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Freitag, 10.02.2012
Vom Kieselstein zum Edelstein
Die Kunst des Schleifens

Wenn man nicht gerade Diamantenexperte ist, wird es einem vermutlich schwer fallen einen Rohdiamanten zu erkennen. Denn das, was man da an angeblich so Wertvollem in der Hand hält, ähnelt in der Regel viel mehr einem Kieselstein oder Kandiszucker, als einem strahlenden Edelstein.

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© De Beers Consolidated
Der letzte Schliff...
Bis aus dem unscheinbaren Mineral ein feuriger Diamant geworden ist, kann es Wochen, zum Teil sogar Monate dauern. In den Schleiferhochburgen in Indien - dort verarbeiten nach Greenpeace-Angaben bis zu 800.000 Menschen 80 Prozent der Weltproduktion -, Israel, Antwerpen oder New York erhalten sie den letzten Pfiff. "Erfunden" wurde das Diamantschleifen angeblich Ende des 17. Jahrhunderts durch Vincente Peruzzi, dem es erstmals gelang, einem Rohedelstein durch geometrisches Schleifen das heute allbekannte typische Feuer und Strahlen zu geben.

Ein einziger Fehler des Schleifers kann die ganze Arbeit zunichte machen und den Wert des Steins ins Bodenlose sinken lassen. Je besser jedoch die Verarbeitung, desto perfekter wird das Licht durch den Stein gebrochen und der Diamant erhält seine Brillianz und sein typisches Feuer.

Kein Wunder, dass gerade vor der Bearbeitung von großen Rohdiamanten genau ausgelotet wird, wie der Stein am besten geschnitten und dann weiter verarbeitet werden muss. Der größte bisher gefundene Einzeldiamant, der Cullinan, mit einem Gewicht von mehr als 3.100 Karat wurde nach umfangreichen Voruntersuchungen schließlich in neun große und fast 100 kleine Diamanten geteilt. Einer davon, der Stern von Afrika, gilt mit rund 530 Karat als einer der größten geschliffenen Diamanten aller Zeiten.

Diamantenstaub und Kinderarbeit
Doch die Schleifarbeiten sind nicht ohne Gefahren. Vor allem in den Zentren der indischen Städte Surat und Bombay, herrschen nach Greenpeace-Angaben zum Teil unmenschliche Arbeitsbedingungen. Zudem gefährden der feine Diamantenstaub und die chemischen Mittel, die während des Schleifens eingesetzt werden, die Gesundheit der Arbeiter. Sie müssen dort oft für einen kärglichen Lohn 16 Stunden täglich arbeiten.

Ein anderer schwarzer Fleck auf der weißen Weste der Branche ist jedoch die Kinderarbeit. Experten von Terre des Hommes schätzen, dass etwa 20 Prozent aller Arbeiter in den indischen Schleiferzentren Kinder sind. Zum Teil beginnen sie bereits im Alter von fünf oder sechs Jahren mit der anstrengenden und gefährlichen Tätigkeit. Nach bis zu fünfjähriger Lehrzeit, die meist nicht bezahlt wird, sind sie zu kleinen Experten herangereift. Trotzdem bekommen sie nur einen Bruchteil des Lohnes der Erwachsenen.

Die vier großen C's
Sind die Diamanten erst einmal perfekt verarbeitet, verrät nichts mehr den zum Teil problematischen Werdegang der Schmuckstücke. Der Wert der Diamanten, die nach dem Schleifen und dem Einfassen in die exklusiven Juwelierläden der Promeniermeilen in New York, Paris oder Tokio kommen, wird durch die vier großen C's bestimmt. Neben dem Carat, dem Gewicht des Steins, gehören dazu der Cut oder Schliff, die Color oder Farbe und die Clarity oder Reinheit des Diamanten.

Besonders begehrt sind beim Kunden die seltenen farblosen Steine, die lupenrein - und damit frei von sichtbaren Kohlenstoffeinschlüssen - sind und das Licht perfekt reflektieren. Der beste Markt für die "Klunker" liegt in den USA. Schmuckdiamanten im Wert von mehr als drei Milliarden Dollar werden dort an die Frau und in letzter Zeit auch immer häufiger an den Mann gebracht.

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