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Donnerstag, 09.02.2012
Alles nur Geschwister
Fortpflanzung und Brutpflege der Termiten

Termitenschwarm 
Termitenschwarm
© UNL / Department of Entomology / Jim Kalisch
Gemeinsam errichten die Termiten ihre gewaltigen Nester, gemeinsam schaffen sie Nahrung heran und betreuen den Nachwuchs, gemeinsam verteidigen sie auch ihre Kolonien. Doch die Termiten eines Baus sind nicht nur Arbeitskollegen, sie sind auch Geschwister.

Alle Individuen in einem Staat stammen meist von nur einer einzigen Königin ab. Sie lebt jahrelang sicher geschützt tief im Bau in einem so genannten „Hochzeitsgemach“ und wird von zahlreichen Dienern mit allem Lebensnotwendigen versorgt.

 Königin
Königin
© USDA  Königin
Anders als bei Ameisen gibt es im Termitenstaat kein reines Matriarchat. Die Eier legende Königin lebt Zeit ihres Lebens mit einem viel kleineren Männchen – eine ausgewachsene Regentin kann bis zu 14 Zentimeter lang werden - zusammen, das sie regelmäßig begattet. Alle paar Sekunden legt die Herrscherin ein Ei, das fleißige Helfer umgehend abtransportieren und in einer der zahlreichen Zuchtkammern des Baus ablegen.

Dort werden die zukünftigen Arbeiter, Soldaten oder Geschlechtstiere rund um die Uhr versorgt. Die Ammen schaffen Nahrung herbei und balsamieren den zukünftigen Nachwuchs zudem mit Antibiotika-haltigen Substanzen ein, um ihn vor Bakterien und anderen gefährlichen Krankheitserregern zu schützen. Warme Temperaturen von mehr als 30 °C und eine hohe Luftfeuchtigkeit sorgen darüber hinaus für perfekte Bedingungen zur Aufzucht der Jungen.

Gene machen Larven zu Soldaten oder Arbeitern
Warum entstehen jedoch aus identisch aussehenden Larven im Laufe der Zeit sowohl große Soldaten mit vergleichsweise gewaltigen Kiefern als auch eher unauffällige und kleine Arbeiter? „Schuld“ an dieser unterschiedlichen Entwicklung sind die Gene. Dabei unterscheidet sich jedoch nicht die Gensequenz, sondern die Genaktivität. Dies haben im Jahr 2003 US-Wissenschaftler von der Purdue-Universität in Lafayette um Michael Scharf herausgefunden.

Arbeiter 
Arbeiter
© UNL / Department of Entomology / Jim Kalisch
Nach den Ergebnissen ihrer Studie werden bei den zukünftigen Arbeitern ganz andere Gene abgelesen als bei den Soldaten. Ergebnis dieses kastenspezifischen Genan- und Abschaltens ist eine gänzlich andere Enzymausstattung in Arbeitern und Soldaten, die beispielsweise den Muskelaufbau besonders fördert oder aber den Tieren die Fähigkeit verleiht, Holz abzubauen.

Unklar ist jedoch bis jetzt noch, so die Forscher, ob es eine oberste „Kontrollbehörde“ – vielleicht eine Art „Master-Gen“ - gibt, die das An- und Abschalten der Erbgutbestandteile überwacht und dirigiert.

Andere Forscher untersuchen zurzeit bei der Termitenart Mastotermes darwiniensis, zudem, ob die Steuerung der Kastenzugehörigkeit über Botenstoffe wie das so genannte Juvenilhormon oder über Umweltfaktoren und Pheromone zumindest mitbestimmt wird.

Pilze imitieren Eier
Doch nicht immer führt die Brutpflege am Ende tatsächlich zum gewünschten Erfolg und damit zu neuen Soldaten, Arbeitern oder Geschlechtstieren für den Termitenstaat. Dies haben vor einigen Jahren Wissenschaftler um Kenji Matussura von der Harvard-Universität in Cambridge/England gezeigt. Sie fanden in Kolonien der Termitengattung Reticulitermes „Kuckuckseier“, die den echten Eiern der Tiere zwar sehr ähnlich sahen, sich letztlich aber als Pilze der Gattung Fibularhizoctonia entpuppten.

Die kugelförmigen Gebilde wurden von den Arbeitern offenbar nicht als Eindringlinge erkannt und genauso gut versorgt wie die eigentliche Brut. Mithilfe von Experimenten konnte Matussura nachweisen, dass sowohl die Form als auch die Oberflächenbeschaffung der Pilze denen der Termiteneier fast bis ins Detail glichen.

Symbiose zum Wohle beider oder Parasitismus? Auch diese Frage hat der Japaner im Rahmen seiner Untersuchungen im Jahr 2006 beantwortet. Während der Pilz es sich gut gehen ließ, hatten die Insekten keinerlei Vorteil von den pilzlichen Einwanderern. Manchmal dezimierten diese sogar nach und nach die richtigen Termiteneier in den Bauten.

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