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Montag, 21.05.2012
Gletscher schmelzen schneller
Droht ein Wassermangel in der Kilimandscharo-Region?

Eisreste 
Eisreste
© Photos courtesy of Lonnie Thompson, OSU
Seit dem Jahr 2002 hat sich die Situation am Kilimandscharo anscheinend noch weiter verschlimmert. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls Lonnie Thompson nach seiner dritten Expedition auf den Berg im Jahr 2005.

„Die Veränderung dort ist so dramatisch“, erläutert Thompson, „man kann es sowohl direkt vor Ort als auch auf Luftbildaufnahmen der Bergspitze sehen. Ich würde sagen, sie sind dabei zu verschwinden und das Tempo des Eisverlustes scheint sich noch weiter zu beschleunigen.“, so der Klimaforscher.

Er vermutet deshalb, dass der Kilimandscharo noch schneller eisfrei sein könnte als bisher ohnehin schon angenommen. Und die Ergebnisse seiner Expedition, die er im Jahr 2006 vorstellte, scheinen seine Vermutung zu bestätigen.

Kein neues Eis seit dem Jahr 2000
 Rückzug der Gletscher
Rückzug der Gletscher
© Photos courtesy of Lonnie Thompson, OSU  Rückzug der Gletscher
So ist am Rand des so genannten nördlichen Eisfeldes eine 50 Meter hohe Eiswand seit dem Jahr 2000 um weitere fünf Meter zurückgewichen. Sowohl auf diesem Gletscher als auch auf dem nahe gelegenen Furtwangler-Gletscher haben sich Löcher im Eis gebildet, die bis auf den nackten Fels reichen. Thompson und seine Mitstreiter rechnen damit, dass beide Gletscher schon in wenigen Monaten in zwei Teile zerfallen werden.

Und auch die Dicke der Gletscher hat weiter beängstigend abgenommen. So büßte das von den Ohio-Forschern untersuchte nördliche Eisfeld rund zwei Meter an Höhe ein, am Furtwangler-Gletscher waren es sogar drei Meter. „Das ist ein enormer Verlust an Eis“, so Thompson. Und er weist noch ein weiteres Problem hin: „Auf allen diesen Eisfeldern hat sich seit dem Jahr 2000 kein neues Eis gebildet.“

Wolken und Schnee 
Wolken und Schnee
© Photos courtesy of Lonnie Thompson, OSU
Grund für diese für den Kilimandscharo so dramatischen Befunde ist vermutlich ein Teufelskreis, der sich - einmal in Gang gesetzt - selbst immer weiter verstärkt: Wenn das Eis der Gletscher zu schmelzen beginnt und nach und nach der dunkle Fels durchschimmert, nimmt die Albedo und damit die Fähigkeit der Gletscher die einfallende Sonnenstrahlung zu reflektieren deutlich ab. Je geringer die Albedo, desto mehr Wärmeenergie wird dem Eis zugeführt. Die Folge: Die Gletscher tauen noch schneller ab. Dies verringert die Albedo weiter und der Kreislauf geht von vorne los.

Wasseralarm am Berg
Sollten die Eiskappen des Kilimandscharo in den nächsten Jahren tatsächlich wie prognostiziert ganz verschwinden, sieht Thompson nicht nur für den Tourismus schwarz. Auch Hunderttausende von Bewohnern der Region hätten vermutlich unter der neuen Situation zu leiden. Denn die Bauern und Viehzüchter sind auf einen regelmäßigen Nachschub an sauberem Wasser angewiesen - sowohl für die Bewässerung der Felder als auch zum Stillen ihres Durstes. Das kühle Nass der zahlreichen Quellen und Bäche stammt aber nicht nur aus den Regenfällen in den Waldgebieten, sondern wenigstens zum Teil auch aus der Gletscherregion.

Wenn der Kilimandscharo aber irgendwann komplett einsfrei ist, würde diese Wasserressource komplett ausfallen. Doch wie groß ist der Anteil des Gletscherwassers tatsächlich? Darauf haben die Forscher bisher keine Antwort parat.

Radioaktives Tritium als Marker
In einem nächsten Schritt will Thompson mit seinem Team deshalb genau dies untersuchen. Er hat dazu vom Kilimandscharo Hunderte von Wasserproben mitgebracht, die jetzt auf ihren Tritium-Gehalt hin analysiert werden. Dieses radioaktive Isotop ist erstmals in den 1950er und 1960er Jahren bei überirdischen Atomwaffentests freigesetzt worden und dabei auch ins Wasser gelangt.

„Wenn die Wasserproben hohe Gehalte an Tritium aufweisen, bedeutet das, dass das Quellwasser jünger ist und vermutlich aus dem Regenwald stammt“, erläutert Thompson. „Finden wir aber nur wenig Tritium ist das Wasser älter und stammt zu einem größeren Teil aus den Eisfeldern des Kilimandscharos.“. Und wenn es diese Gletscher nicht mehr gibt, so Thompson weiter, könnte es zu einem drastischen Engpass bei der Wasserversorgung von Mensch und Landwirtschaft kommen.

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