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Freitag, 10.02.2012
Saurer Regen als Baumkiller?
Ursachen von Waldschäden

Tote Fichten 
Tote Fichten
© PixelQuelle.de
Viele Forscher sind heute davon überzeugt, dass ein Mix aus menschengemachten und natürlichen Faktoren wie Insektenbefall – speziell Borkenkäfer - oder Trockenheit zu den beobachteten Waldschäden führt.

Schwefeldioxid und Stickoxide wie Lachgas (N2O) oder Stickstoffdioxid (NO2) standen schon früh im Verdacht massive Erkrankungen an Bäumen auszulösen. Wichtigste Produzenten der Gase und Stäube sind Kraftwerke, Industriebetriebe oder der Verkehr. Obwohl die Schadstoffemissionen in den letzten drei Jahrzehnten durch moderne Filter- und Umweltschutztechnik zum Teil drastisch reduziert wurden, kann in Bezug auf die Luftschadstoffe noch keine Entwarnung gegeben werden.

Besonders gefährlich wird es für den Wald dann, wenn Schwefeldioxid und NO-Verbindungen in Wolken mit Wassermolekülen in Kontakt kommen. Denn dann entstehen stark ätzende Schwefel- und Salpetersäuren, die den Regen sauer machen. Während der pH-Wert von unbelastetem Regen bei 5,6 liegt, haben Forscher im Freiland oft Werte zwischen 4,0 und 4,5 gemessen. Wenn dieser saure Regen zu Boden fällt, kann er einerseits Blätter und Nadeln massiv schädigen, er senkt aber auch den pH-Wert von Waldböden und Grundwasser erheblich ab.

 Kiefernadeln mit Wassertropfen
Kiefernadeln mit Wassertropfen
© PixelQuelle.de
Auf den Blättern oder Nadeln der Bäume sorgt der saure Regen unter anderem dafür, dass sich die wasserundurchlässige Wachsschicht auflöst oder porös wird. Vor allem bei großer Hitze oder Trockenheit sind die Bäume dann nicht mehr in der Lage ihre Wasserabgabe zu kontrollieren und verdunsten "ohne Ende". Durch chemische Reaktionen werden darüber hinaus wichtige Nährstoffe wie Magnesium oder Calcium aus den Blättern herausgespült. Folge: Wichtige Stoffwechselprozesse in den Zellen kommen zum Erliegen.

Schwefeldioxid und Stickoxide können aber auch mit der Luft über die Spaltöffnungen direkt in die Blätter eindringen und dort die chemischen Prozesse durch eine Absenkung des pH-Wertes stören. Dadurch wird Chlorophyll zerstört, Blätter und Nadeln vergilben und das Wachstumstempo der Bäume sinkt.

Weniger Wurzelhaare, mehr Ionen
Durch die Bodenversauerung geht – wie Wissenschaftler festgestellt haben – die Anzahl der winzigen Wurzelhärchen zurück, die unter anderem für die Aufnahme von Wasser verantwortlich sind. Bei einem niedrigen pH-Wert sterben aber auch Bodenlebewesen wie Bakterien, Pilzen, Insekten ab. Sie sorgen normalerweise für eine gute Durchlüftung und Durchmischung des Bodens. Den Bäumen fehlen durch den Massenexitus unter den Mikroben deshalb lebenswichtige Mineralien, die diese Organismen normalerweise produzieren.

Eine weiteres gravierendes Problem der Bodenversauerung: Es werden vermehrt Aluminiumionen freigesetzt. Diese vergiften dann die so genannten Mykorrhiza-Pilze, die mit Baumwurzeln in Symbiose leben und für die Nährstoffversorgung wichtig sind.

Um die Bodenversauerung in den Wäldern zu bekämpfen, sind in den letzten Jahrzehnten in vielen Regionen immer wieder Kalkungen vorgenommen worden. Eine Maßnahme, die nicht unumstritten ist. Denn wie Wissenschaftler festgestellt haben, wird dadurch zwar der pH-Wert des Bodens erhöht, Probleme aber gibt es in der Bodenschicht unterhalb des Kalkes. Dort ermittelten die Bodenkundler im Sickerwasser deutlich erhöhte Nitrat- und Schwermetallwerte…

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