Dosierung als die Wirksamste.

Die Ursubstanzen oder - im Falle flüsser, häufig alkoholischer Drogenextrakte – Urtinkturen werden durch Verschütteln oder Verreiben so lange verdünnt, bis aus ihnen die so genannten „Potenzen", die wirksamen Verdünnungsstufen entstehen. Im Extremfall werden dabei sogar Verdünnungen erreicht, in denen chemisch kein Molekül des ursprünglichen Stoffes mehr nachweisbar ist. Doch, so der Glaube der Homöpathen, die „Essenz“ der Substanz ist durch das Schütteln auf das Lösungsmittel übergegangen.

Aromatherapie
Bei der Aromatherapie werden Massagen, Bäder, Gesichtskompressen und Inhalationen mit Geruchsstoffen von Pflanzen - meist in Form ätherischer Öle - unter der Vorstellung eingesetzt, dass deren metaphysischen Kräfte auf den Menschen übertragen werden. Eine olfaktorsich vermittelte Wirksamkeit ist jedoch nur für einige ätherische Öle nachgewiesen.

Bachblüten
Die Bach-Blütentherapie wurde vor rund 55 Jahren von dem englischen Arzt, Dr. Edward Bach, entwickelt und ist seitdem vor allem in den angelsächsischen Ländern angesehen und verbreitet. Bei den "Bach-Blüten" handelt es sich um wässrige Auszüge von 38 wildwachsenden, nicht giftigen Pflanzen und Bäumen, wie Eiche, Ulme, Geißblatt. Sie werden noch heute an den von Dr. Bach festgelegten englischen Fundorten in freier Natur gesammelt. Bachblütenanhänger glauben, dass diese Pflanzen mit 38 möglichen Seelenzuständen der menschlichen Natur korrespondieren. Die wässrigen Blüten-Auszüge werden mit Alkohol konserviert und als Konzentrate in sog. "stockbottles" abgefüllt. Diese Konzentrate, bzw. deren Mischungen werden in der Apotheke auf Einnahmestärke verdünnt, wobei - wie von Dr. Bach vorgeschrieben - ein mit Quellwasser verdünnter Alkohol verwendet wird.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Medizinpflanzen
Facts
Überblick
Das Wichtgste in Kürze
Artikel zum Thema
Pflanzenmedizin
Arzneimittel aus der „Apotheke“ der Natur
Rückgriff auf altes Wissen
Ethnobotaniker auf der Suche
Von Shen Nung bis Kneipp
Die Anfänge der Pflanzenheilkunde
Sammeln, testen, schlucken?
Von der Pflanze zum Arzneimittel
Die Dosis macht das Gift
Inhaltsstoffe: Ätherische Öle und Alkaloide
Bitter, schleimig, aber hilfreich
Saponine, Gerb- und Bitterstoffe
Zum Beispiel: Gingko
Siegeszug eines lebenden Fossils
Zum Beispiel: Cannabis
Cannabis gegen Grünen Star, Herpes und Depressionen?
Zum Beispiel: Mistel
Mit Misteltherapie gegen Krebs
Wirkstoffe in Lebensmitteln
Vorbeugen durch gesunde Ernährung
Blatt oder Rinde, Kräutertee oder Tinktur?
Zubereitungen der Heilpflanzen
Bachblüten, Homöopathie und Schulmedizin...
Einsatz von Pflanzenmitteln in verschiedenen Therapierichtungen
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen