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Freitag, 10.02.2012
Zwischen Zoo und Dschungel
Menschenaffen im Blick

Der Zoo ist Hares zweiter Arbeitsplatz. Dort ist in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut „Pongoland“ entstanden – mit etwa 30 000 Quadratmetern die weltgrößte Anlage für Menschenaffen. Ihr Kern ist eine riesige Tropenhalle, um die sich fünf weiträumige Außenanlagen mit Bäumen, Höhlen und Gräben gruppieren. Der Besucher sieht weder Gitterstäbe noch gekachelte Wände. Die Primaten leben in einer Umwelt, die ihren natürlichen Lebensräumen nachempfunden ist. Hinter den Kulissen gibt es Arbeits- und Versuchsräume, in denen sich die Menschenaffen testen lassen, und zwar gerne, wie Brian Hare sagt: „Schließlich bekommen sie dabei immer etwas zu fressen.“ Hare findet das Köhler-Zentrum fabelhaft: „Es ist das Beste, was es derzeit gibt.“

Bonobo-Nachwuchs im Lola-Ya-Schutzgebiet 
Bonobo-Nachwuchs im Lola-Ya-Schutzgebiet
© MPI für evolutionäre Anthropologie
Doch reiche es nicht an die Möglichkeiten heran, die er in Afrika in Schutzgebieten für Schimpansen und Bonobos findet. Deshalb hat er einen Teil seiner Forschung in die Sanctuaries auf Ngamba Island (Uganda) und in Tchimpounga (Kongo) verlagert, wo 40 beziehungsweise 120 Schimpansen leben. Erst kürzlich kehrte er aus dem Lola-Ya-Sanctuary für Bonobos zurück, das bei Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, liegt.

Dieser „friedfertige Affe“, von dem nur noch kleine Populationen existieren, ist Hare eine Herzensangelegenheit: „Für Anthropologen gibt es keine dringlichere Aufgabe, als die Psychologie der Bonobos zu verstehen, bevor sie vielleicht aussterben“, sagt er.

Gerade recht kommt dem Forscher dabei der Sofja-Kovalevskaja-Preis, den ihm die Alexander von Humboldt- Stiftung im Jahr 2004 verliehen hat. Diese Auszeichnung ist für erfolgreiche junge Wissenschaftler aus dem Ausland gedacht, die in Deutschland forschen. Der Preis ist gut dotiert: Hare durfte sich über 800 000 Euro freuen, die er nach eigenem Gutdünken in seine Forschung investieren kann. Damit finanziert er auf Ngamba Island, in Tchimpounga und Lola Ya eine einfache Infrastruktur, die Wissenschaftlern aus aller Welt zugute kommt.

„Das nützt uns und den dortigen Einrichtungen, die mehr schlecht als recht von Spenden und Touristen leben“, sagt er. „Unsere Forschungsgelder sind eine dritte Einnahmequelle.“ Im Gegenzug bieten die Sanctuaries den Forschern eine Reihe von Vorteilen: „In Leipzig haben wir 22 Schimpansen, in Afrika fast 200“, rechnet Hare auf. Versuchsreihen lassen sich mit einer größeren Zahl von Tieren natürlich erheblich schneller erledigen als im Köhler-Zentrum, wo es lange Wartelisten gibt.

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