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Montag, 21.05.2012
Phänomene der Finsternis...
Von fliegenden Schatten, Diamantringen und Flammenzungen

Fast unmerklich beginnt sie, die totale Sonnenfinsternis: Wenn der Mond seinen Weg quer über die Sonnenscheibe beginnt, fehlt zunächst nur ein kleiner Happen am westlichen Sonnenrand. Noch sieht man am Himmel kaum eine Veränderung, nichts scheint zu geschehen. Doch die ersten Vorboten der kommenden Finsternis sind schon da:

Lichtsicheln
Normalerweise erscheinen die winzigen Lichtpunkte, die entstehen, wenn Sonnenlicht durch die Blätter eines Baumes fällt, punktförmig. Jetzt aber, während langsam immer mehr von der Sonnenscheibe „verschlungen" wird, leuchten am Boden Hunderte winziger Sicheln - getreue Abbilder der dezimierten Sonne. Diesen Effekt kann man auch gut beobachten, wenn man das Sonnenlicht durch ein feines Sieb oder ein Blatt mit einem kleinen Loch fallen läßt.

Fliegende Schatten
Wenn nur noch eine schmale Sonnensichel am Himmel steht, tritt oft noch ein seltsames Schattenphänomen auf: Auf hellen Flächen bewegen und schlängeln sich plötzlich dünne wellenartige Linien, abwechselnd hell und dunkel, ähnlich wie die Lichteffekte am Grund eines Schwimmbeckens. Diese sogenannten „Fliegenden Schatten" entstehen, wenn das verbleibende Sonnenlicht durch Luftschlieren in der Erdatmosphäre verzerrt wird.

Perlschnur und Diamantring
Jetzt ist es fast soweit: die schmale Sonnensichel beginnt völlig zu verschwinden, das Licht wird fahl. Doch bevor der Mond sie endgültig verschluckt, leuchten noch einige hellere Lichtflecken im Lichtring um den Mondschatten. Unregelmäßig am Rand des Schattens aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur tritt dieses „Perlschnur-Phänomen" bis zu 15 Sekunden vor der Totalität auf. Es entsteht dadurch, dass einige Sonnenstrahlen durch die Täler und Gräben der Mondoberfläche scheinen und die Erde gerade noch erreichen. Beim „Diamantring-Phänomen" zeigt statt der „Perlen" nur ein einziger strahlender Lichtpunkt den Beginn oder das Ende der Totalität an.

Es wird Nacht...
 Sonnnenfinsternis über Afrika
Sonnnenfinsternis über Afrika
© NASA/MODIS
Plötzlich wird es dunkel. Der Schatten des Mondes rast mit dreifacher Schallgeschwindigkeit über die Erdoberfläche heran und macht den Tag zur Nacht. Der Himmel verdunkelt sich, nur der Horizont schimmert noch schwach rötlich. Schlagartig wird es kühler, durch die Temperaturunterschiede zwischen Totalitäts- und Randzone kommt Wind auf.

Am dunklen Himmel werden jetzt auch Planeten und hellere Sterne sichtbar. Pflanzen und Tiere deuten Dunkelheit und Kälte als plötzlichen Nachteinbruch: Vögel hören auf zu singen und tagblühende Pflanzen schließen ihre Blüten. Bienen, die für ihre Navigation auf das polarisierte Licht der Sonne angewiesen sind, verlieren die Orientierung und stoppen ihre Nektarsammelflüge. In der kurzen Zeit der Totalität scheint die Natur „im Schlaf zu versinken".

Strahlenkranz und Flammenzungen
Von der Sonne ist jetzt nur noch die Korona sichtbar - ein weißlich leuchtender Strahlenkranz um die dunkle Mondscheibe. Eine Million mal schwächer als die Sonne selbst, ist diese heiße Gashülle nur während einer totalen Sonnenfinsternis zu beobachten. Wie eine unregelmäßige Krone breitet sich das leuchtende Gas in alle Richtungen aus, bevor es verlischt.

Schon mit bloßem Auge zu erkennen sind die roten Flammenzungen der Protuberanzen. Vom Sonnenrand aus schießen diese Fontänen glühender Materie bis zu einem Drittel des Sonnendurchmessers weit ins All.

Das Licht kehrt zurück
Nach nur wenigen Minuten ist die Dunkelheit vorbei. Am westlichen Rand des Mondschatten blitzt der erste Sonnenstrahl durch die Mondtäler, wieder können Perlenschnur oder Diamantring entstehen. Bald darauf verschwinden die Perlen und eine schmale Sonnensichel erscheint. Das Tageslicht kehrt zurück.

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