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Freitag, 10.02.2012
Sonderbare Erhebungen mit einem Krater in der Mitte...
Der Meeresgeologe Professor Dr. Gerhard Bohrmann im Interview

Professor Dr. Gerhard Bohrmann beschäftigt sich im Rahmen seiner Arbeit am DFG-Forschungszentrum Ozeanränder unter anderem mit Methanhydraten im Ozean, der Geologie mariner Fluidaustritte und des Meeresbodens sowie der Meeresbodenkartierung. g-o.de hat ihn zum Thema Asphaltvulkane befragt.

g-o.de: Herr Bohrmann, Sie waren im Jahr 2003 einer der Entdecker der Asphaltvulkane. Wussten Sie und Ihre Kollegen sofort, als Sie die ersten Bilder an Bord des Forschungsschiffes Sonne sahen, worum es sich dabei handelt?

 Fuß eines Asphaltflusses
Fuß eines Asphaltflusses
© RCOM/Science
Bohrmann: Ganz klar nein! Die ersten Bilder wussten wir nicht zu interpretieren. Denn dass, was wir sahen, wirkte auf den ersten Blick wie Lava - Lava, die am Meeresboden entlang fließt. Es ist aber vom geologischen Verständnis her nicht möglich, dass dort tatsächlich basaltische Lava ausgeworfen wird. Denn der Golf von Mexiko ist von passiven Kontinentalrändern umgeben, bei denen in der Spätphase kein Vulkanismus vorkommt; Vulkanismus gibt es in der frühen Riftphase, die aber für den Golf schon lange zurück liegt. Deshalb haben wir uns Gedanken gemacht und dann spekuliert, dass es sich um Asphalt handeln könnte. Aber die Bestätigung kam erst, als wir später mithilfe von Videogreifern Proben nehmen und analysieren konnten. Dann war sofort klar, dass es sich tatsächlich um Asphalt handelt.

g-o.de: Asphalt statt Lava - Warum bezeichnet man das Phänomen trotzdem als Vulkanismus?

Bohrmann: Wir haben den Begriff aufgrund der Befunde gewählt, die uns damals vorlagen. Als Grundlage diente eine neue, von uns erstellte Reliefkarte des Meeresbodens, auf der wir in der Region mehr als 20 dieser ungewöhnlichen Tiefseehügel sehr genau erfasst hatten. Etwa die Hälfte dieser sonderbaren Erhebungen besaß einen richtigen Krater mit einer Vertiefung in der Mitte und einem Wall außen herum. Und einer dieser Krater - der auf dem kleinsten Hügel, dem Chapopote - besaß eben jenen Asphalt. Wir gingen damals davon aus, dass die Lava-ähnlichen Ströme beim Ausfließen warm gewesen sein mussten. Alle dies wollten wir in einem einzigen Begriff ausdrücken und nannten es deshalb Asphaltvulkanismus - ohne allerdings die genauen Zusammenhänge zu verstehen.

g-o.de: Sie haben auf und um die Asphaltströme ein exotisches Ökosystem mit Bartwürmern, Muscheln, Krebsen und großen Mengen an Bakterien entdeckt. Was macht das Biotop so einzigartig?

Bohrmann: Zunächst einmal war es für alle an Bord eine große Überraschung in 3.300 Metern Tiefe unter der Meeresoberfläche derart viele chemosynthetisch aktive Organismen an einem Ort zu finden. Zwar sind alle Lebewesen dieses Ökosystems schon von den Gruppen her - Bartwürmer, Muscheln etc. - bekannt, möglicherweise handelt es sich jedoch um zumindest teilweise neue Arten. Die Untersuchungen, welche Spezies wir genau aufgespürt haben, laufen im Moment aber noch. Derzeit wissen wir daher nicht sicher, ob es spezifische Arten gibt, die nur im Asphalt vorkommen oder aber auch an Schwarzen Rauchern und kalten Quellen existieren.

Auffällig waren jedoch Schwämme, die an den Asphaltvulkanen in größerer Zahl vorkommen. Es könnte sein, dass diese auch chemosynthetisch leben. Dafür gibt es bisher nur ein Beispiel weltweit und zwar aus der Barbados-Subduktionszone. Wenn sich das hier bestätigen würde, wäre das demnach erst der zweite Fund im gesamten Ozean.

g-o.de: Im März und April 2006 fand die letzte Expedition zu den Asphaltvulkanen im Golf von Mexiko statt. Gibt es bereits erste Ergebnisse?

Bohrmann: Die Untersuchungen und Analysen sind bisher noch nicht abgeschlossen. Doch was wir schon mit Sicherheit sagen können ist, dass es in diesen Tiefen Methanaustritte gibt und damit freies Gas verfügbar ist. Das war bisher nicht bekannt und ist für uns ein wichtiger Befund bei der Interpretation dieses Gebietes.

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