Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Soja statt Savannen
Landwirtschaft als Feind des Pantanals

Wer kennt sie nicht, die alten Western-Filme mit Richard Widmark oder John Wayne, in denen weiße Siedler von Indianern angegriffen werden. Als letzte Maßnahme fahren die Cowboys ihre Wagen zu einer Burg zusammen und versuchen so die Angreifer abzuwehren und ihr Leben zu retten.

Intakte Waldgebiete 
Intakte Waldgebiete
© Explore Pantanal  Intakte Waldgebiete
Ein ähnliches Szenario spielt sich zurzeit auch am Pantanal ab. Die Guten sind hier die Tiere und Pflanzen des größten Süßwasserfeuchtgebietes der Erde, die Bösen natürlich die Menschen, die dieses Naturidyll längst „umzingelt“ haben. Vor allem die immer stärker wachsende und im großen Maßstab betriebene Landwirtschaft bedroht das Unesco-Weltnaturerbe.

„Im Einzugsgebiet des Pantanals werden immer mehr Soja und Ethanol für die Märkte in Europa und Nordamerika produziert - auf Kosten unserer einzigartigen Natur", beschreibt Adalberto Eberhard, Gründer der brasilianischen Naturschutzorganisation Ecotropica im Januar 2007 die Situation vor Ort. So weit das Auge reicht überziehen heute Plantagen die hochgelegenen Regionen, die so genannten Cerrados. Dafür wurde der dort natürlich wachsende Wald in großem Maßstab abgeholzt.

Der Grundbesitz in den brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso und Mato Grosso do Sul zu denen auch große Teile des Pantanals gehören, ist zudem mittlerweile in der Hand von wenigen Großgrundbesitzern, die die früher dort beheimateten Kleinbauern verdrängt haben.

Strukturwandel schafft Probleme
 Ara und Rind
Ara und Rind
© Bill Clark  Ara und Rind
„Traditionelle Pantanal-Erzeugnisse wie Rinder oder Fisch sind heute auf dem Markt nicht mehr konkurrenzfähig. Die Farmer und Viehzüchter verkaufen deshalb ihr Land an Außenstehende und großflächig betriebene Landwirtschaft hält Einzug in den Hochländern rund um das Pantanal. In den meisten Fällen, wissen diese Newcomer nicht, wie man das Land auf nachhaltige, umweltschonende Weise bewirtschaftet.“, beschreibt der Direktor der Pantanal Regional Environment Programme der United Nations (UN) University, Paulo Teixeira de Sousa den Strukturwandel in der Region.

Nicht zuletzt durch die stark steigende Produktion im Mato Grosso hat Brasilien mittlerweile längst die USA als weltgrößter Exporteur von Sojabohnen überholt. Weit über 50 Millionen Tonnen wirft das größte Land Südamerikas jährlich auf den Weltmarkt.

Soja 
Soja
© USDA
Ein Teil des geernteten Sojas und des aus dem Zuckerrohr gewonnenen Ethanols wird in Brasilien selbst verbraucht. Doch der größte Batzen ist für den Export nach Europa und Nordamerika bestimmt. Dort dient Alkohol dazu, den steigenden Hunger nach umweltfreundlichem Biotreibstoff zu befriedigen – auch oder gerade in Deutschland.

Das Soja dagegen bringt unsere heimische Wirtschaft gleich doppelt in Schwung: Es wird bei uns zu Biodiesel verarbeitet und füllt so die Tanks von Traktoren, Lkws oder Pkws. Oder es dient anstelle des seit der BSE-Krise verpönten Tiermehls als Eiweißersatz im Tierfutter.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Pantanal
Von der Arche Noah zum Auslaufmodell
Verwandlungskünstler Pantanal
Beständiger Wechsel zwischen nass und trocken
El Dorado für Tiere und Pflanzen
Exotische Vielfalt im Feuchtgebiet
Eine Autobahn für Wasser
Das Hidrovia-Projekt
Hochwasser ohne Ende
Kanalbau ade?
Soja statt Savannen
Landwirtschaft als Feind des Pantanals
Totengräber des Pantanals?
Soja- und Zuckerrohranbau vergiften Pantanal-Flüsse
Erosion vermindert Artenvielfalt
Abholzung und seine Folgen
Rinder und Reis als Problemfälle
Ökologische Vielfalt im Pantanal unter Druck
Region ohne Zukunft?
Ein Fazit
Letzte Rettung Ökotourismus
Auf der Suche nach zahlungskräftigen Urlaubern
Erlebnis Pantanal
Unterwegs Off-Road mit Explore Pantanal
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen