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Freitag, 10.02.2012
El Dorado für Tiere und Pflanzen
Exotische Vielfalt im Feuchtgebiet

Jaguar 
Jaguar
© Explore Pantanal  Jaguar
Weit über 600 Vogelarten, 265 verschiedene Fische, 123 Säugetierspezies, dazu unzählige Reptilien oder Amphibien und nicht zuletzt fast 2.000 verschiedene Pflanzenarten: Das Pantanal gilt unter Einheimischen, aber auch bei Wissenschaftlern und Naturschützern als moderne Arche Noah, als real existierender „Garten Eden“.

In dem gewaltigen Feuchtgebiet gibt es sie noch: die „Auslaufmodelle“ der Evolution, die durch den menschlichen Einfluss, die Wilderei und die Beschneidung ihres Lebensraumes anderswo auf der Welt längst an den Rand des Aussterbens gebracht worden sind.

Jaguar und Puma durchstreifen auf der Suche nach Beute die Wälder und Savannen. In den Baumwipfeln tummeln sich Scharen von seltenen Vögeln. Brüll- und Kapuzineraffen turnen von Ast zu Ast und Brillenkaimane lauern in den Sümpfen und Lagunen auf Opfer oder halten ein Nickerchen. Rund 3,5 Millionen Exemplare dieser Urzeitechsen gibt es im Pantanal – so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt.

Rekordpreise für seltene Papageien
 Hyazinth-Ara
Hyazinth-Ara
© Bill Clark  Hyazinth-Ara
Doch damit nicht genug: Eine der wichtigsten Attraktionen des Feuchtgebietes sind die Hyazinth-Aras. Die bis zu einem Meter langen und 1,5 Kilogramm schweren und damit größten aller Papageien lebten früher in fast allen Waldgebieten Brasiliens. Aufgrund ihres auffälligen kobaltblauen Gefieders sind sie seit eh und je bei Züchtern und angeblichen Vogelliebhabern äußerst begehrt.

Auf dem Schwarzmarkt bringen die streng geschützten Tiere mit dem gewaltigen Krummschnabel angeblich Preise von bis zu 40.000 Euro. Ergebnis: Ihre Bestände sind in freier Natur rapide zusammengeschrumpft. Gerade mal ein paar tausend Tiere gibt es noch weltweit, die meisten davon im Pantanal.

Dazu kommen Anakondas – mit bis zu zehn Meter Länge die größten Würgeschlangen der Welt -, Wasserschweine, Pekaris, Riesenotter, Piranhas, bunt schillernde Schmetterlinge und faustgroße Libellen, die alle dort ein letztes Rückzugsgebiet gefunden haben.

Detektivarbeit im Tropenparadies
 Ameisenbär
Ameisenbär
© Explore Pantanal  Ameisenbär
Obwohl noch immer regelmäßig neue Spezies im Pantanal entdeckt werden, ist das Feuchtgebiet, was die Artenvielfalt angeht, längst kein Buch mit sieben Siegeln mehr. Wichtige Pionierarbeit bei der Erforschung des tropischen Lebensraumes haben deutsche und brasilianische Wissenschaftler innerhalb des so genannten SHIFT-Programms geleistet. SHIFT steht für „Untersuchungen des menschlichen Einflusses auf Wälder und Überschwemmungsgebiete in den Tropen” und wurde bereits im Jahr 1989 gestartet.

Eines der wissenschaftlichen Highlights von SHIFT war das Pantanal-Ökologie-Projekt (PEP), in dem zahlreiche Wissenschaftler unter anderem vom Max-Planck-Institut für Limnologie in Plön und von den Universitäten Tübingen und Bayreuth mitgewirkt haben.

Grundlagenforschung mit PEP
„Verglichen mit den Várzea-Überschwemmungsgebieten in Zentralamazonien wussten wir über die grundlegenden ökologischen Zusammenhänge im Pantanal wenig bis gar nichts“, beschreibt Max-Planck-Forscher Wolfgang Junk die Situation im Forschungsbericht „Forschung für den Regenwald“ aus dem Jahr 2001. „Es gab keine wirklich umfassenden Untersuchungen. Wir mussten praktisch bei Null anfangen“.

Die Forscher kartierten deshalb unter anderem Pflanzengesellschaften, erstellten eine vegetationskundliche Karte und bestimmten die chemischen und physikalischen Eigenschaften von Gewässern oder die in ihnen ablaufenden ökologischen Prozesse. „Es ist faszinierend zu beobachten, mit welcher Geschwindigkeit die Biomasse der Wassertiere und –pflanzen von den ihnen entsprechenden landlebenden Organismen aufgenommen wird, und umgekehrt“, nennt Karl Matthias Wantzen, ebenfalls vom Plöner Max-Planck-Institut, eines der vielen spannenden Ergebnisse der Forschung im riesigen Freilandlabor Pantanal.

Heute, nach mehr als zehn Jahren Arbeit, sind viele Rätsel um die Funktionsmechanismen der verschiedenen Ökosysteme, die Räuber- und Beutebeziehungen oder den fein abgestimmten Wandel der Fauna und Flora zwischen Trocken- und Regenzeit gelöst.

Dafür gibt es jetzt ganz andere Probleme in der abgelegen Region am Fuß der Anden.

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