Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Klimawandel als Gefahr für die Weltwirtschaft?
Ökonomische Folgen des Klimawandels

Die Warnungen der Klimaforscher vor den Folgen der Erwärmung sind längst nichts Neues mehr: Im Gegenteil. Seit Jahren schon flattern ständig neue Schreckensmeldungen von zurückweichenden Gletschern, sterbenden Korallenriffen oder drohenden Dürren ins Haus. Bisher blieb dies allerdings ohne großen Widerhall in Politik und Wirtschaft – zumindest was die konkreten Handlungen anging.

Doch jetzt schlägt erstmals nicht etwa ein Naturwissenschaftler, sondern ein Wirtschaftsexperte Alarm: Sir Nicholas Stern, ehemaliger Chefökonom der Weltbank, veröffentlichte kurz vor Beginn der Klimakonferenz eine Studie, in der er ein düsteres Bild für die wirtschaftliche Zukunft der Erde zeichnet, wenn nicht sofort in den Klimaschutz investiert wird.

Der Klimawandel könnte uns teuer zu stehen kommen 
Der Klimawandel könnte uns teuer zu stehen kommen
© MMCD
Klimawandel kostet
Stern gilt nicht gerade als ein Mann der große Worte macht, doch seine jetzige Botschaft könnte nicht klarer sein: Wenn wir jetzt nichts tun, so das Fazit seines Reports, dann wird uns das in der Zukunft teuer zu stehen kommen. Nach Sterns Berechnungen könnte ein Nichthandeln („Business as usual“) die Welt sogar an den Rand eines ökonomischen Abgrunds führen, vergleichbar den großen Wirtschaftskrisen Anfang des 20. Jahrhunderts.

Der Bericht basiert zum einen auf einer umfangreichen Meta-Analyse existierender Studien zu den Kosten unterschiedlicher Technologien und Treibhausgas-Reduktionsmaßahmen. Gleichzeitig nutzt er aber auch Modelle, die die Auswirkungen des Klimawandels und eines Übergangs zu emissionsärmeren Systemen auf das globale Bruttoinlandsprodukt in ihrer Gesamtheit abzuschätzen versuchen.

Geht die Emission von Treibhausgasen so weiter wie bisher, so die Ergebnisse der Untersuchungen, dann könnten die Auswirkungen am Ende unseres Jahrhunderts zu einer Senkung der globalen Wirtschaftsleistung um fünf bis zwanzig Prozent führen. Ähnliche Schätzungen hatten 2005 auch bereits Modellrechnungen des deutschen Umweltbundesamts und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung ergeben. Hier kamen die Forscher auf Klimaschäden in Höhe von mindestens zehn Prozent der Weltwirtschaftsleistung.

Folgen ungleich verteilt
Diese Einbußen wären möglicherweise vertretbar für die ohnehin reicheren Industrieländer, nicht aber für Menschen in Entwicklungsländern, die ohnehin bereits am oder unterhalb des Existenzminimums leben. Und diese werden ohnehin, darin sind sich alle Experten einig, die Hauptlast der Klimafolgen zu tragen haben. „Die Auswirkungen des Klimawandels sind nicht gleichmäßig verteilt – die ärmsten Länder und Völker trifft es als erste und am stärksten“, erklärt der Wirtschaftsexperte Stern.

 Dürren treffen oft ohnehin arme Länder
Dürren treffen oft ohnehin arme Länder
© USDA
"Vom Klimawandel sind besonders die Länder betroffen, die am wenigsten zu ihm beigetragen haben und die am wenigsten in der Lage sind, mit seinen Folgen umzugehen. In Nairobi müssen wir diesen Ländern helfen, die Folgen des Klimawandels besser zu bewältigen“, erklärte auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel am 6. November 2006, dem Eröffnungstag des Klimagipfels.

Zum einen haben diese Länder oft geographisch schon die schlechteren Karten: Sie liegen meist in wärmeren Gebieten, in denen die Niederschläge stark schwanken. Zum anderen sind viele Entwicklungsländer abhängig von Wirtschaftszweigen, die ganz besonders anfällig sind für Klimafolgen, wie zum Beispiel die Landwirtschaft. Kenia, das Land in dem zurzeit der Klimagipfel tagt, ist hierfür das beste Beispiel: Vor wenigen Monaten erst blieb in Ostafrika die Regenzeit aus. Die Folge: Ernten fielen aus, Vieh verdurstete und drei Millionen Menschen hungerten. Zukünftig könnten solche Dürren die Regel werden.

„Wir stehen in der realen Gefahr, dass die jüngsten Errungenschaften in der Armutsbekämpfung in den kommenden Dekaden wieder verloren gehen, vor allem für die ärmsten Gesellschaften auf dem afrikanischen Kontinent“, warnte daher auch Kivutha Kibwana, kenianischer Umweltminister und Präsident der Klimakonferenz bei seiner Eröffnungsrede in Nairobi.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Glossar
Was ist was im Klimaschutz?
Artikel zum Thema
S.O.S. - Ist das Klima noch zu retten?
Klimakonferenz 2006: Zukunft Verhandlungssache
Klimawandel als Gefahr für die Weltwirtschaft?
Ökonomische Folgen des Klimawandels
Ein Prozent jetzt vermeidet zwanzig Prozent später
Kosten-Nutzen-Rechnung im Klimaschutz
Maßnahmen bekannt, handeln Fehlanzeige?
Wie hoch sind die Chancen auf Taten?
Anpassungen an eine angekündigte Katastrophe
Was tun, wenn gar nichts mehr hilft?
Emittieren muss weh tun
Welchen Weg zu weniger Treibhausgas?
Mehr Geld für „grüne Technik“
Energieeffizienz und emissionsarme Technologien
Barrieren im Kopf
Gelingt der Sprung vom Wissen zum Handeln?
Chronik
Klimakonferenzen und ihre Hauptthemen
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen