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Freitag, 10.02.2012
Ohne „Fremdzellen“ zur Stammzelle
Reprogrammierung durch Kulturmethoden und Wachstumsfaktoren

Sowohl der Kerntransfer als auch die Fusion kommen nicht ohne eine zusätzliche, fremde Zelle oder mindestens ihre Zellhülle aus. Doch es geht auch anders: Dem Stammzellforscher Dennis Steindler vom McKnight Hirnforschungsinstitut der Universität von Florida gelang es im Sommer 2006, adulte Nervenstammzellen zu Zellen mit nahezu embryonalen Eigenschaften umzuprogrammieren. Und dies nur durch spezielle Kulturverfahren, ohne die Mitwirkung von Eizellen oder embryonalen Stammzellen.

Mit Hilfe spezifischer Wachstumsfaktoren und Zellkulturtechniken konnten Steindler und seinen Kollegen, die Nervenzellen einen Entwicklungsschritt zurück machen lassen. Aus den adulten Nervenzellen wurden so Vorläuferzellen (Progenitorzellen), aus denen sich sowohl Nerven- als auch Gliazellen entwickeln können. Gliazellen fungieren als Stütz- und Nährzellen im Gehirn und übernehmen dort auch die Aufgabe des Immunsystems.

Keimzellen zu Stammzellen?
Nicht an Körperzellen, sondern an den Keimzellen setzen die Versuche vieler anderer Forscher an. Denn in den Eizellen und Spermien muss für eine erfolgreiche Reproduktion ja die „Uhr“ der Zellalterung ohnehin auf Null gestellt sein.

Spermien 
Spermien
© CDC
Erste Erfolge gibt es hier mit der Erzeugung von Stammzell-ähnlichen Zellen aus Hodenzellen mithilfe von speziellen Wachstumsfaktoren. Nachteil allerdings: Die Spermienzellen tragen zwar das komplette Genom in sich, aus ihnen gehen aber nur männliche Nachfahren hervor. Versuche ergaben zudem, dass im Gegensatz zu ähnlichen Versuchen mit weiblichen Keimzellen, die resultierenden Zellen nur eingeschränkt pluripotent waren. Sie konnten sich zwar zu einigen anderen Zelltypen differenzieren, aber bei weitem nicht zu einer so breiten Palette wie benötigt.

Hoffnung ja, Wartezeit noch offen
Insgesamt gibt es Fortschritte in fast allen Methoden, mit denen Wissenschaftler versuchen, Stammzellen zu gewinnen. Auch wenn viele davon noch immer auf „Versuch und Irrtum“ beruhen, wächst auch das Wissen um die Faktoren, die die Reprogrammierung steuern langsam an. Aber werden sich dadurch in absehbarer Zeit auch die großen Hoffnungen auf die neuen Therapien durch die „Alleskönner“ erfüllen?

Hans Schöler, Direktor des Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster und einer der renommiertesten Stammzellforscher weltweit ist zuversichtlich: „Eines Tages werden Stammzellen Krankheiten heilen.“ Auch der Entwicklungsbiologe und Max-Planck-Vizepräsident Herbert Jäckle ist sich sicher, dass es den gewünschten Ersatzteilkasten aus Stammzellen eines Tages geben wird. „Ich bin optimistisch, dass es funktioniert. Aber ich bin absolut pessimistisch, was die Zeit anbelangt – dass es schon in fünf oder zehn Jahren so weit sein kann.“

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