Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Zum Beispiel: Mistel
Mit Misteltherapie gegen Krebs

Den Germanen, vor allem aber den Kelten, galt die Mistel als heilig. Sie war Kult-, Zauber- und Heilmittel zugleich. Wohl jedem, der die Asterix-Hefte gelesen hat, ist noch der Druide Miraculix in Erinnerung, der auf einem Baum sitzend Misteln sammelt, um daraus seine Zaubertränke zu brauen. Er – und seine realen Vorbilder in der Antike und im Mittelalter - behandelten verschiedenste Krankheiten mit der Mistel: Epilepsie, Brustenge sowie Fruchtbarkeits- und Geburtsstörungen. In einigen Teilen Deutschlands wurde die Mistel noch bis zum 19. Jahrhundert als Allheilmittel verwandt.

 Mistel in Pflanzenbuch
Mistel in Pflanzenbuch
© IMSI MAsterClips  Mistel in Pflanzenbuch
„Krebsgeschwulst“ auf gesundem Baum
Anfang der zwanziger Jahre beschrieb der Anthroposoph Rudolf Steiner die Mistel erstmals im Rahmen seiner anthroposophischen Pflanzensignaturen als möglicherweise für die Behandlung menschlicher Krebserkrankungen geeignet. Grundlage war die eigenartige Botanik der Mistel, die ihr in der Pflanzenwelt eine Sonderrolle zuschrieb: Die Mistel wird als eine Art Krebsgeschwulst auf dem gesunden "Organ" Baum gesehen. Denn sie wächst als Halbschmarotzer auf dem Baum, der zar selbst Photosynthese durchführt, aber Mineralstoffe und Wasser aus dem Wirtsbaum in sich aufnimmt. Im Gegensatz zur übrigen Pflanzenwelt bildet sie ihre Früchte im Winter.

Erste tierexperimentelle Versuche zur Wirksamkeit der Mistel führten Forscher schon im Jahr 1938 durch. Mit überzeugendem Ergebnis: 188 von 282 mit Krebs infizierten Mäusen, denen zehn bis 20 Tage lang Mistelextrakte injiziert wurden, reagierten deutlich positiv, 39 wurden sogar völlig geheilt.

Als wichtigste Inhaltstoffe der Mistel gelten die zu den Glykoproteinen gehörenden Lektine und das Polypeptid Visotoxin. Dabei wird den Lektinen eine aktivierende Wirkung auf das Immunsystem zugesprochen, während das Visotoxin zellteilungshemmend, also wie ein mildes Zellgift wirkt. Bei der Aktivierung des Immunsystems spielen außerdem auch weitere Inhaltstoffe der Mistel wie die Aminosäure Arginin, pflanzliche Poly- und Oligosaccharide, Flavonoide sowie ein recht hoher Anteil an Vitamin C eine Rolle.

Ziel: Stimulierung des Immunsystems
Bei der Krebstherapie mit Mistelextrakten geht es meist nicht unbedingt darum, dass die Tumorzellen durch die Mistelinhaltsstoffe abgetötet werden, sondern die Mediziner und Patienten hoffen hier vor allem auf die immunstimmulierende Wirkung. Ziel der Misteltherapie ist es, unter anderem auch, eine erhöhte Körpertemperatur zu erzeugen, da dann das Immunsystem auf Hochtouren arbeitet, also viele Antikörper bildet. Der Körper wird angeregt sich selbst zu heilen.

Die Misteltherapie wird meist nicht alternativ sondern ergänzend zu den bestehenden Krebstherapien, wie beispielsweise Operation, Bestrahlung und Chemotherapie durchgeführt. Mistelpräparate sollen unter anderem die Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie vermindern. Zahlreiche Patienten berichten, dass sich durch Einnahme von Mistelextrakten ihr Allgemeinbefinden verbesserte: ihr Appetit steigerte sich, entsprechende Gewichstzunahme und ein gesteigertes Leistungsvermögen folgten, sie waren besserer Stimmung und klagten weniger über Schlafstörungen.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Medizinpflanzen
Facts
Überblick
Das Wichtgste in Kürze
Artikel zum Thema
Pflanzenmedizin
Arzneimittel aus der „Apotheke“ der Natur
Rückgriff auf altes Wissen
Ethnobotaniker auf der Suche
Von Shen Nung bis Kneipp
Die Anfänge der Pflanzenheilkunde
Sammeln, testen, schlucken?
Von der Pflanze zum Arzneimittel
Die Dosis macht das Gift
Inhaltsstoffe: Ätherische Öle und Alkaloide
Bitter, schleimig, aber hilfreich
Saponine, Gerb- und Bitterstoffe
Zum Beispiel: Gingko
Siegeszug eines lebenden Fossils
Zum Beispiel: Cannabis
Cannabis gegen Grünen Star, Herpes und Depressionen?
Zum Beispiel: Mistel
Mit Misteltherapie gegen Krebs
Wirkstoffe in Lebensmitteln
Vorbeugen durch gesunde Ernährung
Blatt oder Rinde, Kräutertee oder Tinktur?
Zubereitungen der Heilpflanzen
Bachblüten, Homöopathie und Schulmedizin...
Einsatz von Pflanzenmitteln in verschiedenen Therapierichtungen
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen