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Freitag, 10.02.2012
Klimawandel baut Wälder um
Erste Maßnahmen zur Anpassung an Trockenheit und Hitze

Totholz im Buchenwald 
Totholz im Buchenwald
© Andreas Heitkamp
„Die nachhaltige Forstwirtschaft muss frühzeitig die Risiken und Chancen des Klimawandels in das Waldmanagement einbeziehen. So wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit der Wasserhaushalt einiger Waldböden deutlich verändern. Damit ändert sich auch die Konkurrenzfähigkeit der dort wachsenden Baumarten. Der Waldbesitzer muss heute die Baumarten auswählen, die sich übermorgen bewähren sollen“, sagte NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg am 29. November 2006 bei der Vorstellung des Waldschadensberichtes 2006 im Düsseldorfer Landtag.

Als Grundlage für die Entscheidung reichen aus seiner Sicht die vorhandenen großräumigen Klimamodelle allerdings nicht aus: „Wir müssen die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Wälder örtlich differenziert darstellen. Ich habe Untersuchungen mit dem Ziel in Auftrag gegeben, dass die Forstbetriebe frühzeitig die Wirkungen des Klimawandels auf den einzelnen Waldbestand erkennen und ihre Bewirtschaftungsmaßnahmen darauf abstimmen können. Ergebnisse hierzu erwarte ich im Frühjahr nächsten Jahres.“

Die Politiker haben – so scheint es – die Zeichen der Zeit erkannt und beginnen nach Strategien für eine Anpassung des Waldes an den Klimawandel zu suchen. Denn auch der Bayerische Landwirtschafts- und Forstminister Josef Miller hat Maßnahmen angekündigt, um die rund fünf Milliarden Bäume in seinem Bundesland beispielsweise im Bayerischen Wald, dem Spessart oder im Bergwald der Alpen fit zu machen für die Zukunft.

Geld und gute Ratschläge
 Wald in den Alpen
Wald in den Alpen
© Harald Frater  Wald in den Alpen
Um dieses Ziel zu erreichen, stellt Miller in den nächsten beiden Jahren zusätzliche Finanzmittel in Höhe von 23 Millionen Euro bereit. Geplant sind aber auch „wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für Waldbesitzer“ zur Neugestaltung der Waldgebiete. Miller fordert beispielsweise den verstärkten Anbau wärme- und trockentoleranter Baumarten wie Eiche und Buche.

Im Auftrag des Ministers hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zudem ein Notfallkonzept für den Waldumbau in der von Waldschäden besonders betroffenen Region Mittelfranken entwickelt. Es soll Förster und betroffene Waldbesitzer dabei unterstützen „individuelle, an die jeweilige Situation angepasste Lösungen für den Aufbau stabiler Mischwälder zu erarbeiten. Hierzu werden verschiedene Baumartenkombinationen für unterschiedlichste Ausgangssituationen vorgeschlagen“, so das Bayerische Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten am 17. November 2006.

Neben Eiche und Buche sollen dabei auch Esche, Ahorn und Kirsche in den „neuen“ Wäldern eine größere Rolle spielen als bisher. Langfristig soll aber nicht nur Mittelfranken einer Radikalkur in Sachen Waldumbau unterzogen werden sondern auch die übrigen Regionen Bayerns.

Viele offene Fragen
CO2-Emittent Kraftwerk 
CO2-Emittent Kraftwerk
© BMU/H.G.Oed
Während in den Wäldern schon erste Maßnahmen gegen den Klimawandel ergriffen werden, versuchen Wissenschaftler weiteren Auswirkungen des Treibhauseffekts und der daraus resultierenden globalen Erwärmung auf die Spur zu kommen. So ist beispielsweise bisher nicht endgültig geklärt, ob Bäume in Zukunft noch schneller wachsen, wenn die CO2-Konzentration in der Atmosphäre wie befürchtet weiter steigt.

Neue Forschungsergebnisse von Pflanzenökologen der Universität Basel scheinen dies eher in Frage zu stellen. Danach lässt ein mehr an Kohlendioxid die Bäume eher „kalt“. Nach vier Jahren künstlicher CO2-Erhöhung in einem Versuchsgebiet mit einem naturnahen Waldbestand ermittelten die Wissenschaftler jedenfalls keinerlei Wachstumsförderung. Wie die Forscher im Wissenschaftsmagazin Science berichten, deuten die Befunde an 35 Meter hohen, fast hundertjährigen Bäumen aber auf eine CO2-Sättigung unserer Wälder hin.

Noch nicht im Detail bekannt ist zudem, welche Folgen beispielsweise die prognostizierten milderen Winter auf den Waldzustand haben werden. Die höheren Temperaturen zwischen November und März könnten künftig dafür sorgen, dass Bäume noch früher austreiben und blühen als bisher. Überraschend auftretende Spätfröste würden dann zum Erfrieren der Blätter oder Blüten führen und dadurch die natürliche Verjüngung des Waldes massiv behindern.

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