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Freitag, 10.02.2012
Verwandlungskünstler Pantanal
Beständiger Wechsel zwischen nass und trocken

Trockenes Pantanal 
Trockenes Pantanal
© Bill Clark  Trockenes Pantanal
Das Pantanal irgendwann zwischen Juli und September: Warm, trocken und manchmal sogar richtig staubig ist es im Herzen des südamerikanischen Kontinents nahe dem Dreiländereck Brasilien, Paraguay und Bolivien. Vor Millionen von Jahren jedoch, in der Ära der Dinosaurier, war die rund 230.000 Quadratkilometer große Ebene noch Teil eines gewaltigen Binnenmeeres.

Heute dagegen gibt es hier riesige Graslandschaften, auf denen Kühe und Rinder zusammen mit wilden Tieren weiden. Sie werden abgelöst von Trocken- und Regenwäldern, Dschungel oder Steppengebieten. An den Wasserlöchern und Tümpeln sammeln sich Jaguare, Pekaris, Ameisenbären und viele verschiedene Vögel um zu trinken oder nach Beute zu jagen.

Sattes Grün leuchtet vor allem um den Rio Paraguay und seine 175 Nebenflüsse, die im Hochland entspringen und dann das Pantanal wie Lebensadern durchziehen. Auffällig sind auch die wie mit Kreide gezogenen Linien der wenigen Straßen, die vom Flugzeug aus gut erkennbar sind. Eine einzigartige Naturidylle und ein außergewöhnlicher Mix verschiedenster Landschaften und Ökosysteme? Ja. Aber dies soll das größte Feuchtgebiet der Erde sein?

Fische schwimmen über Land
 Pantanal in Bolivien
Pantanal in Bolivien
© IMSI MasterClips  Pantanal in Bolivien
Szenenwechsel. Nur wenige Monate später, im März. Gegen Ende der Regenzeit hat sich das Aussehen des Pantanals, das größer ist als Griechenland und Irland zusammengenommen, völlig verändert. Die Flüsse können die Regenmassen, die dort und in den umliegenden Bergketten fallen, längst nicht mehr bändigen und sind über die Ufer getreten. Bis auf 60 Kilometer breit haben sie sich ausgedehnt.

Auch metertiefe Seen, Sümpfe und Lagunen überziehen jetzt rund zwei Drittel des Gebietes und verwandeln das Pantanal in ein überdimensionales Aquarium. Heraus ragen nur grüne und gelbe Hügellandschaften, höhergelegene Wälder und natürlich die auf Warften gebauten Farmhäuser der Einheimischen.

Fische schwimmen über ehemals trockenen Boden, Wasserhyazinthen breiten sich explosionsartig aus und bedecken schnell riesige Flächen. Die Landtiere dagegen haben sich in höher gelegene Regionen gerettet oder sind in den Wassermassen umgekommen. So wie im Jahr 1988, als die Überschwemmung des Pantanals besonders drastisch ausfiel und rund 800.000 Rinder in den Fluten ertranken.

Flutpuls als Lebensgrundlage
Die Tier- und Pflanzenwelt des Pantanals hat sich im Laufe der Evolution perfekt an die regelmäßigen Überflutungen angepasst. Die Natur schöpft daraus sogar neue „Energie“. Denn jährlich werden durch die Wassermassen viele Millionen Tonnen an nährstoffreichen Sedimenten in der Region abgelagert. Sie dienen beispielsweise als Dünger für die Pflanzen oder als willkommene Beute für die zahlreichen Fische und wirbellosen Tiere in den Gewässern.

Doch warum wird das Pantanal Jahr für Jahr zu einer einzigartigen Wasserwelt? Einer der Gründe für den Wasserstau ist das geringe Gefälle des einzigen Flusses, des Paraguay, der das Feuchtgebiet Richtung Süden verlässt. Es gibt aber auch mächtige natürliche Felsbarrieren in den Fließgewässern, die sich dem Wasser entgegenstellen. Sie halten die Fluten auf und drängen sie in die angrenzenden flachen Ebenen und Graslandschaften ab.

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