Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 09.02.2012
Doppeltes Gen auf dem Y-Chromosom
Warum kommt es zu keiner Vermischung der Völker?

Allerdings gibt es auch Beispiele, dass solche unterschiedlichen sozio-kulturellen Faktoren einer Vermischung nicht entgegenstehen müssen. Spielt also die Lebensweise doch keine Rolle, wenn es um den intensiven Kontakt zwischen Einwanderern und Ansässigen geht? „Im Fall der Kalmücken glaube ich das schon“, sagt Ivan Nasidze. Und er zieht noch ein Ass aus dem Ärmel, das die These stützt: das Mongolen-Gen.

Isolation der DNA 
Isolation der DNA
© MMCD  Isolation der DNA
An einem Genort auf dem Y-Chromosom, DYS19, kam es irgendwann zu einer Verdopplung dieses DNA-Abschnitts, der typisch für das Genom der Mongolen ist. Bei keinem Volk der Erde kommt es so häufig vor wie bei den Bewohnern Zentralasiens. Die Kalmücken tragen es sogar noch häufiger als die Bewohner ihrer Ursprungsregion. Die Russen tragen es nicht. Aber bei einem anderen Nachbarvolk findet sich das doppelte Gen von DYS19: bei den Kasachen.

Genau wie die Kalmücken waren auch die Kasachen einst Nomaden und die Mehrheit der Bevölkerung ist buddhistisch. Sie sprechen zwar eine türkische Sprache, in der finden sich aber auch vereinzelt Worte mongolischen Ursprungs. Offenbar haben Männer und Frauen auf beiden Seiten in der Vergangenheit immer wieder genug Gemeinsamkeiten gefunden, um eine gemeinsame Zukunft zu starten. Das Mongolen-Gen ist der Beweis.

Dass Russen und Kalmücken nicht zusammengefunden haben, könnte – neben der gegensätzlichen Lebensweise – auch noch einen weiteren Grund haben: Es gab keine Notwendigkeit, weil die Gruppe der Kalmücken von Anfang an so groß war, dass es immer genug Auswahl für Partnerschaften gab, um unter sich zu bleiben. Das schließt Nasidze aus den Gendaten. „Es fehlt der für Auswanderungen typische Flaschenhals in der Vielfalt des Genmusters“, sagt er. Die genetische Variabilität bei den Kalmücken ist so groß wie die der heutigen Mongolen.

Normalerweise geht ein Teil der genetischen Diversität verloren, wenn sich eine kleine Gruppe von Menschen absondert und zur Gründerpopulation eines neuen Volkes wird. So war es bei der Besiedlung Polynesiens und auch bei den ersten Amerikanern. „Die Auswanderergruppe der Kalmücken hatte offenbar die gesamte genetische Bandbreite mit im Gepäck“, sagte Mark Stoneking.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Genetik
Frühmenschen
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Gene auf Wanderschaft
Was verrät unser Erbgut über die Migration des Menschen?
Rätsel des Ursprungs
Gene als Fenster in die Vergangenheit
Speichelproben für die Wissenschaft
Genanalyse deckt Wanderungen auf
Auf den Wellen von Insel zu Insel
Das Rätsel der Besiedlung Polynesiens
Sprachenmix im Schmelztiegel
Von Kalmücken, Russen und der Mongolei
Doppeltes Gen auf dem Y-Chromosom
Warum kommt es zu keiner Vermischung der Völker?
Ein Archiv der menschlichen Vielfalt
Genproben rund um den Globus
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen