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Freitag, 10.02.2012
Überblick
Das Wichtigste in Kürze

  • Brian Hare forscht am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in der Abteilung für vergleichende und Entwicklungspsychologie. Seine Gruppe nennt sich 3chimps und betreibt „hominoide Psychologie“. Ziel ist es, die Psychologie von großen und kleinen Menschenaffen zu vergleichen.


  • Hunde, so belegten Experimente, sind offenbar sehr gut darin, menschliche Gesten zu erkennen und für sich zu nutzen. Wie Tests zeigen, beherrschen sie das deutlich besser als Schimpansen oder Wölfe. Diese Fähigkeit ist genetisch verankert, muss sich also im laufe der Domestikation herausgebildet haben.


  • Im russischen Akademgorodok, einer schon unter Stalin gegründeten Wissenschaftsstadt bei Nowosibirsk, läuft seit 1959 ein einzigartiges Experiment: die künstliche Domestizierung des Silberfuchses. Es zeigt: Bereits nach einigen Dutzend Generationen hat sich das Verhalten der Füchse grundlegend gewandelt.


  • Was bei den sibirischen Füchsen passierte, dürfte auch für den Haushund gelten. Seine Domestizierung im Lauf der vielen Jahre, in denen Mensch und Hund zusammenlebten, hat sein ursprüngliches Wolfstemperament so verändert, dass beide sich tolerieren. Dieser Vorgang könnte auch für die Evolution des Menschen von Bedeutung sein.


  • Schimpansen können viel. Erstaunlich aber ist, dass Schimpansen in der Regel an der Aufgabe scheitern, die Hunde so gut bewältigen: versteckte Nahrung mit Hilfe menschlicher Hinweise zu finden. Offenbar, so Brian Hare, fehlt es den Schimpansen an solchen soziokommunikativen Fähigkeiten, wie sie Hunde haben.


  • Nur die Schimpansen, die gemeinsam fressen können, ziehen auch das Brett gemeinsam heran – so das Fazit eines Experiments an Schimpansen. Nach Ansicht von Har ist der Schlüsselfaktor dafür die Toleranz. Wollte man bei Schimpansen also ein menschenähnliches Sozialverhalten bewirken, bräuchten sie eine kräftige Dosis Toleranz.


  • Hare ist überzeugt davon, dass die soziale Intelligenz einer Tierart nicht von ihrer Gehirnmasse abhängt, sondern von ihrem Temperament. Beobachtungen an Bonobos zeigen, dass diese, möglicherweise aufgrund einer großen Toleranz, in ihren kooperativen Fähigkeiten recht menschenähnlich sind.


  • Was sagen nun die Beobachtungen an Hunden, Füchsen und Menschenaffen über die Evolution des Menschen aus? „Die Menschen“, so sieht es Hare, „begannen sich von ihren schimpansenähnlichen Vorfahren dadurch zu unterscheiden, dass sie toleranter gegenüber ihren Artgenossen wurden. Dieser Wandel des menschlichen Temperaments ebnete den Weg für die weitere sozio-kognitive Evolution.“

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